Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel

„Es hätte viel schlimmer kommen können“

11. Mai 2008 Der Frankfurter Eintracht geht im Schlussspurt der Fußball-Bundesliga die Luft aus. Das Team von Trainer Funkel verlor auch beim FC Schalke 04 mit 0:1 (Siehe auch: 1:0 gegen Frankfurt: Schalke wahrt die Chance auf Platz zwei). Es war bereits die sechste Niederlage im siebten Spiel, doch der Coach des Tabellenelften wird nicht nervös. Ihn ärgert im FAZ.NET-Interview vor allem die Kritik an seiner Arbeit und seinen Spielern.

Herr Funkel, Ihre Mannschaft hat den Schalkern das Leben schwer gemacht, aber unglücklich 0:1 verloren - wie zufrieden sind Sie heute?

Mit der Leistung bin ich zufrieden, mit dem Ergebnis natürlich nicht. Wir haben uns gut verkauft. Taktisch war es sehr, sehr gut, was wir abgeliefert haben. Meine Mannschaft hat zu hundert Prozent das umgesetzt, was wir zuvor besprochen hatten. Einsatz und Leidenschaft waren da, wenn in der einen oder anderen Szene der letzte Pass von Fenin, Amanatidis oder Köhler gekommen wäre, hätten wir hier was holen können. Schade. Ich hoffe nur, dass es nun auch der Allerletzte verstanden hat, dass niemand bei der Eintracht die Saison bereits abgehakt hat. Das wird es bei meinen Spielern nie geben, dass einer von ihnen von dem letzten Spiel die Saison abhakt.

Und doch gab es wieder einer Niederlage, bereits die sechste in den zurückliegenden sieben Spielen. Eine bescheidene Bilanz.

Die Partie wurde so entschieden, wie ich es befürchtet hatte: im Anschluss an eine Standardsituation. Uns stehen momentan durch die Verletzten nicht so viele Kopfballspieler zur Verfügung, wie ich das gerne hätte. Gegen die Riesen Bordon, Krstajic oder Kuranyi steht man somit irgendwann mal auf verlorenem Posten. Ich habe vor dem entscheidenden Eckball mehrere Fouls gesehen, der Schiedsrichter nicht - das muss man akzeptieren, der FC Schalke hat das gut gemacht.

Auf dem Papier ist die abschließende Partie gegen Duisburg am kommenden Samstag eigentlich ein bedeutungsloses Match. Steht für Sie dennoch etwas auf dem Spiel?

Absolut. Wir wollen und werden uns mit einem Sieg aus der Saison verabschieden. Doch auch schon jetzt stehen wir wesentlich besser da als in den letzten Jahren. Die vergangenen Wochen mit den Niederlagen haben mir aber auch wichtige Fingerzeige für das nächste Jahre geliefert.

Wie meinen Sie das?

Das werden Sie nach der Sommerpause sehen.

Meinen Sie, wie sich die Spieler in der Schlussphase der aktuellen Spielzeit präsentiert haben? Wie sie auf die Kritik von außen reagiert hat? Sie machen uns neugierig.

Sie müssen sich noch gedulden.

Zuletzt kamen Sie zur Erkenntnis, dass der zu offensive Spielstil mitverantwortlich gewesen sei für die Pleiten. In Schalke traten Sie mit nur einem Stürmer an und das Team präsentierte sich defensiv stabiler. Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Heute hat man gesehen, dass es uns gut tut, wenn die Grundordnung stimmt, wir haben kaum etwas zugelassen und haben nicht irgendwo gespielt, sondern in Schalke! Wenn wir diszipliniert auftreten, dann hat es jeder Gegner schwer gegen uns. Natürlich ist Soto Kyrgiakos noch nicht wieder in Bestform, doch er hat nach seinem Nasenbeinbruch erstmals ohne Maske gespielt und er war besser als gegen Stuttgart und Wolfsburg. Er ist mit Blick auf die EM sicher auf einem guten Weg - ich denke, er wird im Sommer in der Nationalmannschaft wieder in Bestform sein.

Sie wirken aufgebracht wegen der jüngsten Kritik, täuscht der Eindruck?

Nein, der ist richtig. Es ist schade, dass nicht wertgeschätzt wird, was wir geleistet haben. Es ist nicht in Ordnung, dass nur wegen der Niederlagen alles in Frage gestellt wird. Wir haben phantastische Spiele abgeliefert, hatten früh nichts mit dem Abstieg zu tun, standen nie im unteren Drittel - und plötzlich kommen Leute daher und behaupten, bei der Eintracht würden sich die Spieler nicht weiterentwickeln. Das ist völliger Quatsch! Behaupten darf das ruhig jeder - aber ich behalte solche Äußerungen natürlich im Hinterkopf gespeichert. Es ist ein gutes Gefühl, dass unsere Arbeit und unsere Entwicklung wenigstens überall außerhalb Frankfurts wertgeschätzt werden.

Sie sagen selbst, Sie sind so lange im Geschäft und verfügen über viel Erfahrung. Da können Sie differenzierte Betrachtungsweisen zur Niederlagenserie der Eintracht doch nicht wirklich überraschen.

Doch. So wie das gelaufen ist, war es nicht angebracht. Bis auf Stuttgart haben wir uns bei allen Niederlagen massiv gewehrt. Man darf nicht vergessen, welches Verletzungspech wir in dieser Saison hatten. Es hätte viel schlimmer kommen können! Man muss nur einmal nach Nürnberg schauen, welche Probleme die mir ihrem wesentlich besseren Kader bekommen haben. Wir mit unseren Benjamin Köhlers und wie die Jungs alle heißen, haben wirklich das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht. Das heißt nicht, dass mir die Niederlagen nicht auch zu denken geben.

War es falsch, dass Sie und der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen die Eintracht und ihre Spieler kleingeredet haben, als das Team Ende März ins obere Tabellendrittel vorstieß?

Wir beide sind dicht dran und wissen, was realistisch ist und was nicht. Wir waren immer ehrlich und haben nie etwas versprochen, von dem wir wussten, das werden wir nicht halten können. Uns war schon im März nach dem glücklichen 2:0-Sieg in Leverkusen klar, durch den wir auf den siebten Platz kamen, dass die Saison noch schwer werden würde. Und das war ja richtig, wie jetzt jeder sehen kann.

Aufgezeichnet von Marc Heinrich.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

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