Von Tobias Rabe, Frankfurt
21. März 2008 Sie kamen als frischgebackener Lederhosenauszieher und gingen mit den alten Sorgen des Überlebenskampfs in der Fußball-Bundesliga. Energie Cottbus wurde von Eintracht Frankfurt nach dem Überraschungserfolg gegen den FC Bayern auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Am Donnerstagabend verloren die Lausitzer bei den Hessen mit 2:1 Toren und verpassten die Chance, den Coup vom vergangenen Samstag zu vergolden. Die Gastgeber hingegen unterstrichen ihre leisen Ambitionen auf das internationale Geschäft und verbesserten sich vorübergehend auf Rang sechs.
Für die Eintracht trafen der Brasilianer Caio und Abwehrspieler Marco Russ; Timo Rost hatte die Gäste kurz nach der Halbzeitpause in Führung geschossen. Die Mannschaft hat das haltbare 0:1 hervorragend weggesteckt und danach befreit nach vorne gespielt, freute sich Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel über den zehnten Saisonsieg (Siehe auch: Bundesliga in Zahlen - Ergebnisse, Tabelle, Torschützen).
Fußball auf allerniedrigstem Niveau
In den ersten zwanzig Minuten passten sich die Akteure auf dem Rasen dem ungemütlichen Wetter im dennoch gut gefüllten Rund der Frankfurter WM-Arena an. Kaum ein Pass, der den Mitspieler auf dem nassen Boden erreichte; kaum ein durchdachter Spielzug - und folgerichtig auch keine Torchance. Für das erste erwärmende Erlebnis für die 45.100 Zuschauer sorgte Eintrachts Top-Stürmer Ioannis Amanatidis, dessen Kopfball nach einem Weissenberger-Freistoß nur knapp am linken Pfosten des Energie-Tores vorbeistrich (24.).
Auch in der Folgezeit blieben die Strafräume beider Teams Sperrbezirk. Und wenn sich doch einmal ein Ball dorthin verirrte, fand er keinen Abnehmer. Für die nächste Torgefahr sorgte wieder der Österreicher Markus Weissenberger. Seinen Freistoß - diesmal von der anderen Seite - klärte Amanatidis mit einem völlig missratenen Torschuss. Den abprallenden Ball nahm Weissenberger direkt, verfehlte den Cottbuser Kasten aber um einen Meter (38.). Mehr hatte die erste Halbzeit nicht zu bieten - Fußball auf allerniedrigstem Niveau, quittiert mit einem Pfeifkonzert.
Schlussmann Nikolov patzt abermals
Im zweiten Durchgang sorgte Oka Nikolov für einen Weckruf, der dem Spiel nur gut tun konnte, auch wenn der Frankfurter Torwart wohl liebend gerne darauf verzichtet hätte. Cottbus' Timo Rost zog mehr aus Verzweiflung aus mehr als 25 Metern ab, und der Oldie im Kasten der Eintracht ließ den an und für sich harmlosen Schuss im Liegen über die Schulter rollen. Er hat uns in der Vergangenheit schon oft im Spiel gehalten. Deshalb muss man das verzeihen, sagte Funkel zu der unglücklichen Aktion Nikolovs.
Energie führte plötzlich und unerwartet nach 48 Minuten mit 1:0, obwohl sie sich eigentlich noch gar keine Tormöglichkeit erarbeitet hatten, und auch die Gastgeber mussten nun am Spiel teilnehmen, wollten sie diesmal mehr erreichen als eine Niederlage wie im Vorjahr gegen Energie - es war der letzte Cottbuser Auswärtssieg in der Bundesliga. Damals siegten sie Anfang April mit 3:1.
Abwehrspieler Russ trifft zum Sieg
Für den nächsten Höhepunkt sorgte der einzige Spieler auf dem Platz, der sich den grauenvollen Kick zunächst von der warmen Ersatzbank hatte anschauen dürften. Funkel hatte Mut bewiesen und den bisher enttäuschenden Neuzugang Caio zur Pause eingewechselt. Der Brasilianer bekam den Ball vom anderen Wintereinkauf Martin Fenin am Strafraum serviert, düpierte die Energie-Abwehr mit einem simplen wie effektiven Übersteiger und schoss halbhoch zum 1:1 ein (59.). Es war das erste Bundesligator Caios.
Nach dem Ausgleich hatte das Spiel die Qualität, die ein Bundesliga-Spiel mindestens bieten sollte. Die Frankfurter hatten begriffen, wie man die engmaschige Defensive des Abstiegskandidaten knacken konnte. Der Druck der Hessen wurde größer. Nach einem abgewehrten Eckball spielte Caio Abwehrspieler Russ die Kugel mit einer scharfen Hereingabe vor die Füße. Seinen Schuss konnte Cottbus-Keeper Gerhard Tremmel, gegen die Bayern noch Elfmeter-Entschärfer, nur an den Innenpfosten lenken. Von dort rutschte der Ball wohl knapp hinter die Linie (64.) (Siehe auch: Energie Cottbus: Gerhard Tremmel und der Feind mit den Argusaugen).
Die Punkte am nächsten Wochenende holen
Die Eintracht hatte das Spiel, das sich nach dem miserablen Niveau in der ersten Hälfte zum Ende hin stark verbesserte, gedreht und setzte fortan auf kontrollierte Offensive. Energie hingegen fand kein adäquates Mittel mehr, um zum Torerfolg zu kommen. Funkel gab sich nach der Partie gewohnt zurückhaltend, obwohl mit den drei Punkten im vorgezogenen Spiel des 25. Spieltags der Sprung auf 39 Punkte gelang. Unser Ziel bleiben 45 Punkte, und bevor wir die nicht erreicht haben, werden wir kein anderes Ziel nennen - das wäre ja Blödsinn.
Sein Trainerkollege Bojan Prasnikar hatte sich nicht zuletzt nach dem Sensationserfolg gegen Tabellenführer Bayern München insgeheim mehr errechnet: Wir sind zum ersten Mal in einem Auswärtsspiel in Führung gegangen und hatten auch noch zwei sehr gute Chancen, die wir leider nicht genutzt haben. Jetzt müssen wir einfach am nächsten Wochenende unsere Punkte holen. Dann stellt sich Hertha BSC Berlin in der Lausitz vor. Ob Energie dann zum Hauptstadtbezwinger wird, bleibt nach der Leistung in Frankfurt abzuwarten.
Eintracht Frankfurt - Energie Cottbus 2:1 (0:0)
Frankfurt: Nikolov - Ochs, Russ, Galindo, Spycher - Inamoto (46. Caio) - Fink, Köhler, Weissenberger (66. Toski) - Fenin, Amanatidis (90. Mantzios). - Trainer: Funkel
Cottbus: Tremmel - Angelow, Radeljic, Cvitanovic, Ziebig - Rost, Bassila - Rivic (75. Vasiljevic), Skela, Sörensen (69. Shao) - Jelic (61. Papadopulos). - Trainer: Prasnikar
Schiedsrichter: Michael Kempter (Sauldorf)
Tore: 0:1 Rost (48.), 1:1 Caio (59.), 2:1 Russ (65.)
Zuschauer: 45.100
Gelbe Karten: Russ (3) - Cvitanovic (4), Rivic (3)
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS