Dinosaurier

„Vogelhirn“ verhalf Sauriern zum Fliegen

29. Oktober 2003 Vor mehr als 250 Millionen Jahren schwangen sich die ersten Flugsaurier zur Jagd elegant in die Lüfte ­ dank eines Gehirns, das große Ähnlichkeit mit dem heutiger Vögel aufwies. Dies ergab eine Untersuchung fossiler Schädel von zwei der so genannten Pterosaurier.

Im Verhältnis zu ihrer Körpermasse hatten sie zwar ein kleineres Gehirn als heutige Vögel, die Organisation der einzelnen Bereiche jedoch war sehr ähnlich, berichten amerikanische Forscher im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 425, S. 950). Mit ihren eleganten Flügeln hätten die Pterosaurier über eine ausgezeichnete Flugkontrolle verfügt und möglicherweise sogar moderne Vögel und Fledermäuse übertroffen, schreibt David Unwin von der Berliner Humboldt-Universität in einem Kommentar in „Nature“. Bestimmte Regionen, die mit dem Gleichgewicht zusammenhängen, waren bei den Flugsauriern sogar stärker ausgeprägt als bei den heutigen Vögeln.

Erste flugfähige Wirbeltiere

Die Pterosaurier waren die ersten flugfähigen Wirbeltiere. Bislang ist nicht viel über die „fliegenden Verwandten der Dinosaurier“ bekannt, da nur wenige Fossilien erhalten sind. Die Forscher um Lawrence Witmer von der Ohio-Universität in Athens (Bundesstaat Ohio) untersuchten nun zwei gut erhaltene Pterosaurier-Schädel: den eines kleineren Rhamphorhynchus, der vor etwa 150 Millionen Jahren im heutigen Deutschland lebte und den eines Anhangueras, einem größeren Flugsaurier mit einer Flügelspanne von mehr als vier Metern und einem rund 50 Zentimeter langen Schädel, der vor etwa 115 Millionen Jahren im heutigen Brasilien heimisch war.

Mit Hilfe eines Computertomographen erzeugten die Wissenschaftler eine dreidimensionale Rekonstruktion des Gehirns und des Innenohrs der fliegenden Reptilien. Die Aufnahmen zeigten, daß die Pterosaurier einen extrem großen „Flocculus“ besaßen ­ eine Hirnregion, die an der Koordination von Bewegungen beteiligt ist. Dort hatten die Saurier sogar „mehr Hirn“ als heutige Vögel. Die Forscher vermuten, daß die Tiere in dieser Region die großen Mengen an Informationen verarbeiteten, die sie mit ihren Flügelhäuten erfaßten. Dadurch hatten die Saurier vermutlich eine außerordentliche Kontrolle über Gleichgewicht, Augen- und Nackenmuskulatur, welche beispielsweise zusammenarbeiten, um das Bild einer Beute auf der Netzhaut zu fokussieren. Außerdem konnten die Flugsaurier vermutlich Informationen, die sie über die große Oberfläche ihrer Flügel aufgenommen hatten, besonders gut verarbeiten. Auf diese Weise hätten die Saurier exakt gespürt, welche aerodynamischen Kräfte auf sie einwirken - eine wichtige Voraussetzung für eine optimale Flugkontrolle.



Text: dpa, ddp
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
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