01. Dezember 2006 Acht Siege, zwei Unentschieden, keine Niederlage: Das ist die aktuelle englische Bilanz in den Gruppenspielen des Uefa-Pokal-Wettbewerbs; drei Unentschieden, drei Niederlagen, kein Sieg: so das Abschneiden der deutschen Klubs in derselben Konkurrenz. Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt belegen damit in ihren Gruppen jeweils den letzten Platz, dürfen aber noch auf ein Wunder hoffen: den ersten Sieg im letzten Gruppenspiel, der gleichbedeutend wäre mit dem Erreichen der im Februar beginnenden Fortsetzungsgeschichte im K.-o.-System. Die Rheinländer und Hessen haben es trotz ihrer Minusbilanz weitergebracht als Schalke 04 und Hertha BSC Berlin, die schon nach der ersten Runde auf Wiedersehen, Europa“ sagen mußten. Deutschland, armes Fußball-Land.
Dabei konnten alle Klubs aus der Bundesliga, die am Ende mal lauter, mal leiser über ihre Mißgeschicke klagten, spielerisch fast immer mit der Konkurrenz Schritt halten. Was die desaströse Bilanz mit erst drei Siegen in zwölf Begegnungen herbeiführte, war ein entscheidendes Manko: die fehlende Kaltschnäuzigkeit und Zielstrebigkeit aller deutschen Erstliga-Vertreter der Güteklasse 1b vor dem Tor des Gegners. Das und noch vieles mehr haben ihnen die vertrauten Kollegen vom Premiumprodukt Champions League, seien sie aus München oder Bremen, eindeutig voraus.
Die Deutschen waren mal wer
Zusätzlich beunruhigend am deutschen Schadensfall Uefa-Cup ist, daß inzwischen Klubs aus kleineren Fußballverbänden wie Rumänien, Niederlande und sogar Israel in diesem Wettbewerb fleißig punkten. Und so droht den Deutschen auf Sicht der Verlust des dritten Startplatzes in der Königsklasse“. Portugal, Rumänien, auch die Niederlande sind dem derzeitigen Tabellenfünften Deutschland längst auf der heißen Spur – ein weiteres Absinken hieße von Rang sieben an: noch einer weniger in der Champions League.
Die deutsche Fußballwirklichkeit schaut nach dem blendenden WM-Zwischenhoch herbstlich grau in grau aus – mit ein paar Farbtupfern der Marken Werder und Bayern. Dabei galt die Bundesliga mit seinerzeit vier Startern in der Champions League einst als eine der vier europäischen Paradeklassen. Und auch im Uefa-Pokal waren die Deutschen mal wer. Fünf Klubs, Borussia Mönchengladbach (1975/1979), Eintracht Frankfurt (1980), Bayer Leverkusen (1988), Bayern München (19996) und Schalke 04 (1997), eroberten die am zweitmeisten begehrte europäische Fußball-Vereinstrophäe.
Heute droht den Deutschen dagegen, noch ehe es ernst wird, ein flächendeckender Abschied. Vielleicht springt ja noch Werder ein. Das aber will auch niemand, hieße es doch, Bremen verfehlte am nächsten Dienstag in Barcelona sein Traumziel in der Champions League. Neues Spiel, neues Glück: Was für die einen nur ein Trostpreis wäre, käme Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt wie ein unverhoffter Hauptgewinn vor. Ein Sieg, und alles wäre wieder gut? Schön wär’s, aber leider auch nicht wahr.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS