Von Josef Schmitt und Ralf Weitbrecht
03. November 2009 Heribert Bruchhagen hat nach Worten gerungen. Das passiert dem Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Eintracht selten. Doch Bruchhagen weiß, was ein langfristiger Ausfall von Ioannis Amanatidis für die Mannschaft bedeuten würde. „Ich will nichts vorwegnehmen, aber ich habe da so eine Ahnung“, hatte der Eintracht-Chef nach dem 2:1 im Heimspiel gegen den VfL Bochum gesagt. Es ist die Ahnung, dass Amanatidis, der beste Stürmer der Eintracht, wieder am rechten Knie operiert werden muss und wieder für viele Monate nicht zur Verfügung stehen wird.
Dies sei „ein schwerer Schlag“ für den ganzen Verein, sagt Bruchhagen. Trainer Michael Skibbe spricht von einem „herben Verlust“. Für das nächste Bundesligaspiel an diesem Freitag bei Bayer Leverkusen hat die Eintracht noch einen weiteren Ausfall zu beklagen. Bei Verteidiger Patrick Ochs wurde am Montag ein Bruch der elften Rippe festgestellt, den er sich im Spiel gegen Bochum zugezogen hat. Skibbe rechnet erst beim nächsten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am 21. November wieder mit Ochs.
„Ich habe mich gut gefühlt“
Schlimmer dran ist Amanatidis. Der 27 Jahre alte Stürmer war vor gut einem Jahr, am 27. Oktober 2008, in Augsburg wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie operiert worden. Erst am Ende der vergangenen Saison konnte er wieder spielen, zu Beginn dieser Saison schien er topfit. „Ich habe mich gut gefühlt, und es ist es ja auch gut gelaufen“, sagt Amanatidis. Gleich beim Auftaktspiel in Bremen hat er mit zwei Toren maßgeblich zum 3:2-Sieg beigetragen. Es folgte ein weiterer Treffer zum 1:1 im Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Es folgten aber auch immer wieder Ausfallzeiten wegen Schmerzen im Knie, in der Wade und im Oberschenkel.
Vor drei Wochen war Amanatidis vorzeitig von der griechischen Nationalmannschaft wegen Schmerzen im operierten Knie zurückgekehrt. Die ersten Röntgen- und Kernspinaufnahmen waren ohne Befund geblieben. „Es war nichts zu sehen“, sagt Amanatidis. Doch gespürt hat er immer etwas im lädierten Knie. Auf einer neuen Aufnahme in der vergangenen Woche war nun an der Verbindungslinie zwischen dem alten und dem neuen nachgewachsenen Knorpel eine kleine Lücke zu erkennen. „Es ist bei weitem nicht so schlimm wie letztes Jahr“, sagt der Grieche. Aber es ist eben sehr schmerzhaft. Nun wurden die Aufnahmen sowohl an den Augsburger Spezialisten Dr. Ulrich Boenisch, der Amanatidis im Vorjahr Jahr operiert hat, als auch an den Amerikaner Dr. Richard Steadman geschickt, der unter anderem auch Amanatidis’ Kollegen Christoph Preuß operiert hat.
„Wohl wieder ein Eingriff nötig“
In zwei, drei Tagen sollen die Spezialisten nun eine Empfehlung aussprechen, was zu tun ist. „Es sieht so aus, als sei wieder ein Eingriff nötig“, sagt der griechische Nationalspieler. Die Glättung des Knorpels sei womöglich nur durch eine Operation möglich. Damit bestätigt er die Einschätzung von Eintracht-Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger, der von einer „operativen Therapie“ spricht.
Bevor die genauen Diagnosen und Empfehlungen nicht vorliegen, ist auch eine eventuelle Ausfallzeit nicht abzusehen. Trainer Skibbe hofft, „dass es nicht so schlimm ist und Ioannis nach sechs Wochen wieder mit dem Training beginnen kann“. Dies wäre bei einem optimalen Heilungsverlauf der Fall, Amanatidis könnte dann also zur Rückrunde wieder zur Verfügung stehen. Auch deshalb will der Eintracht-Coach noch keine weitere Personaldebatte in Gang setzen. „Bevor nicht feststeht, wie es genau weitergeht, macht es keinen Sinn, sich über Alternativen Gedanken zu machen“, sagt er.
Auch Nationalef im Sinn
Amanatidis selbst will kämpfen. Um seinen Platz bei der Eintracht – und um seinen Platz in der griechischen Nationalmannschaft, die sich nächste Woche in zwei Spielen mit der Ukraine um einen Platz bei der Weltmeisterschaft in Südafrika streiten wird. „Es ist der Wahnsinn“, beschreibt Amanatidis seine psychische Verfassung, „am Anfang der Saison war ich richtig fit, und jetzt wieder dieser Rückschlag.“ Warum der Knorpel wieder beschädigt ist, darauf wissen weder die Ärzte noch der Patient eine Antwort. „Ich habe keinen Schlag bekommen, zumindest habe ich keinen gemerkt“, sagt der langjährige Eintracht-Kapitän.
Einem wie Amanatidis ist am Ende der turbulenten Arbeitswoche nicht entgangen, dass die Eintracht einiges durchlebt hat. Auch Trainer Skibbe ist froh, dass Hoch und Tief in DFB-Pokal und Bundesliga beendet sind. „Der Druck in der vergangenen Woche ist schon groß geworden“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer nach dem wichtigen 2:1 gegen Bochum. „Aber die Mannschaft ist sehr gut damit umgegangen.“ Es gab viele positive Signale, beispielsweise die ganz persönliche Achterbahnfahrt des trefflichen Verteidigers Maik Franz. Doch auch der Auftritt von Pirmin Schwegler dürfte der Eintracht Mut gemacht haben. Der Schweizer, in der Vorsaison noch für Bayer 04 Leverkusen aktiv, präsentierte sich wenige Tage vor dem Auswärtsspiel bei seinem alten Klub in bestechender Verfassung. „Wir alle haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft mit Charakter sind“, sagte Schwegler. „Wir wollten unbedingt, dass wir alle wieder aufstehen.“ Den meisten ist es geglückt. Amanatidis noch nicht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann