Eintracht Frankfurt

Es kann nur besser werden

Von Josef Schmitt

07. Juli 2008 Friedhelm Funkel hat den Fußballprofis der Eintracht in diesem Sommer sechs Wochen Urlaub zugestanden. So viel wie kaum ein anderer Bundesliga-Trainer und so viel wie noch nie seit seinem Amtsantritt am Main vor vier Jahren. Die freie Zeit sollten die Spieler zur Erholung nutzen, auch dazu, leichtere Verletzungen auszukurieren und sich auf die kommende Saison gut vorzubereiten. Die Großzügigkeit des Trainers brachte (bisher) noch gar nichts.

Köhler, Pröll und Vasoski verletzt, Caio mit Übergewicht

Einen Tag vor der Abreise in das einwöchige Ausdauer-Trainingslager in Zell in Tirol meldete sich Angreifer Benjamin Köhler mit einer Sprunggelenksverletzung vom Trip in die österreichischen Alpen bei Funkel ab. An diesem Montag wird der 27 Jahre alte Stammspieler in der BG Unfallklinik untersucht. Zuvor war Torwart Markus Pröll in München abermals am Schienbein operiert worden, weil die Narbe nach einem Syndesmoseband-Anriss starke Schmerzen verursachte. Außerdem fällt für unbestimmte Zeit Innenverteidiger Aleksandar Vasoski aus. Dem Mazedonier musste eine Zyste an der Lunge entfernt werden.

Dafür hatten die Hessen am Freitag den Franzosen Habib Bellaid für 2,5 Millionen Euro von Racing Straßburg verpflichtet und den U-21-Nationalspieler mit einem Vertrag bis 2012 ausgestattet. Zum Ärger des Trainers war zudem der Brasilianer Caio mit angeblich sechs Kilo Übergewicht „in einem erbärmlichen körperlichen Zustand“ aus den Ferien zurückgekehrt. In Südamerika hatte der mit 3,8 Millionen Euro teuerste Einkauf der bisherigen Vereinsgeschichte seine Freundin geheiratet, gefeiert und offenbar die Pflichtaufgaben während der Urlaubszeit vernachlässigt. „Es ist schon sehr bedauerlich, dass mit Köhler wohl ein ganz wichtiger Spieler vorerst ausfällt. Aber wenn sich nicht in der Torwartfrage und im Sturm Handlungsbedarf ergibt, gehen wir mit diesem Kader in die Saison“, meinte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen am Sonntag. Die Frist für Wechsel läuft in der Deutschen Fußball-Liga am 31. August ab.

Ausreichend Erfahrung mit Verletzungsproblemen

Die Stimmung im ersten Trainingslager könnte also durchaus besser sein. Vor der Abreise, beim ersten Privatspiel der Saison in Grävenwiesbach gegen eine Hochtaunusauswahl (11:0-Sieg), standen Funkel nur noch zehn Profis aus dem 25 Spieler umfassenden Kader zur Verfügung. Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger geht davon aus, dass bei Benjamin Köhler nach einer Athroskopie feststeht, wie lange der gebürtige Berliner ausfällt. Schon im Frühjahr habe er ähnliche Probleme im linken Knöchel gehabt, sagte Köhler, „aber damals haben wir es mit konservativer Behandlung in den Griff bekommen“.

Nun wollen Trainer, Spieler und Mediziner kein Risiko eingehen und deswegen den Ursachen näher auf den Grund gehen. Funkel nahm die vielen verhängnisvollen Bulletins der ersten Vorbereitungstage mit Sarkasmus: „Wenn es in der Saison so gut läuft wie letztes Jahr, soll es mir recht sein.“ Auch vor zwölf Monaten hatte seine Elf während des Hochsommers mit großen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Sie konnte dann aber doch eine gute Hinrunde spielen und landete im Mai letztendlich auf dem beachtlichen neunten Rang. Im Zillertal, wo die Mannschaft von einem kräftigen Gewitter begrüßt wurde, sollen die zuletzt wegen körperlicher Malaisen fehlenden Junichi Inamoto, Mehdi Mahdavikia sowie Neuzugang Alexander Krük am normalen Trainingsprogramm teilnehmen können; in Grävenwiesbach wurden sie noch geschont.

Chance für die Eintracht-Amateure

Das Pech der verletzten Profis hilft sechs Amateuren: Mit Frank Lehmann, Jürgen Mössmer, Norman Theuerkauf, Patrick Mayer, Martin Hess und Juvhel Tsoumou sind gleich sechs Kicker aus der U-23-Regionalligamannschaft im Zillertal mit von der Partie. Die Spieler aus der Nachwuchsabteilung halfen schon gegen die Hochtaunusauswahl kräftig mit: Michael Fink (3 Treffer), Kreso Ljubicic (2), Marcel Heller (2), Markus Steinhöfer, Faton Toski, Meier und Tsoumou schossen den ungefährdeten Erfolg heraus.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

 
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