Eintracht Frankfurt

Viel Lob für kein Tor

Von Bernhard Böth, Frankfurt

01. Dezember 2006 Das größte Lob kam von Glenn Roeder. Der Trainer von Newcastle United sprach von einem „exzellenten“ Spiel der Frankfurter Eintracht. Und doch reichte die Leistung nicht zu einem Sieg für die Hessen. Mit dem 0:0 gegen den Premier-League-Klub konnten sich die Frankfurter vor ausverkauftem Haus wenigstens die Chance erhalten, durch einen Sieg bei Fenerbahce Istanbul in die K.o.-Runde des Uefa-Pokals einzuziehen.

„Es war ein richtig geiles Fußballspiel“, freute sich Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel. Doch die Krönung fehlte. Die Eintracht schaffte es über 90 Minuten nicht, wenigstens eine der zahlreichen Torchancen zu verwandeln. „Normalerweise müssen wir Newcastle mit 5:0 abschießen“, ärgerte sich Albert Streit, der in der ersten Halbzeit per Kopf die wohl größte Möglichkeit vergab. Er sei dennoch großer Hoffnung, in Istanbul zu gewinnen. „So ein Spiel, das ist doch was.“

Doppelter Bänderriß bei Amanatidis

Die Funkel-Elf stand in der Defensive kompakt, auch im Mittelfeld ließ sie dem Meisterschaftssiebzehnten der englischen Liga wenig Raum. Allein vor dem Tor fehlte die Kaltschnäuzigkeit. Die Mannschaft habe wie immer aufopferungsvoll gekämpft, befand Vorstandchef Heribert Bruchhagen. Doch „wir wurden für unsere Leistung nicht belohnt“, sagte Spycher. Marko Rehmer trauerte den vergebenen Einschußmöglichkeiten nach. „Solche Dinger muß man rein machen“, wetterte der Außenverteidiger.

Bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung war es allen voran Ioannis Amanatidis, der im Sturmzentrum für Unruhe sorgte. Der Grieche präsentierte sich zweikampfstark und war immer anspielbereit. Doch ihm wie auch Naohiro Takahara und Streit wollte der entscheidende Treffer einfach nicht gelingen. Nun muß die Eintracht bis zur Winterpause auf ihren Stürmer verzichten. Amanatidis erlitt einen doppelten Bänderriß im linken Sprunggelenk und wird erst in der Rückrunde wieder zur Verfügung stehen.

Pröll bringt Funkel zum Toben

Die Eintracht in der Gruppenphase des Europapokals: Zum Auftakt ein unglückliches 1:2 gegen Palermo, es folgte das mit zehn Mann erkämpfte 1:1-Unentschieden in Celta Vigo und nun das 0:0 gegen Newcastle. Die Hessen stehen mit zwei Punkten am Tabellenende, können das Weiterkommen aber noch klarmachen. „Wenn ich die drei Spiele betrachte, wäre es bitter, wenn wir es nicht schaffen“, sagte Bruchhagen. Es folgt die schwere Aufgabe am Bosporus, „aber im Fußball ist nichts unmöglich“, wie Funkel sagte.

„Wir haben es noch in der Hand“, sagte Torwart Markus Pröll. Doch es hätte auch nach hinten losgehen können. Als der Schlußmann in der Nachspielzeit bei einem Eckball in des Gegners Strafraum auftauche, war Funkel an der Außenlinie nicht zu bändigen. Der Trainer tobte. „Es hat der Versuch stattgefunden, Pröll wieder nach hinten zu beordern“, formulierte Bruchhagen hinterher schmunzelnd, „der zweite Versuch hat ja dann geklappt.“ Der Hintergrund: Pröll kannte den Spielstand beim anderen Gruppenspiel zwischen Celta Vigo und Istanbul (Endstand 1:0) nicht. Hätte die Eintracht einen Treffer ins leere Tor kassiert, wäre der europäische Traum ausgeträumt.

„Frankfurt hat sehr gut gespielt“

„Ich hoffe, daß Frankfurt weiterkommt, sie haben sehr gut gespielt“, gab Newcastles Trainer Roeder vor versammelter Presse höflich zu Protokoll. Funkel berichtete voller Stolz von den persönlichen Worten Roeders direkt nach Spielende: „Mein Kollege hat mir das größte Kompliment gemacht, als er sagte, daß kein Gegner sein Team in dieser Saison so unter Druck gesetzt hat, wie wir heute.“

Daß die Engländer im Frankfurter WM-Stadion nicht mit einer B-Elf antraten, sondern mit exakt der Aufstellung, die vor einer Woche gegen Celta Vigo (2:1) das Weiterkommen im Europapokal sicherte, unterstreicht den Respekt vor der Eintracht. Schade nur, daß das Quentchen Glück und das Stückchen Können fehlte.

Eintracht Frankfurt - Newcastle United 0:0
Eintracht Frankfurt: Pröll - Rehmer (64. Ochs), Kirgiakos, Vasoski, Spycher - Huggel, Köhler - Streit, Weissenberger, Takahara - Amanatidis (78. Fink)
Newcastle United: Given - Solano, Taylor, Bramble, Ramage - Butt - Milner, Emre, N'Zogbia, Luque (59. Martins) - Sibierski
Schiedsrichter: Proenca (Portugal)
Zuschauer: 47.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Huggel, Amanatidis, Streit / Taylor, Solano



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

 
Fünf Minuten vor Schluß hätte Takahara das Tor machen müssen 90 Minuten vergeblich für ein Tor gerackert: Albert Streit Torwart Markus Pröll mußte von hinten tatenlos mitansheen, was die Kollegen v... Wettlauf um den Ball: Emre vor Köhler Man kann es schon ahnen: Der Ball fliegt am Tor der Eintracht vorbei Wurde hart rangenommen: Frankfurts Ioannis Amanatidis Der Trainer von New Castle: Glenn Roeder Frankfurter Akrobatik von Vasoski gegen Newcastles Zweifler Sibierski Luque taucht ab, Frankfurts Rehmer folgt ihm Ein Trikot als Erinnerung an einen Frankfurter Europapokalabend Trost vom Trainer Benjamin Huggel will den Ball einfach nicht hergeben Für Ioannis Amanatidis endete das Spiel auf  einer Trage Auf wessen Hilfe hoffte Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel? Geschickter Körpereinsatz von Streit Inniger Kampf an der Außenlinie Nicky Butt senst Amanatidis um - Gelb gab's nicht Der Ball, mein Feind: Newcastles Sibierski hat am meisten Angst
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