Von Ralf Weitbrecht
03. Dezember 2006 So hört sich das an, wenn der Mann des Abends nach Worten sucht, um eine Vorstellung der Extraklasse zu beschreiben. Super für mich. Alexander guter Ball kommen. Gut Geschoß. Drei Geschosse haben die 20800 Zuschauer im Stadion am Tivoli von Naohiro Takahara am Sonntag abend zu sehen bekommen. Keine Frage: Es war die Partie des Japaners, der die Frankfurter Eintracht im Alleingang zum 3:2-Auswärtssieg bei der Aachener Alemannia führte.
Drei Schüsse mit rechts, zweimal vorbereitet von Alexander Meier (14. und 43. Minute), einmal von Albert Streit (62.): Mit nun zwanzig Punkten hat es sich die Eintracht in der Bundesliga auf Tabellenposition acht bequem gemacht, sechs Zähler vor dem ersten Abstiegsrang liegend, und nebenbei die Vorgabe ihres Trainers schon zwei Spieltage vor Hinrundenschluß erfüllt. Friedhelm Funkel hatte sich ebenjene zwanzig Punkte bis Weihnachten gewünscht.
Spezialauftrag für Ochs
Wieder hatte sich Funkel etwas Besonderes einfallen lassen. Diesmal betraute er Patrick Ochs mit einem Spezialauftrag. Der flinke Außenmann aus der Viererabwehrkette sollte dem Aachener Nationalspieler Jan Schlaudraff nicht von der Seite weichen und ihn auf Schritt und Tritt verfolgen. Ein Konzept, das aufging - bis zur 32. Minute. Dann war Schlaudraff zur Stelle, um den von Markus Pröll abgewehrten Kopfball von Alexander Klitzpera aus zwei Metern zu vollenden.
Es war der zwischenzeitliche Ausgleich für die seit sieben Spielen in Folge sieglosen Alemannen, denn die forsche Eintracht gab am Tivoli den Ton an. Folgerichtig wurde sie für ihren Mut und ihr Engagement belohnt, und es paßte in die bisherige Geschichte Frankfurter Bundesliga-Erfolge, daß Takahara den ersten Treffer des Abends erzielte. Glänzend vom wieder aufgebotenen Meier bedient, zögerte der Japaner keine Sekunde und vollendete von der Strafraumgrenze aus (14.). Es war schon Takaharas vierter Saisontreffer.
Auch in der Folgezeit geriet der Aufsteiger unter Druck. Benjamin Köhler bot sich für die Eintracht ebenso eine Gelegenheit (23.) wie dem ungemein stark und glänzend aufspielenden Takahara, dessen Schuß Alemannia-Schlußmann Kristian Nicht gerade noch mit dem Fuß abwehren konnte (29.). Auch Streit hätte ein Tor erzielen müssen, doch er verzog (31.). Wie es besser gemacht wird, zeigte Takahara. Abermals von Meier, diesmal mit dem Kopf, freigespielt, legte der Japaner alle Kraft in den Rechtsschuß, der über Nicht zum 2:1 für die Eintracht einschlug (43.). Saisontreffer Nummer fünf für den Japaner. Eine unglaubliche Quote, schaut man auf seine Zeit beim Hamburger SV zurück. Das Tolle: Sie war noch steigerungsfähig.
Konterstürmer Takahara
In der 62. Minute nahm Takahara, von Streit freigespielt, abermals mit rechts Maß - 3:1. Über dem auf dem Boden liegenden Glückspilz, mit sechs Treffern nun der erfolgreichste Eintracht-Angreifer, bildete sich eine riesige Traube glückseliger Frankfurter Fußballprofis. Ein Dreierpack des Japaners? Funkel sagte später, daß ich mich für den Jungen ungemein freue. Er hat schon viele starke Spiele für uns gemacht. Er ist kein Torverhinderer, sondern er erzielt welche. Er hat der Mannschaft beeindruckend geholfen.
Die Selbsthilfe der lange Zeit ungewohnt in Deckung gegangenen Alemannia kam spät, zu spät. In der 81. Minute schaffte Cristian Fiel lediglich das 2:3. Es schien für die Eintracht noch einmal bedrohlich zu werden; dabei hätte sie schon das vierte Tor durch Meier bejubeln können. Dessen Kopfball bekam Nicht erst hinter der Torlinie zu fassen, doch das Schiedsrichtergespann schien diese Aktion kurz nach Takaharas drittem Streich nicht gesehen zu haben (64.).
Später dann, als der zweite Auswärtssieg der Eintracht perfekt war, äußerte sich auch Vorstandschef Heribert Bruchhagen über die Qualitäten des erfolgreichen Japaners. Ich habe Takahara geholt, weil er ein guter Konterstürmer ist. Wir wußten, daß er nicht torgefährlich ist, sondern dazu neigt, Chancen zu vergeben. Aber wenn er jetzt auch noch Tore macht, freut uns das um so mehr. Die Freude, die Takahara der Eintracht derzeit bereitet, ist groß. Einen wie ihn könnte der HSV vermutlich gut gebrauchen.
Alemannia Aachen - Eintracht Frankfurt 2:3 (1:2)
Aachen: Nicht - Herzig, Klitzpera, Sichone (46. Reghecampf), Leiwakabessy - Plaßhenrich (46. Dum) - Pinto, Lehmann (72. Krontiris) - Fiel - Schlaudraff, Ebbers
Frankfurt: Pröll - Ochs, Kyrgiakos - Rehmer, Fink (74. Huggel), Spycher - Streit, Takahara, Russ, Meier (90.+3 Chris), Köhler
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore: 0:1 Takahara (14.), 1:1 Schlaudraff (32.), 1:2 Takahara (43.), 1:3 Takahara (61.), 2:3 Fiel (81.)
Zuschauer: 20.800 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Dum (5), Klitzpera -
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
