11. Dezember 2006 Auf internationaler Bühne gab es zuletzt eine Lehrstunde, in der Bundesliga folgte nur wenige Tage später eine Gala. Mit dem 6:2 bei Eintracht Frankfurt schoß sich Werder Bremen den Frust von der Seele. Unbeeindruckt vom Champions-League-Aus in Barcelona gelang dem Tabellenführer der dritte Auswärts-Sechserpack der Saison und ein weiterer Schritt Richtung Herbstmeisterschaft.
Dicht auf den Fersen bleibt den Hanseaten der FC Schalke 04, der nach einem beeindruckenden 3:1 im Revierschlager gegen Borussia Dortmund punktgleich wieder den zweiten Tabellenrang eroberte. Christian Pander (14. Minute), Kevin Kuranyi (25.) und Peter Lövenkrands mit einem mustergültig abgeschlossenen Konter (47.) schossen den höchsten Sieg der Gelsenkirchener gegen der Erzrivalen vor heimischem Publikum seit 1991/92 (5:2) heraus. Der BVB kam durch Alexander Frei erst acht Minuten vor dem Ende zum Ehrentreffer.
Allofs: Derzeit beste Mannschaft in Deutschland
Selbst die Werder-Abwehrspieler tragen in der Torfabrik der Liga zur Produktion bei: Drei Treffer von Naldo stellten den fünften Auswärtssieg sicher. Manager Klaus Allofs geriet ins Schwärmen: Ich denke, wir sind derzeit die beste Mannschaft in Deutschland.
Da mag niemand widersprechen. Wie so oft in dieser Saison hielt sich der Unterhaltungswert der Spiele ohne Werder-Beteiligung auch am zweitletzten Hinrunden-Spieltag in Grenzen. Sowohl der Verfolger VfB Stuttgart als auch der FC Bayern München konnten sich mit biederen Auftritten nicht für eine Spitzenposition empfehlen. Erst ein Duseltor von Marco Streller (87.) bewahrte die Schwaben beim 1:0 über Abstiegskandidat VfL Bochum vor einem Rückschlag. Der Rekordmeister aus München erfüllte zwar die Pflicht, verweigerte aber erneut die Kür. Zu Hause haben wir meist unter den Möglichkeiten gespielt. So darf es in der Rückrunde nicht weitergehen, klagte Bayern-Coach Felix Magath nach dem mühsamen 2:1 über Cottbus.
Hamburgs Angst vor dem Abstieg
Von der durch die WM ausgelösten Hoffnung auf Offensivfußball ist wenig geblieben. Die ernüchternde Europacup-Bilanz der deutschen Klubs und die schwindende Qualität der Punktspiele dokumentieren den Trend. Besonders groß ist das Wehklagen in Hamburg. Nach der Nullnummer gegen den 1. FC Nürnberg wächst beim Bundesliga-Dino die Angst vor dem ersten Abstieg. Gut möglich, daß Thomas Doll zum letzten Mal vor heimischer Kulisse auf der Trainerbank saß. Das Bild des Fußball-Lehrers mit Kopfpflaster - er war auf dem Weg in die Kabine vor eine Tür gerannt - drückte mehr aus als tausend Worte.
Das nächste Spiel in Aachen ist ein Gradmesser. Wenn man dort nicht gewinnt, muß man die Reißleine ziehen, empfahl der frühere Meistercoach Ottmar Hitzfeld. Alemannia Aachen tankte für die HSV-Heimpartie allerdings mit dem ersten Sieg nach zuvor acht Spielen ohne Erfolgserlebnis beim VfL Wolfsburg Selbstbewußtsein. Nico Herzig erzielte am Sonntagabend in der 77. Minute den Siegtreffer zum 2:1 (0:0) für den Aufsteiger. Erst kurz vorher hatte Laurentiu Reghecampf (72.) die Führung von Alexander Madlung aus der 50. Minute ausgeglichen.
Torhüter-Patzer in Serie
Nicht nur die Bundesliga-Feldspieler scheinen urlaubsreif zu sein. Auch die Torhüter tragen mit Patzern zunehmend zur Diskussion über die schwächelnde Spielklasse bei. Der Fehler von Tomislav Piplica beim 0:1 durch Bastian Schweinsteiger brachte Cottbus in München um den Lohn der Arbeit.
Werder-Schlußmann Tim Wiese machte beim zwischenzeitlichen 1:1 der Eintracht eine schlechte Figur. Bochums Peter Skov-Jensen war maßgeblich am 0:1 in Stuttgart, der Mainzer Christian Wetklo am frühen Rückstand seiner Mannschaft in Mönchengladbach beteiligt.
Ein gefühlter Sieg für Mainz
Immerhin konnte sich Wetklo im Kellerduell beim Altmeister mit dem späten Ausgleichstreffer von Ranisav Jovanovic (89.) trösten. Obwohl die Mainzer zum 15. Mal in Serie ohne Sieg blieben und deshalb im tiefsten Tabellenkeller überwintern müssen, wirkte Trainer Jürgen Klopp erleichtert: So wie das Spiel gelaufen ist, war es für uns ein gefühlter Sieg. Die Miene seines Gegenübers Jupp Heynckes wirkte ungleich sorgenvoller. Nach neun erfolglosen Partien droht auch der Borussia ein Weihnachtsfest in der Abstiegszone. Der ein oder andere ist dem Druck, so ein Spiel gewinnen zu müssen, offenbar nicht gewachsen, monierte Heynckes.
Beim 1:1 zwischen Hannover und Bielefeld war das verbale Nachspiel spannender als das Geschehen auf dem Rasen. Im Anschluß an die Partie wurde mehr über die Zukunft von Arminia-Coach Thomas von Hessen als über die Tore von Marcel Ndjeng und Thomas Brdaric geredet. Ob von Heesen dem Werben von Borussia Dortmund nachgibt oder seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag in Bielefeld verlängert, blieb jedoch weiterhin unklar. Meldungen von einem Treffen mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dementierte er: Ich bin der Einzige, der weiß, was los ist.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS
