Frankfurt verliert 2:6

Zu grün für Werders Torfabrik

Von Tobias Rabe, Frankfurt

Diego setzt den Schlußpunkt gegen Frankfurt

Diego setzt den Schlußpunkt gegen Frankfurt

10. Dezember 2006 Friedhelm Funkel hatte sich etwas ausgedacht. Der Eintracht-Trainer, der an diesem Sonntag seinen 53. Geburtstag feiert, formierte seine Defensive neu. Statt mit einer Viererkette lief Frankfurt gegen die Bremer Torfabrik mit einer Dreierabwehr - Marko Rehmer, Marco Russ und Sotirios Kyrgiakos - auf. Der etatmäßige Innenverteidiger Aleksandar Vasoski dagegen sollte Werder-Regisseur Diego in Schach halten. Trotz der 2:6-Niederlage ging der Plan in gewisser Weise sogar auf: Die Stürmer Klose und Klasnic blieben torlos.

Doch das reichte freilich nicht. Funkel hatte bereits zuvor gewarnt, daß „vier, fünf weitere Bremer brandgefährlich“ seien. Daß er dabei auch Abwehrmann Naldo auf dem Zettel hatte, ist eher unwahrscheinlich. Doch der Brasilianer entdeckte den Torjäger in sich und traf gleich dreifach (3., 31.,48. Minute). Jensen (11.), der eingewechselte Vranjes (86.) sowie Diego machten das halbe Dutzend voll. Aber auch bei den Hausherren sorgten die Defensivakteure für Offensivfreude. Russ (4.) und Kyrgiakos (81.) schossen die Tore.

„Werder Bremen wird nicht 34 Mal so aufspielen“

So ansehnlich es vorne funktionierte, so einfach machte es die Eintracht-Hintermannschaft dem Spitzenreiter. Dennoch sah Funkel das Problem nicht in seiner Taktik: „Ich würde wieder so spielen lassen. Wir waren in vielen Dingen unterlegen.“ Daher sei die Niederlage auch in der Höhe verdient. „Aber Werder wird nicht 34 Mal in der Saison so aufspielen.“ Funkels Spieler waren in der Analyse schon deutlich selbstkritischer. Patrick Ochs sprach von einer Klatsche, Christoph Spycher beklagte, man sei „zu viel durcheinander gelaufen“.

Albert Streit, bester Eintracht-Spieler, hatte bei seinen Mitspielern „zu viel Respekt“ vor den großen Namen des Gegners ausgemacht: „Man darf die auch mal foulen oder ihnen wehtun. Das haben wir nicht gemacht.“ Dennoch müsse man anerkennen, daß Werder eine sehr gute Mannschaft habe. In der Tat: Bereits zum dritten Mal erzielten die Bremer sechs Tore in einem Auswärtsspiel. Streit versuchte daher Positives aus der Niederlage zu ziehen: „Vielleicht kommt das 2:6 jetzt richtig, damit wir nicht anfangen von oben zu träumen.“

„Da sind wir halt noch ein bißchen zu grün“

Verständlicherweise richtig angefressen war Torwart Markus Pröll: „Mir fehlen die Worte. So kenne ich die Mannschaft gar nicht.“ Anscheinend könne man gegen eine derartige Offensive wie die von Bremen derzeit nicht bestehen. „Da sind wir halt noch ein bißchen zu grün“, meinte Pröll treffend. „Uns ist es einfach nicht gelungen, die Vorgaben des Trainers umzusetzen“, erklärte Spycher. Das sollte die Eintracht am Mittwoch allerdings tun. Dann wartet in Istanbul das nächste wichtige Spiel. Und wieder geht es gegen eine europäische Top-Mannschaft.

Bei Fenerbahce kann dem „klaren Außenseiter“ (Streit) nur ein Sieg den Einzug in die nächste Uefa-Pokal-Runde ebnen. Patrick Ochs ist zuversichtlich. Man habe schon oft Rückschläge gemeistert. So soll es auch am Bosporus sein. Christoph Spycher, der als Schweizer Nationalspieler keine guten Erinnerungen an Istanbul hat, ist sicher, daß das Bundesliga-Mißgeschick kein Knackpunkt ist, doch „dort müssen wir uns mehr wehren“. Dann werde es ein ganz anderes Spiel als das gegen Bremen - hoffentlich auch vom Ergebnis.

Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 2:6 (1:3)
Frankfurt: Pröll - Rehmer, Russ (46. Köhler), Kyrgiakos - Ochs, Vasoski (78. Chris), Spycher - Streit, Meier, Thurk - Takahara
Bremen: Wiese - Fritz (80. Pasanen), Mertesacker, Naldo, Schulz - Daniel Jensen (75. Vranjes), Frings, Borowski (68. Wome) - Diego - Klasnic, Klose
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore: 0:1 Naldo (3.), 1:1 Russ (4.), 1:2 Daniel Jensen (11.), 1:3 Naldo (31.), 1:4 Naldo (48.), 2:4 Kyrgiakos (81.), 2:5 Vranjes (86.), 2:6 Diego (90.)
Zuschauer: 51.400 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Streit (5), Ochs (4) - Fritz (5), Mertesacker






Text: FAZ.NET @tra
Bildmaterial: AP, REUTERS

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