Von Ralf Weitbrecht
04. Dezember 2006 Peter Fischer rieb sich verwundert die Augen. Super, nicht wahr? Sichtlich angetan vom Auftritt des Japaners Naohiro Takahara, konnte sich der Präsident der Frankfurter Eintracht beschwingt auf den Heimweg machen. Auftrag ausgeführt, Bundesligaspiel 3:2 bei Aufsteiger Alemannia Aachen gewonnen: Die Eintracht ist voll auf Kurs. Das Planziel, bis zum Ende der Hinserie zwanzig Punkte zu gewinnen, hat die Mannschaft schon nach dem 15. Spieltag erreicht. Jetzt, so Fischer, könne man sich entspannt zurücklehnen. Hoffentlich ist bald schon Samstag, frohlockte Fischer, beeindruckt von den drei Treffern des sich in prächtiger Schußlaune befindlichen, als Konterstürmer zur Eintracht geholten Takahara.
Am Samstag kommt Werder Bremen in die Frankfurter Fußball-Arena. Auf den Auftritt der derzeit besten deutschen Mannschaft freut sich einer wie Fischer schon jetzt. Wieviele Türchen muß ich noch aufmachen, bis es soweit ist, fragte er. Viele sind es nicht mehr, und Michael Fink, einer der beiden sogenannten Sechser vor der verteidigenden Abwehrkette, sagte nach der Takahara-Show in Aachen: Jetzt können wir Zusatzpunkte holen.
Es liegt an der Qualität meiner Spieler
Ob dies gegen Werder glückt, ist fraglich. Und doch: Scheinbar beflügelt vom zweiten Auswärtssieg der Saison, verriet Trainer Friedhelm Funkel keß, daß wir zwar zwanzig Punkte geholt haben. Aber jetzt sind wir natürlich nicht zufrieden damit. Funkel und die Eintracht wollen mehr. Und der Coach ist sicher, daß wir noch einiges erreichen werden. Völlig egal, wer dabei spielt. Einfach klasse, was die Mannschaft leistet.
Funkel nutzte die Gunst der Stunde, um nach den drei Streichen von Takahara zu einer Art Rundumschlag anzusetzen und mit vermeintlichen Irrtümern aufzuräumen. Bei uns ist nichts, aber auch gar nichts von einem Einbruch zu sehen. Wir sind erfolgreich mit unserer Rotation. Dortmund, Bochum und jetzt Aachen: Wir haben wieder ein sehr gutes Spiel gemacht. Warum? Es liegt an der Qualität meiner Spieler.
Daß sich Funkel schützend vor seine Mannschaft stellt, ist verständlich. Schließlich ist er es, der die Spieler ein- und aufstellt. Und er darf sich auch zugute halten, stets an Takahara geglaubt zu haben. Trotz der schlechten Spiele, die er nach überwundener Verletzungspause zu Saisonbeginn gemacht hat. Er ist oft unzutreffend scharf kritisiert worden, behauptete Funkel. Aber er ist kein Torverhinderer.
Funkel will am Rotationsprinzip festhalten
Zum ersten Mal überhaupt hat der Japaner seit seiner Zeit in Deutschland drei Tore in einem Spiel erzielt. Ja, ja, sagte er nach seiner vorzüglichen Vorstellung am Aachener Tivoli. Ich habe mich gut auf dieses Spiel vorbereitet. Profitiert hat Takahara auch von der gezeigten Klasse seines Hintermannes Alexander Meier. Der lange Schlaks, im Uefa-Pokalspiel am Donnerstag gegen Newcastle United noch gesperrt, kehrte im Ligaalltag wie selbstverständlich in die Mannschaft zurück, die Markus Weissenberger prompt wieder verlassen mußte. Meier dankte seine Nominierung mit starken Anspielen auf Takahara.
Daß Funkel auch zukünftig wegen der Dreifachbelastung Bundesliga, DFB-Pokal und Uefa-Pokal am Rotationsprinzip festhalten will, ist verständlich. Und so könnte, sollte aber nach den derzeitigen Eindrücken nicht passieren, daß einer wie Takahara zuschauen muß. Doch weil Sturmkollege Ioannis Amanatidis zumindest bis zum Rückrundenstart ausfällt, scheint dem Japaner der Startplatz in der Anfangself sicher zu sein. Einen Konterstürmer, der schon sechs Tore erzielt hat, sollte man nicht auf der Bank sitzen lassen. Auch nicht in den ersten Rückrundenprüfungen, die am Montag von der Deutschen Fußball Liga terminiert worden sind. Danach spielt die Eintracht am 27. Januar (15.30 Uhr) gegen den FC Schalke 04 und muß am 30. Januar (20 Uhr) beim VfL Wolfsburg antreten. Das Rhein-Main-Derby gegen Mainz 05 findet am 3. Februar (15.30 Uhr) statt, ehe eine Woche später die Reise nach Bayer Leverkusen ansteht. Mit Takahara - und sicherlich auch mit Präsident Fischer.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa