29. März 2007 Am Mittwoch hatte Markus Pröll allen Grund zum Strahlen. Radiologen in Wiesbaden hatten dem Torwart der Frankfurter Eintracht ein radioaktives Mittel gespritzt, um endlich den geheimnisvollen Rippenschmerzen auf die Schliche zu kommen.
Das Ergebnis des Eingriffs, von Eintracht-Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger als letzte diagnostische Maßnahme“ empfohlen, hat bei Pröll zwiespältige Gefühle“ hervorgerufen. Immerhin: Nach Monaten relativer Ratlosigkeit weiß der 27 Jahre alte Schlussmann nun endlich, woran er ist. Die zehnte Rippe ist gebrochen. Eine Diagnose, vor der sich Pröll insgeheim gefürchtet hatte. Doch nun hat der ehrgeizige Profi, den es mit Macht zurück in das Mannschaftstraining drängt, Gewissheit. Sein Comeback, so die Prognose von Dr. Seeger, wird frühestens in sechs bis acht Wochen erfolgen. Zu spät, um noch im Schlussspurt der Bundesliga entscheidend die Hand im Spiel zu haben.
Monatelang schlaflose Nächte
Das Geheimnis um die seit Monaten andauernde Leidensgeschichte des Markus Pröll ist also durch den Eingriff der Radiologen, in der Medizinersprache Szintigraphie genannt, gelüftet. Die Fakten im Zeitraffer: Im Oktober 2006 hatte sich Pröll die schmerzhafte Rippenprellung zugezogen, die ihm in der Folgezeit monatelang schlaflose Nächte bereiten sollte. Zwar verschwanden die Schmerzen wieder, und es war Pröll sogar möglich, im Trainingslager in Portugal alle fußballspezifischen Übungen mitzumachen. Doch Anfang Februar, nach nur drei absolvierten Spielen in der Bundesliga, verletzte sich Pröll abermals an der gleichen Stelle.
Stets schaute Mannschaftsarzt Dr. Seeger nach dem Rechten. Doch Pröll, heißer als alle anderen“, so sein Trainer Friedhelm Funkel, wollte schnell eine allumfassende Klärung seines mitunter ominös anmutenden Krankheitsfalls. Er konsultierte Dr. Peter Schäferhoff, den Kölner Arzt seines Vertrauens. Er begab sich in die Hände von Chiropraktikern und vermeintlichen Wunderheilern. Und er suchte verzweifelt Rat bei dem wohl bekanntesten Sportmediziner, Bayern- und Nationalmannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Am Ende dieser Tour der Leiden durch Deutschland stand als Diagnose eine Nervenirritation“, doch niemand konnte auf Röntgen- oder sonstigen Bildern Anzeichen eines Rippenbruchs erkennen. Es gab überhaupt keine Signale“, sagt Dr. Seeger, der am Donnerstag außerhalb des sonstigen Protokolls an der Seite von Cheftrainer Funkel saß, um im Presseraum der Frankfurter Arena Rede und Antwort zu stehen.
Pröll weiß nun, woran er ist
Am vergangenen Montag startete der schmerzfreie Pröll nach überstanden geglaubter Verletzung seinen dritten Trainingsversuch – und verletzte sich abermals. Dass zwei Tage später die Szintigraphie als Quelle der Schmerzen einen Bruch der zehnten Rippe ergab, wollte Pröll nur zum Teil erleichtert“ aufnehmen. Ich bin extrem enttäuscht. Es war zum zweiten Mal nach der Ellenbogenverletzung in der vergangenen Saison, dass eine falsche Diagnose gestellt worden ist. Für mich ist die Saison gelaufen, denn es sieht so aus, als müsse ich operiert werden, weil sich Ablagerungen gebildet haben. Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen.“
Niemand weiß, wann Prölls Rippe gebrochen ist. Trainer Funkel hält es noch nicht einmal für ausgeschlossen, dass es erst am Montag passiert ist. Denn dass es schon viel früher geschehen ist, das schließe ich aus. Niemand kann mit einer gebrochenen Rippe ein vollständiges Wintertrainingslager absolvieren und in der Bundesliga Fußball spielen. Das ist unmöglich. Für mich ist es deshalb durchaus denkbar, dass es vor kurzem erst passiert ist.“
Wäre dies so, bräuchte sich keiner der behandelnden Mediziner Vorwürfe zu machen. Pröll weiß nun, woran er ist und dass er im Bundesligafinale nur eine zuschauende Rolle spielen wird. Dabei hätte einer wie er gerne mitgeholfen, um im Kampf gegen den Abstieg weiteren Boden gutzumachen. Die nächste Chance dazu bietet sich an diesem Samstag, wenn die Eintracht im Mönchengladbacher Nordpark auf die Borussia trifft, der als Tabellenletzter, sechs Punkte hinter der Eintracht liegend, wirklich das Wasser bis zum Hals steht.
Als Funkel gefragt wurde, mit welchen Hoffnungen und Erwartungen er die für diesen Freitag anstehende Reise in den Westen verknüpfe, antwortete er gewohnt kurz: um zu punkten“. Punkte im Klassenkampf kann die Eintracht gut gebrauchen. Punkte bei Pröll allerdings konnte die Schar der Mediziner nicht verbuchen. In einer Mischung aus Erleichterung und Verbitterung wartet Pröll auf bessere Zeiten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Heiko Rhode