Bundesliga-Kommentar

Aufstieg zu den Meistermachern

Von Peter Hess

Stuttgarts Fans haben die Hand schon an der Schale

Stuttgarts Fans haben die Hand schon an der Schale

14. Mai 2007 Also doch, der VfB Stuttgart. Die Schwaben werden Meister. Einen Spieltag vor Saisonende ist die Prognose nicht gewagt. Ein Sieg zu Hause gegen Cottbus, und der VfB hat es geschafft. Sogar ein Unentschieden würde höchstwahrscheinlich schon reichen. Es sei denn, die Schalker entdeckten noch ihre Torjägerqualitäten und besiegten Arminia Bielefeld mit vier Toren Unterschied.

Doch Vorsicht, die Schwaben sind schon der vierte große Meisterschaftsfavorit in dieser Spielzeit. Die Bayern waren es vor der Saison, die Bremer in der Vorrunde, Schalke über weite Strecken der Rückrunde - und sie alle strauchelten, obwohl es in jedem einzelnen Fall gute Gründe für den Vorschusslorbeer gab.

Erst am Schluss ganz nach oben

Der Rekordmeister stellte nun mal dank seiner Wirtschaftskraft den besten und ausgeglichensten Kader, Werder bezauberte mit herrlichem Offensivfußball, und Schalke pflegte lange Zeit erfolgreich seinen ergebnisorientierten Stil. Doch der Sättigungsgrad bei den Bayern-Profis war höher, als sich die Münchner Fußballgewaltigen eingestehen wollten, die Bremer zeigten sich zu anfällig gegenüber dem psychischen Druck, und Slomkas Mannschaft fehlte auf Dauer dann doch das letzte Quentchen offensive Extraklasse. Wenn Kuranyi nicht trifft, dann trifft kaum noch jemand in "Königsblau".

Die Stuttgarter waren immer dran an der Spitze, aber erst eine Siegesserie in der Schlussphase der Meisterschaft brachte sie ganz nach vorn. Der VfB hat dieser Saison nicht seinen Stempel aufgedrückt oder gar die Konkurrenz dominiert. Aber Trainer Armin Veh und Teammanager Horst Heldt ist es gelungen, eine relativ junge und unerfahrene Mannschaft ständig bei Laune und auf ihrem höchsten Leistungsniveau zu halten. Ihr Hunger nach Siegen und ihr unverkrampfter Umgang mit Rückständen zeichnet die Stuttgarter am meisten aus, die spielerisches Format mit kämpferischem Einsatz verbinden. Ob sie aber dem Druck standhalten, die beste Ausgangsposition zu verteidigen und zu nutzen? Das ist eine Tugend, die der VfB erst noch beweisen muss.

No-Name-Trainer

Wer nun auch den Titel gewinnen mag, ein Trainer wird die Schale hoch halten, dem es vor dem Saisonstart die meisten nicht zugetraut hätten, die Trophäe zu gewinnen. Veh wie Slomka galten damals als Fußball-Lehrer ohne die dazu nötige Statur. Veh trat vor Jahren in Rostock freiwillig den Rückzug an und hatte danach in der Regionalliga keinen Erfolg; Slomka haftete der Makel an, vom Schalker Assistenten zum Chef aufzusteigen, ohne jemals Erstliga-Erfahrung in dieser verantwortlichen Position gesammelt zu haben.

Beide jedoch hatten ihre Spieler während der gesamten Saison im Griff, wobei sich Slomka sicherlich im schwierigeren Umfeld bewegte. Die Mannschaft suchte einen Maulwurf, der Interna verraten hatte, die Profis verhängten einen Presseboykott, der kapriziöse Spielmacher Lincoln stellte immer wieder die Loyalität der Mitspieler auf harte Proben. Und der Druck der Fans war nach 49 Jahren ohne Meisterschaft sowieso immens.

Dagegen scheiterten die berühmten und bekannten Kollegen. Magath und Hitzfeld konnten die Bayern nicht in der Spur halten, Schaaf den Bremern nicht die nötige Konstanz vermitteln. Mit van Marwijk wurde Borussia Dortmund zur grauen Maus, mit Doll der HSV ein Abstiegskandidat. Und in der zweiten Liga schrumpfte Christoph Daum zu einem austauschbaren Trainer. Veh oder Slomka: Einer wird den Aufstieg in die Meisterklasse der deutschen Trainer schaffen.

Text: FAZ
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

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