Banken

Bei der Wells Fargo-Aktie geht die Post ab

Das waren noch Zeiten: Historische Postkutsche der Bank Wells Fargo

Das waren noch Zeiten: Historische Postkutsche der Bank Wells Fargo

21. Oktober 2003 Wells Fargo kennen auch unzählige Zeitgenossen, die sich nicht für amerikanische Unternehmen und Aktien interessieren. Des Western-Genres beim Film sei dank: In kaum einem Film mit Cowboys, Indianern und Revolverhelden fehlt eine Postkutsche, die den historischen Schriftzug des Unternehmens trägt, das dieser Tage als größte Hypothekenbank der Vereinigten Staaten zeichnet.

Als solches hat die Wells Fargo & Co. im dritten Geschäftsquartal einen Rekordgewinn eingefahren - wieder einmal. Gleichwohl ist dies aus Sicht von Börsianern kein richtiger Anlaß zum Jubeln. Denn Wells Fargo hat etwas weniger verdient, als Analysten erwartet hatten. Die Aktie des Konzerns nimmt dadurch aber keinen Schaden: Sie steigt aktuell an der Wall Street in einem leicht schwächelnden Umfeld um 0,45 Prozent auf 55,62 Dollar, nachdem sie zuvor kurzzeitig kleine Verluste verzeichnet hatte. An der Frankfurter Börse steigt ihr Kurs um 0,43 Prozent auf 47,20 Euro. Damit hat der Titel als Hürde nur noch sein Allzeithoch vor sich.

Umsatzplus von 18 Prozent - Gewinn steigt um 8,1 Prozent

Wells Fargo hat im dritten Quartal den Umsatz von 6,04 Milliarden Dollar auf 7,166 Milliarden Dollar gesteigert. Das ist ein Zuwachs von 18,6 Prozent. Dem Unternehmen hat dabei die Niedrigzinsphase geholfen, die Kunden zum Umschulden genutzt haben. Zudem ist der Bank zugute gekommen, daß weniger andere Firmen als zuvor ihren Schuldendienst eingestellt haben. Nicht zuletzt sind andere Finanzdienstleistungen verstärkt gefragt gewesen.

Der Gewinn stieg im selben Zeitraum auf 1,561 Milliarden Dollar nach 1,444 Milliarden Dollar. Macht ein Plus von 8,1 Prozent. Das Ergebnis je Aktie betrug 92 Cents nach 84 Cents vor einem Jahr. Analysten hatten allerdings nach übereinstimmenden Angaben der Agenturen vwd und Bloomberg mit 93 Cents gerechnet.

Vorstand setzt auf weitere Erlössteigerung

“Unsere Quartalszahlen belegen einmal mehr die These, daß der Schlüssel zur Gewinnsteigerung die Umsatzgenerierung ist“, sagte der Unternehmenschef, Chief Executive Officer Dick Kovacevich, am Dienstag bei der Vorlage der Zahlen. Dank dieser Strategie sei neben dem Umsatz auch der Gewinn das neunte Quartal in Folge auf neue Rekordhöhen geklettert.

Vermögensverwalter Steven Wharton von Loomis Sayles & Co in New New, der 1,7 Millionen Wells Fargo-Anteile betreut, sieht das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell auf dem richtigen Weg: „Die Gewinne aus den Darlehen sind stark, da im dritten Quartal eine Menge Schwung verzeichnet worden war. Und wir werden weiter ein starkes Wachstum bei den Einnahmen sehen“, wird er von Bloomberg zitiert.

Aktie bewegt sich in Aufwärtstrendkanal

Wie anderen Banken wird Wells Fargo zugetraut, von der fortschreitenden wirtschaftlichen Erholung zu profitieren. Der Geschäftserfolg spiegelt sich im Aktienkurs aber erst seit dem 11. September richtig wider: In diesem Zeitraum hat der Titel um 11,7 Prozent verteuert, der Dow Jones-Index aber nur um 3,8 Prozent. Zum Vergleich: Seit dem März-Tief hat er sich um 28,5 Prozent verbessert, während der Dow Jones-Index um knapp 30 Prozent zugelegt hat. Im Zuge der jüngsten Kursgewinne hat der Titel einen recht steilen Aufwärtstrendkanal aufgebaut und jetzt charttechnisch gesehen nur noch eine Hürde vor Augen: sein Allzeithoch von 56,125 Dollar aus dem Dezember 2000. Wenn die Aktie diesen Widerstand überwinden könnte, sendete er ein starkes Kaufsignal.

Die Bewertung sollte die Aktie auf dem Weg nicht nennenswert behindern. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,2 scheint sie nicht teuer zu sein, ist allerdings höher bewertet als Bank of America (12,02) und Citigroup (14,4). Mit diesem Titel dürften Anleger kaum etwas falsch machen, sofern sich die Erholung in Amerika fortsetzt und das Vertrauen der Verbraucher in eine sich bessernde Wirtschaft keine ernsthaften Rückschläge erleidet und in abermaliger Zurückhaltung beim Konsum mündet.


Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Wells Fargo seit fünf Jahren in New York.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi
Bildmaterial: Wells Fargo

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