Von Ralf Weitbrecht
09. Dezember 2006 Geburtstagsstimmung? Friedhelm Funkel kümmert sich (noch) nicht um den Sonntag, an dem er 53 wird. In meinem Alter denkt man nicht mehr an den Geburtstag, behauptet der Trainer der Frankfurter Eintracht. Vielleicht denkt er ja viel lieber an das, was ihn und seine Mannschaft an diesem Samstag erwartet: ein Fußballspiel gegen die beste deutsche Mannschaft. Die Eintracht gegen Werder Bremen: Das ist eine echte Herausforderung für uns, sagt Funkel. Wir nehmen sie an.
Daß Werder mit 39 Toren den mit Abstand besten Angriff der Liga stellt, ist den Frankfurtern nicht verborgen geblieben. Und weil Funkel weiß, daß nicht nur Miroslav Klose Tore erzielt, sondern gleich vier, fünf weitere Bremer brandgefährlich sind, sieht er seine Mannschaft vor eine knifflige Aufgabe gestellt. Wie kann der Werder-Expreß gestoppt werden? Wer engt die Kreise von Klose ein? Wer kümmert sich darum, den Kreativkopf Diego zu stören?
Thurk voraussichtlich wieder in der Startelf
Man mag dem Eintracht-Trainer glauben, daß er sich noch keine konkreten Gedanken darüber gemacht hat, wie er am Freitag nachmittag nach dem Abschlußtraining eingesteht. Ich weiß es wirklich noch nicht. Immerhin: Vor einer kanppen Woche, beim 3:2-Auswärtssieg in Aachen, hat Funkel alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Angreifer Jan Schlaudraff nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Patrick Ochs wurde mit dem Spezialauftrag betraut, dem besten Aachener Stürmer nicht von der Seite zu weichen. Gegen das Tor, das Schlaudraff erzielt hat, konnte keiner etwas machen, sagt Funkel entschuldigend. Der Ball ist ihm vor dem Tor auf die Füße gefallen.
Ochs hat seine Sache gegen Schlaudraff gut gemacht, und es gibt Gründe und Argumente, dieses Modell auch gegen den Bremer Diego anzuwenden. Diese Option behalte ich mir im Hinterkopf vor, sagt Funkel, wenngleich er abschwächt: Schlaudraff ist der mit Abstand beste Alemannia-Spieler. Aber Werder ist nicht nur Diego.
Die letzten Eindrücke vom Freitag lassen den Schluß zu, daß Michael Thurk nach längerer Pause wieder einmal von Beginn an in der Startelf stehen wird. Der gebürtige Frankfurter, der als nimmermüder Rackerer in guter Form ein Gewinn für die Mannschaft ist, will endlich wieder ein passables Spiel machen. Möglichkeiten, sich gegen Werder zu entfalten, sehen sowohl er als auch Funkel, denn ich gehe für uns von guten Kontermöglichkeiten aus. Thurk als schneller Angreifer könnte sich dabei ebenso in Szene setzen wie der zuletzt überragende Naohiro Takahara, der seit seinen drei Toren am Aachener Tivoli eine neue Begeisterung entfacht hat.
Stroh-Engel und Reinhard helfen bei der U-23 aus
Auch am Tag vor dem letzten Bundesligaheimspiel des Jahres war der Japaner ein gefragter Mann, wurde von Fans umlagert und mußte eifrig Autogrammwünsche erfüllen. Überhaupt: Das Interesse rund um den Tabellenachten ist derzeit groß, was vielleicht auch an dem bevorstehenden Uefa-Pokalspiel bei Fenerbahce Istanbul liegt. Die beiden Klubreporter in ihrem feinen Zwirn, die schon am Donnerstag der Eintracht einen Besuch abstatteten, verfolgten auch am Freitag die gut einstündigen Übungen der Frankfurter. Sonderliche Überraschungen bekamen sie nicht geboten.
Überraschend war auch nicht die Nachricht, daß Daniyel Cimen und Alexander Huber nicht zum Aufgebot gehören und daß Dominik Stroh-Engel und Christopher Reinhard mithelfen sollen, gemeinsam mit der U-23-Mannschaft an diesem Samstag mittag Viktoria Aschaffenburg in der Oberliga zu bezwingen. Überraschend wäre nur eins: ein Sieg der Eintracht gegen Primus Werder.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Michael Kretzer
