Von Alex Westhoff
08. Dezember 2006 So viel Wohlbehagen war lange nicht mehr bei den Offenbacher Kickers. Abseits der Abstiegsränge lebt es sich in der zweiten Liga bekanntlich komfortabler: Zwei Siege in Serie - 3:1 in Freiburg, 3:2 gegen Augsburg - schufen ein angenehmes Betriebsklima auf den Höhen von Offenbach-Bieber, das kaum noch an die vorherige Herbsttristesse erinnert. Mit Ansprachen, Diskussionen und Maßnahmen allein, diese Erfahrung mußte auch Trainer Wolfgang Frank machen, sind (Abstiegs-)Notsituationen nicht zu meistern.
Nur Erfolgserlebnisse lösen Verkrampfung und Angst in den Spielerbeinen und stärken das Selbstbewußtsein. Und davon hätten die Kickers derzeit eine ganze Menge, betont Frank. Da kommt das laut Trainer besondere Spiel am Sonntag (14 Uhr) gegen den 1. FC Köln gerade recht. Der OFC hat sich wohlig eingerichtet in seiner Außenseiterrolle und pflegt genüßlich das Bild vom Duell des armen Kleinen gegen den reichen Großen. Wenn man sich allein den Etat oder das Stadion anschaut, sind das zwei Fußballwelten, sagte Frank. Während man in Köln spekuliert, für wie viele Millionen Christoph Daum in der Winterpause namhafte Spieler einkaufen darf, sucht der OFC seine möglichen Verstärkungen ausschließlich unter dem Gesichtspunkt kostengünstig aus.
20.000 Zuschauer erwartet
Frank hofft auf rund 20.000 Zuschauer auf dem Bieberer Berg und verspricht, daß die Mannschaft alle Hebel in Bewegung setzen wird, um die drei Punkte hierzubehalten. Der OFC-Coach rechnet mit einem Feuerspiel, das viel Emotionalität verspricht. Feuer unter dem Dach haben die Rheinländer nicht erst seit dem verpatzten Daum-Debüt am vergangenen Montag (1:3 gegen den MSV Duisburg) und mittlerweile neun Punkten Rückstand auf die Aufstiegsplätze.
Am Sonntag bietet sich den Kickers gar die Chance, deutschlandweit Beachtung zu finden als der Verein, der den schon als FC Daum betitelten Großklub in die Abstiegsbredouille bringt. Mit einem Sieg könnten die Hessen nach Punkten mit dem rheinischen Großklub gleichziehen. Vor drei Wochen wäre man in Offenbach noch ausgelacht worden, hätte man diese Konstellation vorhergesagt, sagt Frank. Gewiß: Die Kickers haben selbst nur einen Zähler Vorsprung vor den Abstiegsplätzen. Aber Tendenz und Form zeigen steil nach oben. Die Kölner werden bei uns extrem motiviert auftreten. Viele FC-Spieler kämpfen schließlich auch um ihren Job, betont Frank.
Gute Stimmung beim OFC
Doch der Offenbacher Fußball-Lehrer fühlt sich für den rheinischen Ansturm ausreichend präpariert: Die gute Form, eine zufriedenstellende Trainingswoche und kaum Personalsorgen - bis auf Sean Dundee (Rückenschmerzen) ist die Belegschaft einsatzbereit - stimmen den OFC-Trainer zuversichtlich, den schwer einzuschätzenden Kölnern auf Augenhöhe begegnen zu können. Dies könne indes nur gelingen, wenn die Spieler trotz emotionaler Spielweise Ordnung und Disziplin nicht vernachlässigten.
Auch OFC-Kapitän Markus Happe hat sich trotz Verbitterung über seine Auswechslung zur Pause gegen Augsburg dafür entschieden, die gute Stimmung beim OFC nicht zu schädigen. Happe hatte zuletzt bei einigen Gegentoren eine unglückliche Figur gemacht, dem Vorwurf der mangelnden Grundschnelligkeit ist er schon länger ausgesetzt. Daniel Schumann erwies sich neben dem gesetzten Matej Miljatovic als verläßliche Größe in der Innenverteidigung. Doch bei den Kickers löst sich derzeit vieles in Wohlgefallen auf: Die Sprunggelenksverletzung von Außenverteidiger Niko Bungert stellt aber eine salomonische Lösung in Aussicht. Frank will sich die Möglichkeit offenhalten, Schumann, Miljatovic und Kapitän Happe gemeinsam aufzubieten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Frank Röth
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