Fußball

Fenin im morgenländischen Fokus

Von Ralf Weitbrecht

01. Mai 2008 Die Kollegen aus dem Mittleren Osten haben scheinbar keine Mühen und Kosten gescheut, um just am 1. Mai aus dem Innenleben der Frankfurter Eintracht zu berichten. So war es schon überraschend, dass am Tag der Arbeit, an dem auch die Fußballprofis in einer übersichtlichen Übungseinheit ihrer spielerischen Arbeit nachgingen, ein Kamerateam von Qatar-TV im Einsatz gewesen ist. Objekt der Begierde: Martin Fenin. Über den tschechischen Stürmer der Frankfurter Eintracht wird es in Kürze bewegte Bilder und Originaltöne in Doha und Umgebung zu sehen und zu hören geben.

Und vielleicht ja sogar aktuellen Stoff aus Stuttgart. Der 21 Jahre alte Angreifer, der am 8. Februar beim 2:1-Sieg gegen Arminia Bielefeld letztmalig in einem Pflichtspiel für die Hessen erfolgreich war, schickt sich schließlich an, seine Torflaute zu beenden. Ob ihm schon an diesem Samstag im Auswärtsspiel beim scheidenden Meister VfB Stuttgart die Trendwende glückt?

Sieben Tage, drei Spiele

Wie nicht anders zu erwarten: Auch diesmal hält sich Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel in personellen Angelegenheiten zurück und lässt sich nicht in die Karten schauen. Ob Sotitios Kyrgiakos nach überstandenem zweimaligen Nasenbeintrümmerbruch wieder zurück in die Viererabwehrkette rückt? „Abwarten“, sagte der 54 Jahre alte Coach. „Ich will das erst mit den betreffenden Spielern besprechen.“ Funkel, immerhin, hat am Feiertag eingeräumt, „dass ich die Mannschaft für alle drei Spiele schon im Hinterkopf habe“.

Bekanntlich steht in der Fußball-Bundesliga eine „englische“ Woche an – gewürzt mit drei Spielen, die für die Eintracht durchweg reizvoll sind. An diesem Samstag geht die Reise in das mit 56.000 Zuschauern ausverkaufte Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion, Heimstätte des Titelträgers, der von den Münchner Bayern abgelöst wird. „Der VfB“, schwärmte Funkel am Donnerstag, „gehört zu den Top Fünf in Deutschland“.

Chancen für die Eintracht

Trotzdem fährt die Eintracht, die in Stuttgart lautstark von 4800 mitreisenden Fans unterstützt werden wird, nicht chancenlos in die baden-württembergische Landeshauptstadt. „Auch jetzt erwarte ich von meiner Mannschaft Einsatz, Leidenschaft und Aggressivität. Also die Dinge, die ich in jedem Spiel erwarte“, so Funkel, der seinem Team durchaus zutraut, die Serie von zuletzt vier sieglosen Spielen in Folge zu beenden. „Stuttgart verfügt zwar über eine erstklassige Mannschaft, die wieder auf dem Weg nach oben ist und mittlerweile wieder im Rhythmus ist. Aber wir werden alles dafür tun, dass sich an dieser Serie etwas ändert.“

Es wird Änderungen bei der Eintracht geben. Sei es in der Auswärtspartie in Stuttgart, sei es am darauf folgenden Mittwoch gegen den VfL Wolfsburg. Oder aber erst in der nächsten Saison. Doch auch hier hält sich Funkel zurück, will sich an keinerlei Spekulationen beteiligen.

„Keine Wasserstandsmeldungen“

Fragen nach Spielerverpflichtungen oder Vertragsverlängerungen ist er mit dem Hinweis ausgewichen, „dass ich keine Wasserstandsmeldungen und Trends abgebe. Erst wenn Entscheidungen getroffen sind, werden wir sie bekanntgeben.“ Damit befindet sich Funkel deckungsgleich auf der von Vorstandschef Heribert Bruchhagen vorgegeben Öffentlichkeitsstrategie.

Bei aller Zurückhaltung der Frankfurter Verantwortlichen: Ausgeschlossen ist es nicht, dass sowohl Junichi Inamoto als auch der von Qatar-TV speziell beobachtete Martin Fenin in der mit drei Punktspielen garnierten Arbeitswoche von Trainer Funkel eine taktische Auszeit verordnet bekommen. „Beide haben jeweils vier Gelben Karten“, so der Eintracht-Trainer.

Aber egal, wer möglicherweise für den Japaner oder den Tschechen in die Stammelf stoßen sollte: „Meine Jungs machen einen guten Eindruck. Wir haben gut trainiert.“ Ob sie auch unter Wettkampfbedingungen gut Fußball spielen, wird der Samstag zeigen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

 
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