Von Ralf Weitbrecht, Zell im Zillertal
04. Juli 2009 Das Strahlen ist wieder da. „Ich war mental richtig kaputt“, sagt Ümit Korkmaz. „Damals ist fast nichts mehr gegangen. Ich war körperlich angeschlagen und oft müde, obwohl ich nichts gemacht habe.“ Zwei Brüche des Mittelfußknochens, zwei Rückschläge an der selben Stelle: Korkmaz, seit genau einem Jahr Fußballprofi der Frankfurter Eintracht, hat die bittersten Stunden seiner noch jungen Karriere überstanden. „Ich denke, dass ich reifer und erwachsener geworden bin“, sagt der 23 Jahre alte Österreicher mit türkischen Wurzeln.
Der Wiener Junge aus dem „Beserlpark“, der auf eben diesen speziellen Bolzplätzen mit Betonboden das fußballerische Rüstzeug gelernt hat und später mit Rapid sogar Meister geworden ist, ist froh, im vergangenen Sommer nach der für ihn erfolgreich verlaufenen Europameisterschaft nach Deutschland gewechselt zu sein. „Es ist gut, dass ich in der Bundesliga und dort bei der Eintracht gelandet bin“, sagt er im Gespräch im Tiroler Trainingslager von Zell.
Schnelles Passspiel liegt Korkmaz
Korkmaz ist ein durch und durch positiver Mensch. Er lacht viel, macht Späßchen und ist mit Feuereifer auf seine Arbeit fokussiert. Dass mit Michael Skibbe ein neuer Trainer bei der Eintracht das Sagen hat, der großen Wert auf schnelles Passspiel und das Vorstoßen in den gegnerischen Strafraum legt, behagt Korkmaz. „Mir kommt das sehr gelegen. Man spürt, dass Spielfreude in der Mannschaft steckt.“ Korkmaz, der wuselige Dribbler auf links, hat den Anspruch, sich unter Skibbe einen Stammplatz zu erobern. „Ich fühle mich wieder wohl“, sagt der Angreifer und scheint die physischen und psychischen Auswirkungen der beiden Brüche des fünften Knochen des Mittelfußes, erlitten am 11. Juli und am 12. November des vergangenen Jahres, tatsächlich überwunden zu haben.
„Die Spritzigkeit ist wieder da“, sagt Korkmaz. Wichtig für ihn: „Die ersten beiden Trainingstage im Zillertal habe ich ohne Verletzung überstanden. Jetzt kann ich wieder Vollgas geben.“ Kurios: Eigentlich hätte sich der erste Bruch vor einem Jahr gar nicht ereignen dürfen. Korkmaz befand sich noch im Urlaub, war aber so begierig, früher als geplant seinen Dienst bei der Eintracht anzutreten. Korkmaz wurde damals für seine löbliche Berufsauffassung gestraft; andere wie aktuell Mitspieler Nikola Petkovic, der an diesem Samstag im Mannschaftsquartier erwartet wird, verlängern eigenmächtig den Urlaub. Und wieder andere wie Torwart Jan Zimmermann müssen wohl ganz nach Hause fahren. Der 24 Jahre alte Keeper, der seit Monaten unter „Schambeinirritationen“ leidet, wie Eintracht-Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger erklärte, musste am Freitag schmerzbedingt aufgeben.
„Er ist stark im Tempodribbling“
In dem noch zu perfektionierenden Spielsystem von Trainer Skibbe soll einem wie Korkmaz mehr Gewicht als bisher zufallen. „Ümit hat eine gute Geschwindigkeit am Ball“, lobt der Eintracht-Coach das stete Angriffsbemühen des flinken Österreichers. „Er ist stark im Tempodribbling und will sich selbst beweisen, dass die Post abgeht.“ Damit es in dieser Saison wirklich flott voran geht, hat sich Korkmaz eisern an die Urlaubsvorgaben gehalten. Er hat auf Mykonos ein wenig ausgespannt und ist dann vor allem beim Aufenthalt in der Türkei laufend unterwegs gewesen. Kopfblockaden, unter denen er noch in der Vorsaison wegen der beiden Fußbrüche litt, gibt es nicht mehr.
Und Korkmaz verbreitet die Zuversicht, dass er sich in einer ähnlich guten Verfassung wie damals bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz befindet. Dort gaben seine beherzten und mutigen Auftritte letztlich den Ausschlag, dass die Eintracht auf ihn aufmerksam wurde und gleich mit einem Vierjahresvertrag nach Frankfurt holte. Drei Jahre, um nachhaltig etwas mit der Eintracht zu erreichen, bleiben ihm noch. „Ich will auf keinen Fall da unten in der Tabelle rumkrebsen“, sagt Korkmaz. Trainer Skibbe hat ähnliche Ziele.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp