Kommentar

Weiter so, Werder!

Von Peter Heß

06. Dezember 2006 Werder Bremen hat sich ehrenvoll aus der Champions League verabschiedet. Zwar wurde die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf bei der 0:2-Niederlage vom FC Barcelona zeitweise vorgeführt, aber solche Minuten muß man manchmal wie ein Naturereignis über sich ergehen lassen, ohne in übergroße Selbstzweifel zu stürzen. In seinen genialen Momenten ist Barcelona unschlagbar.

Vielleicht hätten es die Bremer ihren Widersachern etwas schwerer machen können, aber was soll's. Das letzte Gruppenspiel bewies: Was Bremen für die Bundesliga bedeutet, bedeutet Barcelona für Europa: spielerische Extraklasse. Um sie zu kompensieren bedarf es eines glücklichen Spielverlaufs, einer Konzentrationsschwäche oder Verletzungsmisere des Gegners. Das alles trat am Dienstag abend nicht ein, und so nahmen die erwarteten Ereignisse ihren Lauf. „Nicht viele Mannschaften werden gegen Werder erfolgreich sein“, hieß es in Barcelona nach dem Sieg. Trainer Frank Rijkaard machte Bremen dieses Kompliment.

Resultate und Fußballvergnügen

Setzt man den finanziellen Aufwand der beiden Klubs ins Verhältnis, dann kann Werder besonders stolz auf seine Mannschaft sein, dann erscheint ihr spielerischer Ertrag sogar höher als der Barcelonas. Die Katalanen sammeln Weltstars wie Ronaldinho, Deco, Eto'o, Saviola (beide fehlten verletzt), Zambrotta, Marquez, Giuly und andere, Werder stieß bei der Verpflichtung von Miroslav Klose vom 1. FC Kaiserslautern an seine Grenzen.

Was Trainer Schaaf aus der Mannschaft herausholt, welches Händchen Manager Allofs bei den Verpflichtungen hat, davon kann sich die deutsche Konkurrenz eine Scheibe abschneiden. Und als Bonus liefert Bremen seit Jahren nicht nur Resultate, sondern auch noch Fußballvergnügen. Thomas Schaaf hat bei Werder ein Arbeitsklima geschaffen, in dem sich gestandene Fußballprofis noch weiter entwickeln.

Ser Wille zum Lernen ist spürbar

Für Klose, Frings, Naldo, Fritz, Borowski gilt: So gut wie in dieser Saison waren sie noch nie. Mit Diego haben die Bremer einen Spielmacher gefunden, der schon jetzt mit seinen individuellen Fähigkeiten bei Barcelona mithalten könnte. Wenn der Brasilianer den Ball noch einen Tick früher wieder hergibt, kann er zum überragenden Strategen der Bundesliga werden und damit wie Klose zu groß für den deutschen Fußball.

Bei Werder ist der Wille zum Lernen spürbar, der vielen Klubs in der Bundesliga abhanden gekommen ist. Nicht Bayern München ist ihr Maßstab oder die Leistung, die genügt, gerade noch den Einzug in irgendeinen Europapokal zu ergattern. Werder will so gut sein wie die Besten und tut alles dafür. Wer diesen ehrgeizigen Weg eingeschlagen hat, darf zwischendurch ruhig einmal scheitern.



Text: F.A.Z. vom 7. Dezember 2006
Bildmaterial: AFP

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