Artenschutzkonferenz 2007

Vom Tiger bis zum Tropenholz

Von Roland Knauer

05. Juni 2007 Fachleute aus 171 Ländern beraten derzeit in Den Haag über den Artenschutz. Dabei geht es vor allem um den internationalen Handel, denn nach dem Verlust von Lebensräumen ist der Handel die zweitwichtigste Ursache für das Aussterben von Arten.

Sind Mäntel aus den Fellen gefleckter Großkatzen vom Ozelot über den Jaguar bis zum Leoparden in Mode, drohen Wilderer die Großkatzen auszurotten. Und machen Kunsthandwerker den Stoßzahn eines Elefanten zum Schmuckstück, werden die Tiere rasch weniger.

Es geht um Handelseinschränkungen

Wer den internationalen Handel mit Produkten gefährdeter Arten kontrolliert oder unterbindet, hilft, die Ausrottung dieser Arten zu verhindern. Das ist die Grundlage des Handelsabkommens „Convention on International Trade in Endangered Species of wild Fauna and Flora“ (Cites), das 1973 ausgehandelte Washingtoner Artenschutzübereinkommen.

Alle zweieinhalb Jahre treffen sich Vertreter der Vertragsstaaten, um über Änderungen bei den Handelseinschränkungen abzustimmen. Und da man in zwei Wochen nicht über inzwischen mehr als 33.000 Cites-Arten diskutieren kann, stehen bei jedem Treffen einige Arten im Rampenlicht. Dieses Mal sind es vor allem die Elefanten, die Tiger, die Nashörner, der Europäische Flussaal, der Dornhai, die Rote Koralle und das Tropenholz Pau Brasil.



Text: F.A.Z., 04.06.2007, Nr. 127 / Seite 9
Bildmaterial: Archiv

 

Elfenbeinlieferant

Elefanten

Elefanten gelten als die Klassiker unter den zu schützenden Tieren. Die drei Elefantenarten werden vor allem wegen ihrer Stoßzähne geschossen. Die Artenschutzkonferenz gab nun dennoch 60 Tonnen Elfenbein zum Verkauf frei.

In Farmen gezüchtet

Tiger

Generell dürfen die Großkatzen nicht gehandelt werden, daher konnten sich die Bestände in Indien eine Zeitlang auch wieder erholen. Andererseits macht der Wirtschaftsaufschwung in Ländern wie China dem Tiger wieder zu schaffen.

Jagdverbot oder Abschuss?

Nashörner

Nashörner erregen wie Elefanten viel Aufsehen. Bei den zwei Nashornarten in Afrika und drei weiteren Arten in Asien vertritt der WWF eine verblüffende Position. Das Geld aus dem Verkauf von Abschussgenehmigungen könnte den Tieren mehr helfen als ein Jagdverbot.

Kontrollierter Handel

Europäischer Flussaal

Je cleverer die Geschäftsleute, umso gefährlicher wird es für die Tiere. Seit Jungaale, sogenannte Glasaale, vor Europas Küsten gefangen und über Umwege wieder in unseren Fischtheken landen, ist der Europäische Flussaal in großer Gefahr.

„Schillerlocken“

Dornhai

Der Dornhai hat ein enormes Problem: Er ist als „Schillerlocken“ oder Zutat zur traditionellen englischen Fastfood „Fish and chips“ derart beliebt, dass seine Bestände inzwischen um 95 Prozent zusammengeschrumpft sind.

Ketten und Ringe

Rote Koralle

In Amerika und Europa ist die Rote Koralle besonders beliebt. Sie dient als Material für Ringe, Ketten und Einlagen für Schmuck. Entsprechend groß ist der Andrang, von dem sich die Meereslebewesen lange nicht erholen werden.

Geigenholz

Pau Brasil

Das Brasilholz hat eine ganz besondere Eigenschaft: Es besitzt genau die richtige Härte für qualitativ hochwertige Violinenbögen. Dummerweise trifft dies aber nur auf einen Bruchteil zu, so dass ein Großteil des Holzes schlicht weggeschmissen wird.

Erfolg bei Artenschutzkonferenz

Sägefisch und Flussaal auf Liste bedrohter Tierarten aufgenommen

Die Delegierten der internationalen Artenschutzkonferenz in Den Haag haben den Handel mit Sägefischen praktisch vollständig verboten. Alle sieben Arten wurden in den Katalog der gefährdeten Tiere aufgenommen. Auch der Flussaal hat es in letzter Minute geschafft.

Internationale Walfangkommission

Etappensieg für Walschützer

Spezial Die Walschutz-Diplomaten sind zufrieden, der kommerzielle Walfang bleibt offiziell weiterhin verboten. Doch wirklich geschützt hat das Moratorium die Meeressäuger noch nie. Japan als Walfangnation Nummer eins denkt zudem über eine eigene Walfangorganisation nach. FAZ.NET-Spezial.

Artenschutz

Handel bringt viele Arten an den Rand der Ausrottung

Fast unbemerkt gehen viele Tierarten durch den internationalen Handel für immer verloren. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF sind fünf der zehn am meisten gefährdeten Arten sogar nicht einmal international geschützt.