Kommentar zu Eintracht Frankfurt

Doppeltes Leid

Von Ralf Weitbrecht

05. Mai 2008 An dem plötzlichen Temperatursprung hat es bestimmt nicht gelegen, dass so viele Gegentore ohne rechte Gegenwehr gefallen sind. Vier in Stuttgart, sieben gar in Offenbach. Die sogenannten Auftritte der erstklassigen Frankfurter Eintracht beim VfB Stuttgart sowie der zweitklassigen Offenbacher Kickers gegen Borussia Mönchengladbach werfen Fragen auf. Wie konnte es bei der Eintracht zu dieser desolaten Vorstellung kommen? Sind die Kickers dem Kampf um den Klassenverbleib womöglich nicht gewachsen?

Auch Ioannis Amanatidis, der Kapitän der in Stuttgart untergegangenen Eintracht, hat beim 1:4 eine ungenügende Leistung gezeigt. Doch er war als einer der wenigen bereit, sofort Klartext zu reden. Die Ahnung des kämpferischen Griechen: „Wir dürfen uns die ordentliche Saison nicht kaputtmachen.“ Tatsächlich ist es so, dass der genügsame Anhang zufrieden ist mit dem bislang Erreichten. Doch die Stimmung könnte kippen - zumal nach fünf sieglosen Spielen in Folge. Das Erstaunliche dabei: Bei den Niederlagen gegen Hannover und München hat die Eintracht lange Zeit ordentlich Fußball gespielt. In Stuttgart, als das muntere Toreschießen nach nur achtzehn Minuten beim Stand von 3:0 etwas an Dynamik verlor, konnte man das Frankfurter Stückwerk kaum als erstklassigen Fußball identifizieren. Gerade die Abwehrkette, über die Saison betrachtet, der verlässlichste Mannschaftsteil der Eintracht, wurde der Stuttgarter Angreifer nie Herr und leistete sich bedenkliche Schwächen.

Verantwortung gegenüber der zahlenden Kundschaft

Sicherlich: Funkels Erkenntnis, dass es solche Spiele einfach gebe, mag durchaus zutreffen. Doch dass sich diese Frankfurter Mannschaft derart willenlos und kampflos ihrem Schicksal ergab, verwunderte schon. Ob es daran liegt, dass die Spieler von Trainer Friedhelm Funkel mit aktuell 43 Punkten seit Wochen schon aller Sorgen ledig sind und die Saison für die meisten scheinbar gelaufen ist? Einige wenige, Amanatidis beispielsweise, wollen sich mit dem Erreichten nicht zufriedengeben. Der Kapitän sieht auch eine Verantwortung gegenüber der zahlenden Kundschaft.

Schnell die Kurve bekommen. So hatte es Funkel noch in Stuttgart gefordert. Pech für ihn, dass der seit Wochen auf einem konstant hohen Niveau spielende Marco Russ aller Voraussicht nach nicht mithelfen kann, das Desaster von Stuttgart gegen Wolfsburg vergessen zu machen. Der variable Verteidiger hat sich einen schmerzhaften Bluterguss am Fußballen zugezogen. Körperliche und seelische Leiden - das warme Maiwochenende hatte für die Hessen beides im Programm.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

 
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