07. Dezember 2006 Es war nicht der Abend des Thimothee Atouba. Der Kameruner verursachte ihn der 23. Minute des für den Hamburger SV sportlich unbedeutenden Champions-League-Spiels gegen ZSKA Moskau den Elfmeter, der zum 0:1 führte und wurde anschließend von den Fans bei fast jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen.
In der zweiten Hälfe bat der entnervte HSV-Profi um seine Auswechslung (68.) und zeigte den buhenden und pfeifenden Zuschauern auf dem Weg zur HSV-Bank gleich mehrfach den Mittelfinger. So etwas darf nicht passieren - nie und nimmer, schimpfte Sportchef Dietmar Beiersdorfer nach dem Spiel.
Vom italienischen Schiedsrichter Farina erhielt Atouba, obwohl er den Platz bereits verlassen hatte, wegen Unsportlichkeit die Rote Karte. Es war bereits der achte Platzverweis für einen Hamburger Spieler in dieser Saison.
Er wird weiter für uns spielen
Zum Zeitpunkt seiner Auswechslung lag der HSV 1:2 zurück, nach dem Eklat drehte das Team das Match und siegte schließlich 3:2. So eine Reaktion wie von Timothee Atouba ist nicht zu entschuldigen, darüber werden wir reden. Es ist aber auch nicht schön und tut weh, wenn man als einzelner Spieler vom eigenen Publikum gnadenlos ausgepfiffen wird. Es bringt aber nichts, ihn jetzt an die Wand zu nageln. Er wird weiter für uns spielen, sagte Trainer Thomas Doll.
Der HSV suspendierte den Linksverteidiger suspendiert und ihm eine empfindliche Geldstrafe auferlegt. Wir stehen weiterhin zu unserem Spieler, stellte Beiersdorfer am Donnerstag vor Journalisten klar, daß man sich nach der obszönen Geste nicht gleich von dem Nationalspieler trennen werde. In einer schriftlichen Entschuldigung von Atouba hieß es: Ich habe dem Verein und der Mannschaft großen Schaden zugefügt. Nur wenige Tage nach diesem Vorfall gegen Nürnberg aufzulaufen, das geht natürlich nicht, fand Trainer Thomas Doll, der seinen angeschlagenen Profi aber auch in Schutz nahm. Seine Erklärung zeigt, daß er hier mit dem Herzen Fußball spielt, sagte Doll.
Es darf nicht sein, daß das ganze Stadion ihn auspfeift
Die Rückendeckung seiner Teamkameraden aber hat der 24jährige. Der verletzte Nigel de Jong hätte sich um ein Haar mit einem Zuschauer geprügelt, der einen Bierbecher Richtung Atouba geworfen hatte, Sanogo verweigerte nach dem Schlußpfiff den Gruß an die Fans. Timmy darf das nicht passieren, sagte auch der überragende Kapitän Rafael van der Vaart, aber es darf auch nicht sein, daß das ganze Stadion ihn auspfeift.
Als Stefan Effenberg 1994 den deutschen Fans in einer ähnlichen Situation bei der Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten den Mittelfinger gezeigt hatte, wurde er vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts nach Hause geschickt.
Hamburger SV - ZSKA Moskau 3:2 (1:1)
Hamburg: Wächter - Mahdavikia, Mathijsen, Reinhardt, Atouba (69. Feilhaber) - van der Vaart - Jarolim (83. Sanogo), Laas - Trochowski - Ljuboja (75. Guerrero), Berisha
Moskau: Akinfejew - Taranow, Alexej Beresutzki, Semberas, Wassili Beresutzki (77. Odiah / 87. Kochubei) - Aldonin, Dudu (9. Gregorijew), Krasic - Daniel Carvalho - Schirkow, Olic
Schiedsrichter: Stefano Farina (Italien)
Tore: 0:1 Olic (23., Foulelfmeter), 1:1 Berisha (28.), 1:2 Schirkow (65.), 2:2 van der Vaart (84.), 3:2 Sanogo (90.)
Zuschauer: 49.649
Rote Karte: Atouba wegen unsportlichen Verhaltens (69.)
Gelbe Karte: - Wassili Beresutzki
Text: @phi
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS
