
Dieser Trikotentwurf steht zwar bei Fans hoch im Kurs, wird aber von den Spielern nicht getragen werden
26. März 2008 Eintracht-Fan Maobit ist der Spaß vergangen: Diese Abstimmung ist ein schlechter Witz. Pseudo-Mitbestimmung. Ich kaufe dieses Trikot nicht, schreibt er im Internetforum des Fußball-Bundesliga-Vereins Eintracht Frankfurt (www.eintracht.de). Es ist dumm, ein Trikot zur Wahl zu stellen, das gar nicht gewählt werden darf, findet Nutzer Basaltkopp. Und JohnyChamp2 stellt fest: Meiner Meinung nach kann es doch nicht sein, dass man nur aus ,religiösen' Gründen so ein Trikot nicht wählt. Wir sind doch nur Fußball-Fans, die ein tolles Trikot wollen.
Dabei ging es den Verantwortlichen der Eintracht eigentlich um genau das: Sie suchten ein schönes Trikot für die Auswärtsspiele der nächsten Saison. Deshalb riefen sie dazu auf, Design-Vorschläge zu machen und einzureichen. Eine Jury habe daraufhin 16 Entwürfe ausgewählt und im Internet zur Wahl gestellt, sagt Vereinssprecher Michael Feick. Zwischen Ende Dezember und Mitte Januar hätten sich die Fans an der Abstimmung beteiligen können; dann seien die Voten gezählt worden.
Das Kreuz als Symbol der Tempelritter
Klar auf Platz eins mit rund 2500 Stimmen lag ein Trikot mit weißer Grundfarbe und schwarzem Kreuz auf der Brust. Folglich hätte die Eintracht in der Saison 2008/09 mit ebendiesem Trikot zu den Auswärtsspielen auflaufen müssen. Doch dann erinnerten sich Michael Feick und seine Kollegen an das Heimspiel von Inter Mailand gegen Fenerbahce Istanbul im September 2007 - und an dessen Nachspiel.
Damals, in der Champions League, waren die Mailänder nämlich mit einem roten Kreuz auf weißer Brust aufgelaufen. Zum einen besiegten sie darin Istanbul mit 3:0, zum anderen gab es nach dem Match mächtig Ärger mit einem türkischen Rechtsanwalt, der die Gefühle der Muslime verletzt sah. Ihn erinnere das Kreuz an das Symbol der Tempelritter und damit an die Kreuzzüge, verkündetet der Jurist in der britischen Zeitung The Times. Inter Mailand habe damit ausdrücklich die Überlegenheit des Christentums über den Islam propagiert. Das Trikot symbolisiere für ihn die blutigen Tage der Vergangenheit.
Zweitbester Fan-Vorschlag als Vorlage für Auswärtstriktot
Die Verantwortlichen von Inter dagegen sagten, die Spieler hätten das Trikot nur getragen, um der Stadt ihre Reverenz zu erweisen: Es zeige das Wappen Mailands, das die Stadt seit dem Ende des zwölften Jahrhunderts führe. Trotz des Kreuzes verkörpere das Trikot deshalb nichts Religiöses, sondern etwas Städtisches und Stadtstaatliches. Das zugrundeliegende Weiß stehe für die Bauern, das Rot darüber für die Bürger.
Einer ähnlichen Diskussion wollte die Eintracht aus dem Weg gehen und zog den Kreuz-Entwurf aus dem Verkehr. Stattdessen soll nun der Vorschlag, den die Anhänger im Internet am zweitbesten fanden, zur Vorlage für das neue Auswärtstrikot werden. Dass dafür 500 Stimmen weniger abgegeben wurden, stört Feick nicht. Inter Mailand hat so viel Ärger bekommen, das war uns nicht geheuer, sagt er, gesteht aber ein, dass die Jury den Entwurf gar nicht erst auf die Vorschlagsliste hätte nehmen dürfen. In einem jedoch seien sich die Verantwortlichen einig: Religiöse Symbole haben im Fußballsport nichts zu suchen.
Wir werden es nie jedem recht machen können
Der Verein müsse politisch und religiös unangreifbar bleiben: Es gibt auch bei uns Muslime, die sich auf den Schlips getreten fühlen könnten. Dass die Freien Wähler im Römer in diesem Schritt eine weitere Kapitulation vor den islamistischen Einschüchterungen sehen, kommentiert Feick mit den Worten: Wir werden es nie jedem recht machen können. Auch der jetzt verwirklichte Trikotentwurf sehe toll aus.
Eintracht-Anhänger Bembelmonster dagegen hat resigniert. Für ihn zeigt der Vorgang bloß die Gedankenlosigkeit der Eintracht-Bosse: Die juckt das einen Scheißdreck, weil die Herrschaften nicht im Trikot zum Fußball gehen, sondern im hellblauen Ralph-Lauren-Polohemdchen den Breiten am Buffet machen.
Text: F.A.Z., 26.03.2008, Nr. 71 / Seite 43
Bildmaterial: Eintracht Frankfurt, picture-alliance/ dpa, RMZ/Eintracht