
Dürfte auch in Dortmund wie schon gegen Köln vorne den Alleinunterhalter geben: Eintracht-Neuzugang Halil Altintop
Die Reise in den Westen ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Schließlich hat Michael Skibbe elf Jahre lang, von 1989 bis 2000, in den verschiedensten Funktionen und zuletzt als Cheftrainer bei Borussia Dortmund gearbeitet. Seit mehr als einem halben Jahr trägt der mittlerweile 44 Jahre alte Fußballlehrer Verantwortung in Frankfurt. Gegenwart und Zukunft der Eintracht treiben den gebürtigen Gelsenkirchener an. Doch sich mit Träumereien auseinanderzusetzen, das lehnt Skibbe kategorisch ab. „Das ist überhaupt keine Thema für uns. Damit beschäftigen wir uns nicht“, sagte der Eintracht-Trainer am Donnerstag über die möglichen europäischen Ambitionen des Klubs.
Heimlich, still und leise nämlich hat sich eine Regel der Europäischen Fußball-Union Bahn gebrochen, wonach in der deutschen Bundesliga sogar Platz sechs zu einer Teilnahme in der sogenannten Europa League berechtigt. Dafür freilich müsste alles passen. „Wenn beide Pokalfinalisten für die Champions League oder Europa League qualifiziert sind oder der Sieger nur in der Europa League spielen darf, erhält der Tabellensechste den Platz in der dritten Qualifikationsrunde“, heißt es von Seiten der für den nationalen Spielbetrieb zuständigen Deutschen Fußball Liga. Im Klartext: Ein Berliner Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem FC Schalke 04, zwei Vereinen, die aktuell auf europäischen Königsklassenpfaden wandeln, wäre für manch ambitionierten Klub hinter den ersten fünf vermutlich eine gute Wahl.
Doch wie gesagt: Skibbe macht um derartige Rechenspiele einen großen Bogen. Vielleicht weil er ahnt, dass die kommenden (Auswärts-)Prüfungen allesamt knifflig sind? Der Reise in den Westen zur alten Liebe Borussia folgen schließlich – unterbrochen durch die Heimpartie gegen den SC Freiburg – zwei weitere Spiele mit herausforderndem Charakter: am 20. Februar beim Hamburger SV und eine Woche später beim VfB Stuttgart. Erst nach diesem Dreierpack lässt sich sagen, wohin die aktuell auf Tabellenposition sieben geführte Eintracht die weitere Reise führt.
Personelle Umbauten für die Partie bei der Borussia dürften nicht zu erwarten sein. Das Eintracht-Lager an bekannten verletzten Profis ist nicht kleiner geworden. Und so ist Trainer Skibbe schon froh und dankbar, dass die zuletzt angeschlagenen Chris und Selim Teber rechtzeitig wieder auf Touren gekommen sind. Wie schon beim 1:2 gegen Köln werden sich sowohl der Brasilianer Chris als auch der Kurpfälzer Teber auf bekannten Positionen wiederfinden: Chris als Abwehrchef an zentraler Stelle in der Innenverteidigung, Teber als Abräumer vor der Viererkette.
Vor dem langjährigen Hoffenheimer Kapitän sollten auch in Dortmund Patrick Ochs, Alexander Meier, Nikos Liberopoulos und Benjamin Köhler den offensiven Mittelfeldblock bilden, während sich der jüngste Neuzugang Halil Altintop ein zweites Mal in neuer sportlicher Umgebung als stürmischer Alleinunterhalter versucht. Als Kandidat, der im Laufe der Partie für frischen Wind sorgen könnte, gilt nach den aktuellen Trainingsleistungen Caio. Mit dem Brasilianer ist Skibbe durchaus einverstanden. „Er hat seine Sache gut gemacht“, sagte der Eintracht-Coach. „Er ist auf einem guten Weg.“ Um diesen Kurs zu halten, schaut Caio neben den sonstigen Übungseinheiten im Kraftraum vorbei. „Das macht er regelmäßig“, weiß Skibbe. „Caio ist bereit und willens, sich zu verbessern.“
Stark verbesserungsfähig abseits des Platzes ist das Verhalten einiger unbeirrbarer Fans. Dass die Eintracht Frankfurt Fußball AG wegen der Vorkommnisse in Nürnberg 10.000 Euro Geldstrafe zahlen muss und sich nach Auskunft von Vorstandsmitglied Klaus Lötzbeier „auf einem schmalen Grat“ bewegt, ist das vorerst letzte Glied einer in der Summe peinlichen Kette. Seit 2002 haben sich derartige Strafen auf 222.500 Euro angehäuft.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: APN