Banken

Um die BHW zeichnet sich ein Bietergefecht ab

Für die BHW gibt es mehr als einen Interessenten

Für die BHW gibt es mehr als einen Interessenten

06. Juli 2005 Um den Finanzvertrieb BHW und seine Hypothekenbank AHBR zeichnet sich nun doch ein Bieterwettbewerb ab. Am Mittwoch kursierten Pressemeldungen, denen zufolge außer der Postbank auch die Commerzbank an einer Übernahme beider Unternehmen interessiert sein könnte.

Zwar wurde die Wahrscheinlichkeit, daß die Commerzbank bei dieser Transaktion zum Zuge kommt, in Frankfurter Finanzkreisen als gering eingeschätzt. Aber daß diese Gerüchte auf eine derart breite Resonanz gestoßen seien, zeige, daß sich die Postbank noch nicht in Sicherheit wiegen könne, hieß es. "Es gibt mehrere Bieter für BHW und AHBR", sagte ein Bankenvertreter. Der BHW-Aktienkurs stieg bis zum Nachmittag um 6,5 Prozent auf 15,70 Euro. Im vergangenen halben Jahr hat sich der Titel um mehr als die Hälfte verteuert, so daß die BHW Holding AG, Hameln, an der Börse derzeit mit 2,8 Milliarden Euro bewertet ist.

Kein Kommentar von der Commerzbank

Die Commerzbank lehnte einen Kommentar zu diesen Gerüchten ab. Allerdings gilt es als wahrscheinlich, daß die Commerzbank einen Einstieg bei der BHW zumindest als Gedankenspiel prüft. Denn die BHW gilt als Finanzvertrieb, der zwar noch nicht so schlagkräftig ist wie der AWD oder die Deutsche Vermögensberatung, aber mit einer 4.300 Kopf starken Vertriebsmannschaft Potential hat.

Außerdem beklagt man bei der Commerzbank, daß die Kundenbasis des eigenen Hauses zu klein sei. Innovative Produkte im Privatkundengeschäft könnten durch den Kauf der BHW effizienter in den Markt gebracht werden. Dennoch bezeichnete Thomas Rothäusler, Bankenanalyst von Sal. Oppenheim, ein Gebot der Commerzbank als eher unwahrscheinlich. Die Übernahme passe zwar zur Strategie der Commerzbank, das Privatkundengeschäft zu stärken. Allerdings habe die Führung der Bank jüngst angedeutet, eher an kleineren Akquisitionen bis zu 1 Milliarde Euro interessiert zu sein.

George Soros und John Flowers auf seiten der Coba?

Kompliziert wird der geplante Verkauf der BHW auch dadurch, daß die Eigentümer gleichzeitig die Hypothekenbank AHBR verkaufen wollen, die nach fehlgeschlagenen Zinsspekulationen zuletzt in großen Schwierigkeiten steckte. Während der Datenraum der BHW noch nicht geöffnet ist, finden bei der Immobilienbank die ersten Prüfungen statt. Im Umfeld der BHW zeigte man sich am Mittwoch über die Zahl der Interessenten an der Hypothekenbank überrascht. Das Interesse an der Bank sei sehr groß. "Die AHBR ist getrennt verkäuflich und wird auf jeden Fall verkauft", hieß es weiter.

Die Postbank hat ihre Chancen auf einen Zuschlag bei der BHW vor zwei Wochen erhöht, nachdem sie sich mit der Finanzinvestorengruppe Cerberus zusammengetan hatte, um sich für den Fall zu rüsten, daß BHW und AHBR nur im Paket verkauft werden sollten. Parallel dazu hieß es, die Commerzbank habe die Unterstützung der Investoren George Soros und John Flowers. Diese bestätigten laut Agenturmeldung bisher nur "grundsätzliches Interesse".

Hypothekenbank paßt nicht in die Struktur der Postbank

Trotz der Gefahr, daß weitere Bieter auftreten, will die Postbank an ihrem Vorgehen festhalten, hieß es aus dem Konzern. Die Berichte über ein angebliches Interesse der Commerzbank wurden in Bonn mit Skepsis aufgenommen: Es sei offenkundig, wem solche Spekulationen nützten, hieß es. Die Bank, die mehrheitlich der Deutschen Post gehört, hatte im März bereits 9,2 Prozent der BHW von der Ergo-Versicherungsgruppe übernommen.

Die Risiken aus der angeschlagenen AHBR will die Postbank jedoch auf keinen Fall auf ihre Bücher nehmen. Zudem paßt eine weitere Hypothekenbank ohnehin nicht in ihre Struktur. Aus Sicht der Postbank ist die BHW strategisch sehr attraktiv. Sie würde dadurch 3,6 Millionen neue Kunden gewinnen, und der BHW-Vertrieb könnten eine gute Ergänzung zum Vertrieb über die rund 9000 Postbank-Filialen bilden. Ob sich die Postbank jedoch auf einen scharfen Bieterwettbewerb einläßt, erscheint zweifelhaft. Jedenfalls behält sich Vorstandsvorsitzender Wulf von Schimmelmann die Option vor, seinen Minderheitsanteil wieder gewinnbringend loszuschlagen. Das Investment hat sich schon ausgezahlt. Die Postbank hatte ihre Anteile damals zu einem nicht genannten "attraktiven Preis pro Aktie unter dem aktuellen Marktwert" erworben, der inzwischen um 9 Prozent gestiegen ist. Den damaligen Tageskurs hatte sie als überzogen hoch dargestellt.

Text: bü./hlr., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juli 2005
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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