Von Michael Wittershagen
11. März 2008 Aarón Galindo ist ein freundlicher Mann. Zur Begrüßung reicht er die Hand, entschuldigt sich für sein gebrochenes Deutsch und nimmt einen mit unter das Stadiondach. Es regnet in Frankfurt, und das gefällt dem Mexikaner nicht. Die Leute meinen ja, dass es bald besser wird“, sagt der Fünfundzwanzigjährige und klingt, als könne er das gar nicht glauben.
Sonne und Wärme scheinen für ihn in diesen Tagen ungefähr so fern wie seine rund 9000 Kilometer entfernte Heimat. Aber das Wetter in Deutschland ist kein Problem mehr, genauso wenig wie Verletzungen oder die Verständigung auf dem Platz. Nach einem Dreivierteljahr bei der Frankfurter Eintracht hat Aarón Galindo einiges gelernt und sich in den vergangenen Wochen zudem still und leise einen Stammplatz in der Innenverteidigung der Mannschaft des hessischen Bundesligisten erobert.
Auftakt gegen München
Am 3. November hat er in München sein erstes Spiel von Beginn an bestritten, seitdem stand er in jeder der folgenden elf Partien in der Anfangsformation. Ich habe mehr und mehr meine Rolle innerhalb der Mannschaft gefunden“, sagt Galindo, der viele mit seiner durchaus geschmeidigen Spielweise beeindruckt. Mit seiner Übersicht, dem Stellungsspiel und den schnellen Beinen. Galindo spielt ganz anders als beispielsweise Sotirios Kyrgiakos, an dessen Seite er bislang neunmal verteidigte. Aufgrund eines Nasenbeinbruchs wird der bullige Grieche nun einige Wochen ausfallen – und Galindo womöglich noch mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.
Ich kann noch viel besser spielen
Ihm gefällt das. Er sieht darin eine weitere Möglichkeit, sich zu entwickeln, den nächsten Schritt zu machen. Die erste Zeit hier war gut, aber ich kann noch viel besser spielen.“ Vielleicht könne er sich so auch wieder für die Nationalmannschaft empfehlen, für die er bislang 13 Mal gespielt hat. Was klingt wie eine Ankündigung und ein Versprechen, ist für Galindo nichts weiter als eine logische Folge. Ich musste mich an die Bundesliga gewöhnen und war lange nicht richtig fit“, sagt er. Ein Muskelfaserriss war es, der nach seinem Wechsel von den Grasshoppers Zürich im Sommer einige Wochen lang kaum eine Belastung zuließ.
Und natürlich hatte das auch Auswirkungen auf das Seelenleben des Mexikaners. Er fühlte sich nicht richtig wohl in seiner neuen sportlichen Heimat, es gab sprachliche Grenzen zu seinen Mitspielern, und auf dem Platz konnte er nicht zeigen, was er kann. Selbst als er wieder im Training dabei war, kam er in der Wertschätzung von Friedhelm Funkel oftmals über einen Platz auf der Bank nicht hinaus.
Alles vergessen. Der Trainer weiß, wann die Zeit für jeden gekommen ist“, sagt Galindo heute. Vor ein paar Monaten sei dies für ihn allerdings noch schwerer zu begreifen gewesen. Auch in dieser Zeit war es seine mexikanische Freundin, die immer wieder zwischen Nordamerika und Frankfurt hin und her fliegt. Galindo, der in einer Wohnung in der Frankfurter Innenstadt lebt, hat immer versucht, an sich zu arbeiten, zweimal in der Woche geht er zum Deutschunterricht.
Wunschtraum Bundesliga
Mit Ricardo Osorio und Pável Pardo spielen zwei weitere Mexikaner in der Bundesliga beim VfB Stuttgart. Galindo ruft manchmal bei Osorio an, mit dem er einst gemeinsam bei Cruz Azul aufgelaufen ist, und spricht über das, was passiert in seinem Leben. Glaubt man Aarón Galindo, dann lebt er jetzt seinen Traum. Schon als kleiner Junge in Mexiko-Stadt habe er gehofft, irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen. Zwanzig Jahre später ist er der erste Mexikaner, dem dieser Sprung in den Kader der Eintracht gelungen ist.
Dabei gab es im Umfeld der Eintracht manche, die genau dies für keine ausgesprochen kluge Idee hielten. Während des Confederations Cup 2005 wurde Galindo ebenso wie sein Mannschaftskollege Salvador Carmona der Einnahme des anabolen Steroids Norandrosteron überführt und vom mexikanischen Verband für ein Jahr gesperrt.
Über Doping spricht er nicht
Noch immer beteuert Galindo, das Mittel nicht bewusst zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben. Der Arzt hat es uns gegeben und wusste gar nicht, was er da tat.“ Er selbst will davon nichts gewusst haben, sei sich keiner Schuld bewusst. Und er will auch gar nicht mehr darüber sprechen. Es scheint, als habe Aarón Galindo vieles, was das Leben für einen Fußballspieler nicht unbedingt einfacher macht, hinter sich gelassen. Chris, Aleksandar Vasoski und Kyrgiakos fallen weiter aus.
Galindo wird gebraucht, um der Defensive auch in den nächsten Wochen Stabilität zu verleihen. Ich bin bereit.“ Nur die Sonne scheint noch immer nicht. Nach Ostern wird es sicher warm.“ Dann geht er, bedankt sich für das Gespräch und verschwindet in der Kabine.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
