Eintracht Frankfurt

Antritt des Anti-Kyrgiakos

Von Michael Wittershagen

17. Juli 2008 Da saß er also, seltsam unaufgeregt, mit ausdruckslosem Gesicht, beinahe wortlos. Ganz und gar unscheinbar zeigte sich Nikos Liberopoulos, der neue griechische Stürmer der Frankfurter Eintracht, bei seiner offiziellen Vorstellung am Donnerstag. Und die Worte, die Friedhelm Funkel über den großen Mann an seiner Seite sagte, sie schienen irgendwie nicht richtig zu ihm zu passen. „Wir wissen, dass er eine unglaubliche Trefferquote in Griechenland hatte, dass er sehr torgefährlich ist“, sagte der Trainer und machte dadurch vor allem eines deutlich: Der Auftritt des 32 Jahre alten Neuzugangs von AEK Athen muss auf dem Platz ein ganz anderer sein als abseits der Spielfelder. Vielleicht aber war Liberopoulos auch nur deshalb so zurückhaltend, weil er kein Wort von dem verstanden hat, was die vielen Leute um ihm herum sagten. Nur einem konnte er folgen: Landsmann Ioannis Amanatidis, dem Stürmer, aus dem nicht nur an diesem Tag ein Übersetzer wurde.

Gut möglich, dass beide in der kommenden Saison Seite an Seite in der Offensive auflaufen werden. In der Nationalmannschaft haben sie das schon das ein oder andere Mal getan. Eine Kombination, die passen könnte: Amanatidis, der kämpft und läuft und so oft im Strafraum an der richtigen Stelle steht. Und Liberopoulos, der groß und kräftig ist und sich sowohl in der Luft als auch am Boden behaupten dürfte. Zusammen könnten sie das neue griechische Doppel der Eintracht werden. Erfahrungen gegen Mannschaften aus der Bundesliga hat Liberopoulos schließlich schon gesammelt – auch wenn diese schon sehr lange zurück liegen: Mit Panathinaikos Athen gewann er 2000 in der Champions League gegen den Hamburger SV, ein Jahr später auch gegen Schalke 04.

13 Tore bei 60 Auftritten im Nationaltrikot

Insgesamt kann er auf 76 Spiele im Europacup zurückblicken. Spiele, die zeigen, dass dieser Liberopoulos ein erfahrener Mann ist. 60 Mal ist er schon im Trikot der griechischen Nationalmannschaft aufgelaufen, hat dabei 13 Tore erzielt. Auch bei der Europameisterschaft zählte er zum Kader der von Otto Rehhagel trainierten Mannschaft. Dreimal wurde er in Griechenland zum „Fußballer des Jahres“ gewählt, zweimal schoss er sich selbst zum Torschützenkönig der ersten Liga. Und trotzdem hat er bislang doch immer nur in seinem Heimatland gespielt. „Er war schon vor Jahren bereit, den Schritt ins Ausland zu gehen“, sagt dessen Berater Paul Koutsoliakos. „Gescheitert ist das immer nur an den Ablöseforderungen.“ Zuletzt war im vergangenen Jahr der 1. FC Nürnberg nicht bereit, einen Millionenbetrag an Athen zu überweisen.

Zur Eintracht wechselt er nun ohne Ablöse. Nach Sotirios Kyrgiakos, Evangelos Mantzios und eben Amanatidis ist Liberopoulos nun schon der vierte Grieche, der das Trikot der Eintracht tragen wird. Und doch unterscheidet ihn vor allem etwa von Kyrgiakos, der nach der vergangenen Saison das Weite gesucht, aber noch keinen neuen Verein gefunden hat: Liberopoulos hat seinem neuen Trainer versprochen, dass er in den kommenden Wochen und Monaten Deutsch lernen wolle. Aber schon jetzt soll die Sprache nicht das Problem sein. „Er spricht auch etwas Englisch, mit der Kommunikation geht es ganz gut“, sagte Amanatidis.

Zweites Trainingslager in Kärnten

Die Griechen stießen neben dem Mexikaner Aaron Galindo als letzte Eintracht-Profis wieder zum Mannschaftstraining. Am Samstag folgt in Kärnten das zweite Trainingslager der Vorbereitung. Aber nicht jeder kann sich darauf freuen: Innenverteidiger Aleksandar Vasoski etwa erholt sich gerade in der mazedonischen Hauptstadt Skopje, wo er eine Lungenoperation hinter sich gebracht hat, Neuzugang Ümit Korkmaz in Wien von seinem Mittelfußbruch. Im Testspiel am Mittwochabend hat sich nun auch noch Alexander Krük, der von Kickers Emden nach Frankfurt gewechselt ist, eine starke Prellung am Fuß zugezogen.

Ginge es hingegen nach Liberopoulos könnte die Saison schon beginnen. Denn in dem einen Moment, in dem er wirklich etwas gesagt hat, da kündigte er sogleich Großes an: „Ich werde hier nicht nur einhundert Prozent geben, sondern alle Möglichkeiten ausschöpfen, um dem Verein zu helfen“, sagte er – und Amanatidis übersetzte. Auch Trainer Funkel war da nur ein stiller Zuhörer. Aber er lächelte, als er diese Worte hörte.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
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