Eintracht Frankfurt

Caio macht Skibbe „verdammt zufrieden“

Von Ralf Weitbrecht, Zell im Zillertal

Virtuos am Ball, aber noch Probleme mit der deutschen Sprache: Caio

Virtuos am Ball, aber noch Probleme mit der deutschen Sprache: Caio

06. Juli 2009 Was ist bloß mit Caio los? Wer in diesen Tagen, fern der Heimat, in das Gesicht des Südamerikaners schaut, sieht einen entspannten, zufriedenen jungen Mann. Caio im Sommer 2009 – doch kein Problembrasilianer? An Caio scheiden sich die Geister. An Caio ist letztlich auch Friedhelm Funkel gescheitert. Unter dem langjährigen Eintracht-Trainer konnte sich Caio Cesar Alves dos Santos, genannt Caio, nie durchsetzen. Unter seinem Nachfolger Michael Skibbe sieht das bislang ganz anders aus. Der neue Eintracht-Coach gewährt dem teuersten Transfer der Vereinsgeschichte die künstlerischen Freiheiten, die er als kreative Kraft benötigt.

Skibbe glaubt an ihn, und er macht vor allem eines intensiv: Er lobt und lobt und lobt. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm“, sagt der 43 Jahre alte Trainer bei der mittäglichen Gesprächsrunde im angestammten Mannschaftshotel in den Zillertaler Alpen. „Caio ist fußballerisch stark und sehr bemüht, auch in der Defensive mannschaftsdienlich zu sein.“ Skibbes Zwischenfazit nach vier Tagen Trainingslagerarbeit in Zell: „Mit seiner Entwicklung bin ich verdammt zufrieden.“ Für Caio sind solche Sätze Musik in seinen Ohren, und es gibt Beobachter, die glauben, ein ständiges Lächeln in seinem Gesicht zu sehen.

Caio traut sich etwas

Tatsache ist: Caio hat Fortschritte gemacht. Er traut sich etwas, was auch damit zusammenhängt, dass er sich im Vergleich zum Vorjahr in einer deutlich besseren konditionellen Verfassung befindet. „Zu Hause habe ich mich mit einem Personal Trainer im Urlaub fit gehalten“, lässt er von seinem Landsmann und Mitspieler Chris übersetzen. „Ich fühle mich sehr gut.“ Was Caio jetzt, da Skibbe das sportliche Sagen hat, besonders gefällt: „Wir machen sehr viel mit dem Ball. Wenn ich den Ball habe, dann bin ich glücklich.“ Dass Fußball mit und ohne Ball gespielt wird, dürfte Caio nach jetzt eineinhalbjährigem Aufenthalt in Deutschland einigermaßen verstanden haben. Die Sprache des Fußballs scheint er nach und nach verinnerlicht zu haben.

Dafür aber mangelt es weiterhin in erheblichem Maße an sprachlichen Fähigkeiten. Sein Versprechen vor einem Jahr, Deutschkurse zu besuchen und das umzusetzen, worum ihn seine Vorgesetzten aufgefordert haben, ist unerfüllt geblieben. Und auch jetzt ist nicht zu erkennen, dass sich daran etwas ändern sollte. Doch auf dem Fußballplatz, da strebt Caio eine andere Strategie an. Unterstützung glaubt er vor allem beim neuen Trainer zu finden. „Es motiviert mich, wenn ein neuer Coach da ist. Mein Berater hat mir gesagt: Herr Skibbe ist ein guter Trainer. Der arbeitet viel mit dem Ball.“ Zur Erinnerung: Vorgänger Funkel hat gleichfalls viel mit dem Ball gearbeitet.

Den Gegner in die Defensive drängen

Die ersten Trainingstage sowie das blamable Testspiel gegen Wattens haben gezeigt, dass Skibbe stark auf Caio setzt. Gegen die drittklassigen Feierabendkicker war der Brasilianer von Beginn an dabei und gehörte neben den Verteidigern Christoph Spycher und Patrick Ochs sowie dem vor der Abwehrkette als Einzelkämpfer spielenden Chris zu den auffälligsten Eintracht-Profis. War Caio am Ball, war die Absicht erkennbar, den Gegner in die Defensive zu drängen. Caio wurde als Anspielpartner gesucht und verteilte oft geschickt die Bälle. Grundsätzlich ist Skibbe der Ansicht, dass Caio „tolle Umschaltaktionen“ hat.

„Kaaa-joo, Kaaa-joo“ – die zuletzt beim Trainingsauftakt in Frankfurt stürmisch vorgetragenen Rufe der Fans haben Caio besonders gefallen. „Das bedeutet mir sehr viel, und ich bin stolz darauf“, sagt er. „Dadurch fühle ich mich besser. Aber ich bin sicher, dass ich noch besser werden kann.“ Skibbe dürfte dabei Hilfestellung leisten. Doch es ist vor allem Caio selbst, der durch mehr Engagement, mehr Willen, mehr Leidenschaft und mehr Biss aus der Trägheitsfalle herauskommen kann, in die er im vergangenen Jahr durch sein Phlegma geraten ist. An gleicher Stelle im Zillertal befand sich Caio im Sommer 2008 in einem „erbärmlichen Zustand“, wie Funkel sagte. Der Brasilianer lief ständig hinterher, musste sogar Gehpausen einlegen und wurde von Radtouren befreit, „weil er es sowieso nicht schafft“.

„Ich fühle mich konditionell gut“

Dass es auch anders gehen kann, hat er ja schon bewiesen. 21. Februar, 54. Spielminute: Caio schaut kurz auf, nimmt Maß – und trifft zum 1:0-Siegtreffer der Eintracht beim Karlsruher SC. Kein „Kanonenschlag“ zwar, wie bei seiner Vorstellung vor eineinhalb Jahren ehrfurchtsvoll angekündigt. Doch immerhin: Ein Kunstschuss mit Finesse. Und wenn Michael Skibbe jetzt nach der Rückkehr in Frankfurt zum Laktattest bittet, sieht Caio diesem Termin entspannt entgegen. „Ich habe keine Angst davor“, sagt er. „Ich fühle mich konditionell gut.“ Ausfallerscheinungen oder Schwächeperioden bei den Tageseinheiten im Zeller Parkstadion? Fehlanzeige. Caio steht seinen Mann.

Bei allen sichtbaren Fortschritten, die der Brasilianer seit seiner Rückkehr aus dem Sommerurlaub gemacht hat, hat er sich auch eine Prise Unbekümmertheit bewahrt. Angesprochen auf die Lieblingsschlagzeile, die er gerne über sich lesen würde, antwortete Caio nach kurzer Bedenkzeit: „Torjäger Caio schießt die Eintracht zur Meisterschaft.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

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