06. Dezember 2006 Der spielerische Höhepunkt liegt ziemlich genau ein Jahr zurück. Es war der 17. Dezember 2005, als Markus Weissenberger wie aus einem Guß spielte, eine brillante Partie ablieferte und Lust auf mehr machte. Beeindruckend damals seine Leistung und seine beiden Zuspiele auf den Doppeltorschützen Francisco Copado zum scheinbar beruhigenden 2:0 in Mönchengladbach. Nach der Pause jedoch ging es abwärts für die Frankfurter Eintracht, die noch 3:4 unterlag - und im weiteren Verlauf sinnbildlich auch mit der Karriere des kleinen Österreichers.
Markus Weissenberger, der flinke, stets fleißige und bemühte Mittelfeldmann, ist seit seinem Dienstantritt bei der Eintracht im Sommer 2004 aus der Gesamtmannschaft nicht mehr wegzudenken. Vor allem als Mensch, als gestandener Familienvater von zwei Kindern, wird Weissenberger von den Kollegen geschätzt und gesucht. Sein Rat, auch in vertraglichen Dingen, ist gefragt, und es ist fast schon logisch, daß er zum Mannschaftsrat gehört und den Klub immer wieder auf dem Feld als Kapitän anführt. Seiner Ansicht nach leider viel zu selten, was mitunter an ihm und seinen schwankenden Leistungen, vielleicht aber auch an seinem Trainer liegt.
Alex Meier bevorzugt
Friedhelm Funkel, das ist kein Geheimnis, setzt in seinen Personalplanungen auf zentraler Mittelfeldposition eher auf Alexander Meier als auf Weissenberger. Ärgerlich für den 31 Jahre alten Mittelfeldrenner: Trotz seines starken Spiels im Uefa-Pokal gegen Newcastle United vor einer Woche mußte er einige Tage später im Ligaalltag zuschauen. Schlimmer noch: Beim 3:2-Auswärtserfolg in Aachen kam er nicht einmal zum Einsatz.
Der Frust sitzt tief. Weissenberger ist zwar Profi genug, um diese Enttäuschung nicht offensiv auszuleben. Doch seine Ankündigung, die Eintracht spätestens zum Saisonende zu verlassen, paßt in seine Phase allgemeiner Unzufriedenheit. Das Kuriose: Ich will ja eigentlich überhaupt nicht weg, sagte er am Mittwoch morgen nach vollbrachter Tagesarbeit. Aber ich muß es im Endeffekt. Die Ausgangslage im Fall Weissenberger: Im Sommer des kommenden Jahres läuft sein Vertrag aus, und das Bestreben der Eintracht-Führung, ihm für eine weitere Spielzeit einen Kontrakt anzubieten, tendiert gegen Null.
Offiziell und öffentlich halten sich Entscheider wie Funkel und Vorstandschef Heribert Bruchhagen zwar bedeckt. Doch sie wissen: Kommen nach dem Ende der Winterpause die schmerzlich vermißten Langzeitverletzten Jermaine Jones, Christoph Preuß und der schon in Aachen für wenige Sekunden eingesetzte Chris gesund und fit in den Mannschaftskern zurück, wird es eng mit einem Platz für Weissenberger. Eben weil mein Vertrag ausläuft, muß ich mir jetzt schon Gedanken für die Zukunft machen, sagte der Österreicher. Ich habe Familie, und ich muß mich fragen: Was ist machbar? Viele Vereine fangen früh zu planen an. Und jetzt bin ich bei den Klubs noch in den Köpfen drin.
Funkel: Weiß nicht, daß Markus gehen will
137 Minuten - dies ist die ernüchternde Gesamtzahl, auf die Markus Weissenberger in der bisherigen Bundesligasaison zurückblicken kann. Ein Spiel über 69 Minuten gegen den 1. FC Nürnberg, ein weiterer Einsatz in der darauffolgenden Woche über 57 Minuten bei den Bayern, dazu der Minieinsatz gegen Mönchengladbach, der verletzungsbedingt nur elf Minuten dauerte. Für einen Mann seines Anspruchs viel zu wenig. Selbst die beiden Volleinsätze im Uefa-Pokal zu Hause und auswärts bei Bröndby IF können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Weissenbergers ganz persönliche Saison bislang wenig verheißungsvoll verlaufen ist.
Friedhelm Funkel, Weissenbergers erster Ansprechpartner in sportlichen (Zukunfts)Fragen, weiß nichts davon, daß Markus gehen will. Ich werde mich erst dazu äußern und eine Entscheidung treffen, wenn der Spieler mit diesem Wunsch zu mir kommt. Für mich ist das aktuell kein Thema. Für den für- und vorsorgenden Familienvater Weissenberger eigentlich auch nicht, zumal es für mich keine konkreten Angebote gibt. Trotzdem: Einer wie Weissenberger will Fußball spielen und nicht die meiste Zeit auf der Bank absitzen. Ich fühle mich körperlich und spielerisch in guter Verfassung, sagte er. Ich will noch vier Jahre Fußball spielen. Aber wo?
Text: F.A.Z.
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