27. November 2006 Der FC Schalke 04 hat die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga behauptet, doch die Verfolger bleiben auf Tuchfühlung. Einen Tag nach dem glanzlosen 2:1-Zittersieg der Königsblauen im Revierderby gegen den VfL Bochum zogen Werder Bremen und Bayern München nach.
Dank der Galavorstellung von Nationalstürmer Miroslav Klose beendete Werder am Samstag mit dem 3:0 die Erfolgsserie von Arminia Bielefeld und liegt mit 27 Punkten nur zwei Zähler hinter Schalke. Auch der Rekordmeister aus München (26) gab sich keine Blöße und verschärfte mit dem 2:1-Auswärtserfolg die Krise beim unter Trainer Thomas Doll weiter glücklosen Hamburger SV (Siehe auch: Thomas Doll und der HSV - ein Bild des Jammers ).
Doll tritt nicht freiwillig zurück
Gleichwohl schloß der erstmals von den Fans ausgepfiffene Doll einen Rücktritt vor dem Keller-Duell in Bochum am kommenden Samstag aus. Ich bin schon abgehärtet. Wichtig ist, daß ich weiter vornweg marschiere, sagte Doll, dessen Team drei Spieltage vor der Winterpause am Abgrund steht. Nach 22 Pflichtspielen mit nur einem Sieg bröckelt der Rückhalt für Doll bei den Fans, doch für Klubchef Bernd Hoffmann ist die Zeit des Handelns noch nicht gekommen. Wir wollen in dieser personellen Konstellation mit Doll durch das unglaubliche Tal gehen. Und zwar nicht nur die nächsten drei Wochen, sondern möglichst noch drei Jahre, sagte Hoffmann am Sonntag in der DSF-Sendung Doppelpaß. Dennoch sind die Spiele bis zur Winterpause in Bochum, gegen den 1. FC Nürnberg und bei Alemannia Aachen für das Bundesliga-Gründungsmitglied richtungsweisend.
Mit dem eingewechselten Langzeit-Patienten Sebastian Deisler gelang den Bayern nach 0:1-Rückstand die Wende erst in der zweiten Spielhälfte. Ich habe mich wahnsinnig für ihr gefreut, er hat das Spiel gedreht, lobte Manager Uli Hoeneß den auftrumpfenden Deisler, der beide Tore von Roy Makaay (57.) und Claudio Pizarro (79.) vorbereitete. Schöner geht es nicht, sagte Deisler nach seinem glanzvollen Auftritt.
Gala-Vorstellung von Klose
Nicht minder beeindruckend war die Gala-Vorstellung von Klose. Dank seiner zwei Tore (29./45.) und der Vorlage zum dritten Treffer von Aaron Hunt bleibt Bremen ein heißer Kandidat für die Herbstmeisterschaft. Selbst Bielefelds Trainer Thomas von Heesen schwärmte nach der ersten Arminia-Niederlage seit acht Spielen: So einen Spieler sieht man gern. Seine Leistung war brutal.
Auf Schalke genießen die Spieler den Platz an der Sonne weiter schweigend. Seit dem Beginn des Presseboykotts (beim 2:2 gegen Bayern) vor drei Wochen hat die Elf nicht mehr verloren. Allerdings präsentierte sich das Team von Mirko Slomka gegen Bochum nur in der ersten Hälfte wie ein souveräner Spitzenreiter, nach dem 1:2 (49.) wurde es noch mal eng. Manager Andreas Müller weiß, was die zuletzt viermal in Serie erfolgreiche Elf in den kommenden Wochen erwartet. Egal, wo du jetzt hinkommst, du wirst gejagt.
Am Sonntag abend kam der VfB Stuttgart zu einem knappen 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Bayer Leverkusen besiegte Energie Cottbus trotz einiger Mühen am Ende klar mit 3:1 Toren.
Hat sich Mainz schon aufgegeben?
Anders als bei den tapfer kämpfenden Bochumern und Trainer Marcel Koller waren beim Schlußlicht FSV Mainz 05 nach dem 0:1 in Hannover erste Anzeichen von Resignation zu erkennen. Dennoch ist ein Trainer-Wechsel kein Thema, auch wenn Jürgen Klopp ratlos wirkt: Wenn wir so weiter spielen, können wir noch zwanzig Mal 0:1 verlieren.
Während Hertha BSC mit dem 2:1-Sieg gegen Aachen seine Position im oberen Drittel festigte, drohen vier weitere Klubs nach Punkteteilungen im Mittelmaß zu versinken. Der VfL Wolfsburg kam gegen den 1. FC Nürnberg ebenso nicht über ein 1:1 hinaus wie Borussia Dortmund bei Eintracht Frankfurt. Wir treten auf der Stelle. Ich bin total enttäuscht. Wir hätten hier gewinnen müssen, stellte BVB-Abwehrchef Christian Wörns ernüchtert fest. Nach nur einem Sieg aus den zurückliegenden sieben Spielen droht die Borussia das Saisonziel Uefa-Cup-Qualifikation aus den Augen zu verlieren.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS