Eintracht Frankfurt

Die schwierige Suche nach einem Stürmer

Von Ralf Weitbrecht

09. Juli 2008 Von Österreich aus hat Heribert Bruchhagen herzliche Glückwünsche nach Gelsenkirchen übermittelt. „Man kann Schalke nur gratulieren“, sagte am Dienstag der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht. Der ambitionierte, von der Champions League zuletzt verwöhnte Ligarivale hatte jüngst drei Millionen Euro durch den Transfer ihres dänischen Stürmers Sören Larsen nach Toulouse erlöst. Eine Summe, die die Eintracht zu zahlen bei weitem nicht gewillt war. „Es stimmt, wir wollten Larsen verpflichten, aber wir hatten Schalke weitaus weniger geboten.“ Im Gespräch ist eine Million Euro.

Kommt demnach also kein weiterer Stürmer mehr nach Frankfurt? Bis spätestens zum Ende der Transferperiode am 31. August will Bruchhagen noch aktiv werden und einen neuen Angreifer unter Vertrag nehmen. „Er müsste sich dann aber wohl mit dem Status des dritten Stürmers zufriedengeben.“ Kein Geheimnis ist, dass die noch urlaubenden Europameisterschaftsteilnehmer Ioannis Amanatidis und Martin Fenin erste Wahl sind. Zudem ist Bruchhagen nur bereit, eine gewisse Summe für einen neuen Angreifer zu investieren, „der vom Typus her passen muss“. „Wir haben nicht mehr so viel Geld. Auch ein Ausleihgeschäft ist denkbar. Und im Übrigen halte ich mich an den alten Aufsichtsratsbeschluss, wonach nur so viel ausgegeben wird wie auch eingenommen wird.“

„Einen wie Amanatidis können wir nicht bezahlen“

Zum Verständnis: Bei der Eintracht, die in der kommenden Saison mit einem Umsatz von 65 Millionen Euro plant, sind für den Lizenzspieleretat 25 Millionen Euro vorgesehen. Der in der Rückrunde der Vorsaison für 300.000 Euro ausgeliehene und letztlich glücklos agierende Grieche Evangelos Mantzios hätte in Frankfurt bleiben können, wenn die Eintracht bereit gewesen wäre, zwei Millionen Euro an Panathinaikos Athen zu zahlen.

Wie schwierig es ist, gute Stürmer für überschaubares Geld zu verpflichten, verdeutlichte Bruchhagen beim Gespräch im Sommertrainingslager in Zell an der Person Amanatidis. „Einen Angreifer oberhalb der Qualität von Ioannis Amanatidis können wir nicht bezahlen“, sagte Bruchhagen. „Unsere Marktchancen sind mittelmäßig.“ So müssten aus dem 65-Millionen-Euro-Topf alleine Jahr für Jahr 8,8 Millionen Euro aufgewendet werden, um die Miete für die Arena und die Trainingsplätze zu begleichen.

Spekulationen, wonach der Zweitliga-Aufsteiger FSV Frankfurt nur einen Bruchteil der Miete für die Commerzbank-Arena zu entrichten habe, kommentierte Bruchhagen so: „Jeder ist für seine Geschäftspolitik verantwortlich. Großartig für den FSV, wenn es denn stimmt. Wenn wir einmal in die zweite Liga absteigen sollten, dann will ich auch zu den Konditionen in der Arena spielen, die der FSV genießt.“ Zweite Liga? Die scheint ferner denn je, denn auch im fünften Jahr unter Funkel will sich die Eintracht wieder ein Stück weit in der Bundesliga etablieren. „Auch jetzt glauben wir daran, dass sich einzelne Spieler bei uns weiterentwickeln“, sagte Bruchhagen. „In der Geschlossenheit muss unsere Chance liegen.“ Den Angriff auf das vordere Tabellendrittel hält er nach wie vor für ausgeschlossen, „doch unterhalb der ersten Sechs gibt es ein munteres Treiben und einen großen Verdrängungswettbewerb“. Daran will sich die Eintracht beteiligen – gemeinsam mit Mitbewerbern wie Hannover 96, Hertha BSC und Borussia Dortmund.

Caio steigt als Erster vom Rad

Um besser als in der Vorsaison zu werden, die die Eintracht als Neunter abgeschlossen hat, braucht es eine in allen Mannschaftsteilen funktionierende Einheit. Der Brasilianer Caio, der nach sechswöchigem Sommerurlaub wenig professionell an den Arbeitsplatz in Frankfurt zurückgekehrt ist, gehört gleichfalls dazu. Bruchhagen ist überzeugt davon, dass der offensiv ausgerichtete Mittelfeldmann „Eigenschaften hat, die uns noch sehr guttun werden“. Was seine Leidenschaft betrifft, andere Essgewohnheiten zu pflegen, vermutet Bruchhagen, „dass er vom Typus her wohl immer dieses Problem haben wird. Was er braucht, ist Willenskraft.“ Und wohl auch die Fähigkeit, Schmerzen zu ertragen und auf die Zähne zu beißen.

Am Dienstagvormittag jedenfalls, als sich der Eintracht-Tross bei leichtem Nieselregen ohne ihre auf dem Platz trainierenden Torleute radelnd mit Mountainbikes auf den Weg machte, nebenbei die Schönheiten des Zillertals zu erkunden, kam Caio nach kürzerer Ausfahrt als Erster zurück. Gemeinsam mit Assistenztrainer Armin Reutershahn erreichte er eine gute Viertelstunde vor der Mannschaft das Hotel. Um zukünftig auf Augen- und Radhöhe zu sein, bietet sich Caio eine zweite Chance. Am Donnerstag soll wieder geradelt werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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