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Kommunalpolitik

Skepsis gegenüber Kauf von Fraport-Aktien auf Kredit

18. Juli 2004 Die Stadt Frankfurt kann bei einer Aufstockung ihres Anteils an der Flughafenbetreiberin Fraport AG nicht darauf hoffen, daß die Kommunalaufsicht darüber hinwegsieht - nur weil die Aktien nicht von der Verwaltung selbst, sondern von der eigenständigen Stadtwerke Frankfurt am Main Holding GmbH gekauft werden. Wie berichtet, will der Vorsitzende der Stadtwerke-Geschäftsführung, Werner Lutz, die Aufstockung der Beteiligung von 20,5 auf 25,1 Prozent mit Krediten finanzieren. Nach Auskunft eines Sprechers des hessischen Innenministeriums ist die Verwaltung zwar rein formal nicht verpflichtet, ein solches Geschäft einer eigenständigen GmbH anzuzeigen - anders, als wenn die Stadtverwaltung selbst sich zusätzlich verschulden wollte. Doch zum einen hege das Ministerium, das im Falle Frankfurts die Kommunalaufsicht ausübt, die Erwartung, daß man bei einer Entscheidung von solcher Tragweite informiert werde. Zum anderen werde die Aufsicht im Zweifelsfall von sich aus tätig, wenn sie von dem Plan höre. Der Sprecher gab sich sicher, bei einer hundertprozentigen Tochter wie den Stadtwerken könnte die Kommunalaufsicht eine Kreditaufnahme notfalls auch untersagen. Er hob aber hervor, bisher habe sich das Ministerium überhaupt noch nicht mit dem Plan befaßt.

Von Aktienanalysten wird das Vorhaben, Aktienkäufe über Kredite zu finanzieren, zurückhaltend beurteilt. "Üblicherweise rät man Privatanlegern davon ab, Aktien auf Darlehen zu kaufen", sagte gestern auf Anfrage Jan Herbst vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Zwar seien die Stadtwerke nicht mit privaten Investoren zu vergleichen, und die Stadt Frankfurt wolle diesen Weg gehen, um sich Einfluß auf den Flughafen zu sichern. Doch aus der Sicht des Kapitalmarkts wäre es für die Fraport-Aktie und ihre Kurschancen vorteilhafter, wenn der Bund Fraport-Anteile nicht an einen anderen Vertreter der öffentlichen Hand veräußerte, sondern in den freien Verkauf gäbe.

Per-Ola Hellgren, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, äußerte: "Aktien auf Kredit zu kaufen, kann man nur überlegen, wenn der Markt steigt und eine Aktie gute Kurschancen hat. Ich sehe aber weder das eine noch das andere." Fraport sei "grundsätzlich kein Titel, den man mit einer solchen Strategie verbinden würde". Die Aktie habe sich mittlerweile dem defensiven Charakter einer Versorgeraktie angenähert.

Die Analysten meinen damit, mit großen Kurssprüngen nach oben sei nicht zu rechnen. Andererseits dürften die Risiken nicht übersehen werden. Hierbei stehe die Unsicherheit über den Bau der neuen Landebahn ganz oben auf der Liste. "Das ist das überragende Thema", so Herbst, und Hellgren pflichtete ihm bei. Herbst äußerte sich dazu optimistisch, da er mit einer Einigung mit dem Eigentümer des Chemiewerks Ticona, das der Landebahn im Weg ist, und dem Bau der Nordwestbahn rechnet. Falls sich der Ausbau verzögern sollte, wäre dies für die Aktie schlecht, sind sich die Analysten einig. Auch neue terroristische Aktionen gegen Fluglinien wären kursmindernd.

Vor diesem Hintergrund sagte Hellgren: Die Fraport-Aktie wäre für ihn gewiß nicht erste Wahl, wenn es darum ginge, Dividendenpapiere über Kredit zu finanzieren. Schließlich müßten die Kreditzinsen über die Dividende, vor allem aber über Kursgewinne finanziert werden. Und diese sind zuletzt nicht üppig ausgefallen. Trotz des Kursgewinns von etwa 1,5 Prozent auf 24 Euro am Freitag hat sich die Aktie des Flughafenbetreibers binnen Jahresfrist nur um 8,5 Prozent verbessert. Seit dem Jahreshoch vom Januar ist jedoch ein Minus von 9,5 Prozent aufgelaufen. (mak./thwi.)

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