Von Thomas Bopp, CMT-Charttechniker
02. Juli 2001 Nach einem Kaufsignal durch den Bruch einer Trendlinie fährt oft der Zug schnell in die neu eingeschlagene Richtung. Eine erneute Chance, sich günstig den entsprechenden Wert ins Depot zu legen, sind die so genannten Pullbacks.
Sie bieten umgekehrt auch die Möglichkeit, nach einem Verkaufs-Signal durch den Bruch einer Unterstützungslinie nochmals zu besseren Kursen aus einer Position auszusteigen.
In vielen Fällen steigt der Kurs einer Aktie nach einem Trendbruch sehr schnell überdurchschnittlich an. Solche kurzfristige Kursgewinne erhöht natürlich die Tendenz vieler Anleger zur Mitnahme der aufgelaufenen Gewinne.
Potenziellen Käufern auf der anderen Seite ist der Wert zu schnell gestiegen, das Risiko für kommende Kursrückgänge wird höher eingeschätzt als weitere Kursgewinne. Neueinsteiger sind schwer zu finden. Im Gegenzug wird die Menge der Verkäufer mit weiter ansteigender Notierung immer größer. Eine Konsolidierung ist das Ergebnis. Finden sich engültig keine Neueinsteiger mehr, kommt es über kurz oder lang zu einem Überhang an angebotenen Wertpapieren, da im entsprechenden Wert nur Verkäufer am Markt zu sehen sind.
Pullbacks ziehen neues Interesse an
Fällt der Kurs weiter und weiter, dreht sich erneut das Karussell und aus Verkäufern werden wieder Käufer. Anleger, die das erste Signal verpasst haben, setzen den entsprechenden Wert auf Ihre Beobachtungsliste. Berührt die Aktie erneut die Ausbruchstelle, erfolgen erste Käufe. Das Auftreten dieser Bewegungen nennt man in der Charttechnik ein Pullback oder auch den Returnmove. Zu Deutsch: eine Rückkehrbewegung.
Es gibt verschiedene Arten von Pullback-Formationen. Zum einen in einer Seitwärtsphase und zum anderen in den beliebten Trendphasen.
Das Pullback bei Seitwärtstrendbruch
In Seitwärtsphasen erfolgt ein Pullback meist an den zuvor gesehenen Bruchstelle der Unterstützungs- oder Widerstandslinie. Da eine gebrochene Widerstandslinie zur neuen Unterstützungslinie wird, wartet der erfahrene Anleger bei einem Pullback an diese Linie ab, ob diese hält.
In der langfristigen Kursgrafik der ADVA AG sehen Sie mehrer Beispiele für das Verhalten von Pullbacks an Widerstands-und Unterstützungslinien.
Links im Bild konnte nach einem Kursanstieg über die Widerstandslinie ein Rückgang noch im gleichen Monat festgestellt werden. Die neue Unterstützung wurde nicht mehr unterschritten - Neueinsteiger, die den Ausbruch verpasst hatten, zeigten Interesse durch Käufe, was dann zu weiteren Kursaufschwüngen führte.
Umgekehrt verhält sich der Besitzer der Aktie, wenn diese einen Seitwärtstrend nach unten verlässt. Er verkauft den Wert entweder sofort oder wartet auf eine günstige Gelegenheit, sich bei wieder anziehenden Kursen von dem Wert zu trennen. Im gleichen Chart der ADVA AG sehen Sie gleich zwei Pullbacks, die für erneuten Verkaufsdruck sorgten. Die Übermacht der Verkäufer war dann zum Schluss doch so groß, dass es zu einem dramatischen Kursrutsch kam. Später war diese Formation wieder zu erkennen: der Durchbruch durch eine ehemalige Unterstützung, anschließend ein länger andauernden Returnmove mit im Endresultat weiter fallenden Notierungen.
Lesen Sie Teil zwei unter Pullback in Trendphasen.
Text: @cri