Von Ralf Weitbrecht
05. Juli 2008 Nun ist der Transfer also doch noch zustande gekommen. Spätestens seit vergangenem Montag dürfte das Interesse der Frankfurter Eintracht an dem Franzosen Habib Bellaid auch rapide gestiegen sein; schließlich musste Innenverteidiger Aleksandar Vasoski wegen einer Zyste an der Lunge in seiner mazedonischen Heimat operiert werden und fällt für unbestimmte Zeit aus. Schon vor Wochen hatte Heribert Bruchhagen öffentlich eingestanden, dass der 22 Jahre Abwehrspieler Bellaid für die Eintracht ein Profi mit Potential sein könne, für den er bereitgewesen wäre, an den abgebenden Klub Racing Straßburg eine Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro zu zahlen.
Ein paar Tage später sind daraus nun 2,5 Millionen Euro geworden. Allerdings gibt es jetzt auch einen Arbeitsvertrag, der den bei seinem ersten Auftritt sympathisch wirkenden Franzosen für die kommenden vier Jahre an die Eintracht bindet. Wir sind sehr erfreut, dass Habib Bellaid zur Eintracht gekommen ist“, sagte Vorstandschef Bruchhagen am Freitag bei der kurzfristig anberaumten Präsentation in einem schmucklosen Nebenraum der Frankfurter Arena. Wir haben großes Vertrauen in seine sportliche Entwicklung. Er ist jung und entwicklungsfähig und kommt aus einem Land, in dem Fußball auf höchstem Niveau gespielt wird.“
Ich will so schnell wie möglich Deutsch lernen
Sollte sich der in Paris geborene Bellaid, der einen tunesischen Vater und eine algerische Mutter hat, nicht nur – wie von den Eintracht-Verantwortlichen erhofft – in der Bundesliga durchsetzen, sondern auch eine gewisse Anzahl von Länderspielen absolvieren, dann erhöht sich die Ablösesumme“, so Bruchhagen.
Als ein wenig Stille einkehrte und die Bildberichterstatter ihre Fotos gemacht hatten, kam Bellaid zu Wort. Guten Tag“, sagte der junge Mann auf Deutsch, der gerade die letzten Vertragsmodalitäten hinter sich gebracht hatte. Dann ging es in seiner Heimatsprache weiter. Karlheinz Förster, der einstige Stuttgarter Nationalverteidiger, der heute bei der International Management Group IMG tätig ist und seinen Blick vornehmlich auf französische Fußballprofis richtet, übersetzte, so auch dieses: Ich will so schnell wie möglich Deutsch lernen“. Denn ich möchte in die Mannschaft kommen. Mein Traum wäre es, mit Eintracht Frankfurt die Qualifikation für den Uefa-Cup zu schaffen.“
Von der deutschen Bundesliga weiß Bellaid so gut wie nichts. Deshalb war es ihm auch wichtig, bei einem seiner Besuche in der jüngeren Vergangenheit von seinem neuen Trainer Friedhelm Funkel Einblicke zu bekommen. Ich habe mir alles in der Stadt angeschaut, das Stadion selbstverständlich auch“, sagte Bellaid. Ich habe einen positiven Eindruck gewonnen. Eintracht Frankfurt ist ein großer Klub. Ich denke, das ist der richtige Klub für mich.“
Rückennummer 19
Dass Habib Bellaid nach Wochen des Hin und Her überhaupt noch in Frankfurt angekommen ist, hat die Eintracht auch und vor allem zwei Männern zu verdanken, die von Amts wegen in der zweiten Reihe stehen. Doch über die beobachtenden Vorzüge von Oliver Heitmann wusste Eintracht-Chefscout Bernd Hölzenbein am Rande von Bellaids Vorstellung nur Positives zu berichten. Das ist Olivers Abschiedsgeschenk“, sagte der Fußball-Weltmeister.
Heitmann, Spezialist für die französischen Ligen und seit jüngstem A-Juniorentrainer bei Alemannia Aachen, hat Bellaid erstmals schon vor einem Jahr beobachtet. Um die schon guten Erfahrungen bestätigt zu bekommen, war Hölzenbein vor drei Wochen nach Schweden geflogen, und hatte sich den U 21-Nationalspieler im Rahmen eines Länderspiels gegen Holland angeschaut. Auch da hat er überragend gespielt“, sagte der einstige Stürmer über den aktuellen Verteidiger. Diese Eindrücke waren das I-Tüpfelchen.“
Ob die Eintracht mit Bellaid tatsächlich einen guten Fang gemacht hat“, wie Förster sagte, wird die nahe Zukunft zeigen. Unmittelbar nachdem Bellaid seine neue Arbeitskleidung mit der Rückennummer 19 präsentierte, verabschiedete er sich Richtung Straßburg. Am späten Samstagabend wird er in Frankfurt zurückerwartet, um tags darauf um sieben Uhr in der Frühe mit den neuen Spielkameraden in das einwöchige Lauftrainingslager nach Zell im Zillertal zu fahren. Dort ist ausgiebig Zeit, um die Mannschaft kennenzulernen. Und um sich an die deutsche Sprache heranzutasten, die sich sein Vorgänger Sotirios Kyrgiakos zu lernen stets geweigert hatte.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa