Von Ulrich Schaper
01. Juli 2009 Phileas Fogg hat für seine Reise um die Welt rund achtzig Tage benötigt. Besucher des "Klimahauses Bremerhaven 8° Ost" in Bremerhaven schaffen dies - immer entlang des achten Längengrades - in nur wenigen Stunden. Die am vergangenen Wochenende im Hafenviertel eröffnete Wissens- und Erlebniswelt widmet sich dem Thema Weltklima mit all seinen Facetten. Sie erklärt physikalische Vorgänge des Wettergeschehens und macht anhand plakativer Beispiele deutlich, wie sich der Klimawandel auswirkt.
Außerdem zeigt sie Chancen und dokumentiert neue Erkenntnisse der Forschung. Beinahe die Hälfte der rund 12 000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche nimmt das Themenfeld "Reise" ein. Sie führt den Besucher auf einer teilweise etwas schwer durchschaubaren Strecke durch die verschiedenen Klimazonen der Erde.
Klimalandschaften im Kleinen
In Bremerhaven beginnend, folgt die Ausstellung dem achten Längengrad über die Schweiz nach Sardinien, nach Niger sowie nach Kamerun und über die Antarktis nach Samoa. Dann geht es nach Alaska und über die Hallig Langeneß wieder zurück nach Bremerhaven. Mit detailreich modellierten Landschaften, unter denen sich beispielsweise eine originalgetreue Wiedergabe der Halbwüste in Niger befindet oder eine antarktische Eislandschaft zu durchwandern ist, versucht die Ausstellung, ein Gespür für regional vorherrschende Klimata zu wecken und für die Auswirkungen von Klimaveränderungen zu sensibilisieren.
Von der trockenen Hitze der Wüste über die drückende Luftfeuchte der Tropen bis hin zur trockenen Kälte der Antarktis - die klimatischen Bedingungen sind dem jeweiligen Original nachempfunden. Insbesondere die Aquarien und die Terrarien sind derzeit allerdings noch etwas dünn besiedelt. Mit Schautafeln und ortstypischen Ausstellungsstücken wird in den einzelnen Abschnitten der Reise auf die Situation der jeweils ansässigen Menschen aufmerksam gemacht.
Angeleitetes Experimentieren
Ein weiterer wesentlicher Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den Erdelementen. In diesem Bereich fordern zahlreiche Exponate den Besucher zum Experimentieren und Ausprobieren auf. Dadurch soll ein Verständnis für physikalische Grundlagen und für die Gesetzmäßigkeiten, denen das weltweite Klimageschehen folgt, geschaffen werden, und durch das selbständige Experimentieren soll der Besucher Naturerscheinungen autodidaktisch erfahren. Leider ist die Umsetzung dieser Idee nicht immer hundertprozentig gelungen. Die Bedienung einiger experimenteller Aufbauten erschließt sich teilweise nur auf den zweiten Blick. Es wird erklärt, was latente Wärme ist - wo sie vorkommt und welche Funktion im Klimageschehen sie hat, bleibt der Versuchsaufbau jedoch schuldig.
In den Bereichen Chancen und Perspektiven wird anhand des aktuellen Forschungsstandes aufgezeigt, mit welchen Veränderungen in den kommenden Jahrzehnten zu rechnen ist und mit welchen Maßnahmen der Einzelne zum Klimaschutz beitragen kann. Fogg hat seine Reise, glaubt man der Romanvorlage von Jules Verne, nur einmal unternommen. Für ökologisch und wissenschaftlich Interessierte lohnt sich dagegen auch der mehrmalige Streifzug durch das Klimahaus. An Informationen und Lernmöglichkeiten mangelt es jedenfalls nicht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Rillke und Sandelmann Fotografie