Von Josef Schmitt
06. Mai 2008 Warum denn das? - Eintracht-Trainer Funkel gibt sich überrascht auf die Frage, ob er seine Elf nach der Pleite in Stuttgart zusammengestaucht habe. Er werde zwar mit dem einen oder anderen Spieler unter vier Augen reden. Dessen ungeachtet sagt er: Wir haben das oberste Ziel, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, souverän erreicht“, hebt er im folgenden Interview hervor.
Haben Sie die Mannschaft vor dem ersten Training nach dem Debakel in Stuttgart zusammengestaucht?
Warum denn das? Wir haben das Spiel analysiert, wie wir es nach jeder Partie tun. Mit dem einen oder anderen Spieler werde ich in den nächsten Tagen noch unter vier Augen reden.
Sind nach der Niederlage beim VfB und der ganz schlechten Leistung nicht deutlichere Töne notwendig?
Brandreden gibt es bei uns schon mal gar nicht. Es gibt überhaupt keinen Anlass, jetzt alles negativ zu sehen.
Aber ist die Mannschaft nicht dabei, sich die lange Zeit gute Saison kaputtzumachen?
Diese tolle Saison kann uns keiner nehmen. Wir haben das oberste Ziel, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, souverän erreicht. Und wir werden das zweite Ziel, mehr als 45 Punkte zu machen, auch noch erreichen. Am Ende der Saison wird abgerechnet. Dann vergleichen wir, was besser war als in den letzten Jahren. Es war alles besser.
Drückt die aktuelle Negativserie nicht auf die Stimmung?
Die Stimmung ist in Ordnung. Natürlich haben wir uns geärgert nach dieser grottenschlechten Leistung. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es erst das zweite richtig schlechte Spiel in diesem Jahr war. Bei den Niederlagen gegen Nürnberg oder Bayern haben wir teilweise gut gespielt, in Hannover haben wir eine Stunde sogar sehr gut gespielt. Wir dürfen nicht nur das Negative sehen, sondern müssen das Positive in den Vordergrund stellen.
In Stuttgart hat die Mannschaft den Eindruck hinterlassen, dass sie die Saison auslaufen lässt. Täuscht der Eindruck?
Das ist an den Haaren herbeigezogen und absolut falsch. Solche Vorwürfe kommen nur von außen. Wer die Mannschaft kennt, kann auf solche Gedanken nicht kommen.
Glauben Sie noch an Siege in dieser Runde?
Natürlich. Schon am Mittwoch gegen Wolfsburg wollen wir gewinnen. Da erwarte ich eine Reaktion von der Mannschaft.
Und wenn es wieder nicht klappt, kippt dann die Stimmung bei den Fans?
Ich denke nicht darüber nach, ob wir verlieren. Ich bin auch kein Hellseher. Aber wenn es gegen Wolfsburg nicht klappt, versuchen wir es am Samstag in Schalke.
Der Brasilianer Caio bleibt ein Thema, obwohl oder gerade weil er in Stuttgart nicht gespielt hat. Die Integration läuft nicht so, wie es sich wahrscheinlich alle erhofft hatten. Kümmert sich die Eintracht zu wenig um ihn, müsste der Klub ihm nicht rund um die Uhr einen Betreuer zur Seite stellen?
Nein, das sehe ich anders. Caio muss selbständig werden und zur Persönlichkeit reifen. Das wird er nur, wenn er sich im normalen Leben durchsetzt. Er darf nicht auf Mitleid machen. Wenn er Hilfe braucht, kriegt er sie, auch innerhalb der Mannschaft. Aber wir dürfen ihm nicht alles abnehmen. Er ist jetzt bald ein halbes Jahr hier, die Schonzeit geht zu Ende. Auch wenn er etwas länger braucht, glaube ich, dass er sich durchsetzt. Wenn er im Sommer aus dem Urlaub kommt, muss es ab dem ersten Trainingstag der neuen Saison funktionieren.
Beeinflussen die jüngsten Rückschläge die Personalpolitik für die nächste Saison?
Ich habe diese Mannschaft jetzt ein dreiviertel Jahr zusammen. Da werden sich doch meine Einschätzungen nicht wegen ein paar Spielen ändern.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
