Christoph Daum

Elf "Sausäcke" und ein bißchen Hokuspokus

02. Dezember 2006 Christoph Daum war beim 1. FC Köln noch nicht im Amt, da schien er seinen wundersamen Ruf schon bestätigt zu haben. Eine Trainingseinheit, ein paar Gespräche mit den Spielern, und schon hatte der FC seine Negativserie von acht sieglosen Zweitligaspielen in Folge beendet. "Man hat gemerkt, wie er uns erreicht hat", sagte Torhüter Stefan Wessels nach dem 2:1 bei Greuther Fürth, das Daum am vorigen Sonntag noch von der Tribüne aus verfolgte. "Er macht mit seiner Ausstrahlung einen gewissen Eindruck, wenn er vor einem steht." Der Trainer selbst war noch krank geschrieben, als der Patient FC sich plötzlich wieder auf dem Wege der Genesung fühlte. Eine Wunderheilung, Zauberei gar? "Wir haben nicht nur einen Magier verpflichtet", sagte Manager Michael Meier, "sondern einen kompetenten Vertreter seiner Zunft."

Aber mehr als durch seine fachlichen Qualitäten, eine professionelle Betreuung zu organisieren, Spieler entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen und eine Mannschaft strategisch auf den Gegner einzustellen, erregte Daum mit seinem eindringlichen Blick und seinen Arbeitsmethoden Aufsehen. Attribute wie "Heilsbringer", "Magier" und "Messias" begleiten ihn, seit er 1986 in Köln erstmals Cheftrainer wurde. Sicher schmeichelt ihm, den seine Vertrauten privat als bescheidenen Mann beschreiben, solche Anerkennung; nach außen spricht er aber von "Begleiterscheinungen, die zum Entertainment Fußball gehören": "Aber Fußball ist kein Hokuspokus, sondern ein absolut seriöses Geschäft." Motivationskunst oder Mätzchen, das war allerdings die Frage in Daums Leverkusener Zeit, als er mit dem damaligen Motivationsguru Jürgen Höller zusammenarbeitete, die Bayer-Spieler 1999 über Glasscherben gehen ließ und sie aufforderte, sich gegenseitig eine Eisenstange gegen den Hals zu drücken.

„Alles Denkbare ist auch machbar“

Von damals geblieben ist seine Vorliebe für positive Parolen, die er oft von berühmten Männern übernommen hat und die er seinen Spielern in schlichter Sprache zu vermitteln versucht. Albert Einsteins Zitat "Alles Denkbare ist auch machbar" diente Daum, der mit sechs Jahren seinen Vater verlor, selbst als fortwährender Antrieb, sich im Fußball und in der Welt zu behaupten. Daß er dabei nicht immer mit seinem schier ungezügelten Ehrgeiz und seinen hohen Ansprüchen umzugehen wußte, zeigte seine Kokainaffäre 2000, als er "den Überblick verlor".

Eine von Daums Devisen lautet: "Behandele die Spieler so, wie du sie haben willst, und nicht, wie sie sind." Wie er sie haben will, verriet er am Donnerstag: "Auf dem Platz brauche ich natürlich Sausäcke." In Köln, Stuttgart, Leverkusen, Wien und Istanbul sind ihm die Fußballprofis willig gefolgt. "Mit ihm als Trainer", behauptet Stephan Engels, der Daum 1989 als Kölner Jungcoach erlebt hatte, "hast du zwanzig Prozent mehr auf der Brust."



Text: kle., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.12.2006, Nr. 48 / Seite 17
Bildmaterial: AP

 

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