UN-Biodiversitätskonferenz in Bonn

„Es geht ums blanke Überleben“

Eisbären - vom Klimawandel betroffen

Eisbären - vom Klimawandel betroffen

19. Mai 2008 Mehr als 6000 Experten aus 191 Staaten werden in den nächsten zwei Wochen in Bonn darüber diskutieren, wie es um die Umsetzung der 1993 in Kraft getretenen UN-Biodiversitätskonvention bestellt ist. Die auch von Deutschland ratifizierte Vereinbarung soll den Erhalt der biologischen Vielfalt und ihre nachhaltige Nutzung sowie einen gerechten Vorteilsausgleich aus der Nutzung der biologischen Vielfalt gewährleisten. Die Entwicklungsländer klagen über Biopiraterie, wenn etwa Pharmafirmen Heilpflanzen sammeln, um sich die Verwertungsrechte an Wirkstoffen zu sichern.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte bei der Eröffnung, der Verlust der biologischen Vielfalt gehöre neben dem Klimawandel zu den „wichtigsten Herausforderungen der internationalen Politik“. „Es geht für viele Menschen auf der Erde um das blanke Überleben“, sagte er. Wenn etwa die Überfischung nicht gestoppt werde, werde es 2050 keine kommerzielle Fischerei mehr geben. Damit wäre eine Milliarde Menschen ihrer einzigen Proteinquelle beraubt. „Wir reden hier also auch über Armutsbekämpfung“, so der Minister, der in der ersten Sitzung zum Präsidenten der Konferenz bestimmt wurde.

Wirksame Schritte gegen „Biopiraterie“

Gabriel wies auch darauf hin, dass zwischen Artenschwund und Klimawandel eine Wechselwirkung bestehe. Die Zerstörung der Natur beschleunige die Erderwärmung. Ebenso trage die Klimaveränderung zur Vernichtung der biologischen Vielfalt bei. Gabriel mahnte zudem wirksame Schritte gegen „Biopiraterie“ an. Entwicklungsländer mit hoher Artenvielfalt sollten an Gewinnen, die mit ihren pflanzlichen Genen und Wirkstoffen in reichen Ländern erzielt werden, beteiligt werden.

Der Exekutivsekretär der UN-Konvention über biologische Vielfalt, Ahmed Djoghlaf, warnte vor einem „Kollaps der Umwelt“, wenn keine effektiven Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Unter anderem forderte er einen besseren Schutz der Meere. Insbesondere Korallenriffe mit ihrem hohen Artenreichtum seien bedroht. „20 Prozent der Korallenriffe sind bereits zerstört.“

1,7 bis 1,8 Millionen Arten weltweit

Seit Inkrafttreten der Konvention im Jahr 1993 gelten Pflanzen- und Tierarten mit ihren Erbanlagen als souveränes Eigentum der Staaten, in denen sie vorkommen. Solche Erbanlagen sind vor allem für die Pharmaindustrie interessant, die daraus Produkte entwickeln kann. Weltweit gibt es 1,7 bis 1,8 Millionen bekannte Pflanzen- und Tierarten, um deren Erhalt es geht.

Zum Auftakt der Bonner Konferenz demonstrierten Umweltschutzgruppen gegen eine ihrer Ansicht nach einseitig auf Wirtschaftsinteressen ausgerichtete Umwelt- und Naturschutzpolitik. Sie forderten die Industriestaaten zu höheren finanziellen Zusagen für den Naturschutz auf. Oft würden gerade Großkonzerne, Unternehmen und Firmen die gesellschaftliche Aufgabe des Erhalts der biologischen Vielfalt missachten, erklärte ein Sprecher.

Umweltverbände fordern mehr Geld

Greenpeace appellierte an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), eine Initiative zum Schutz der Urwälder zu starten und dafür zwei Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Der Deutsche Naturschutzring erklärte, zur Finanzierung sei weltweit eine abgestimmte Strategie nötig. Denkbar sei etwa eine Abgabe auf internationalen Flug- und Schiffsverkehr, sagte Generalsekretär Helmut Röscheisen.

Insgesamt sind Experten zufolge 30 Milliarden Euro im Jahr notwendig, um den Artenschwund zu bremsen. Die „CBD Alliance“, ein Bündnis von 140 nichtstaatlichen Organisationen, sprach sich für eine Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft aus, insbesondere in armen Ländern. Dies sei für die Nahrungsmittelsicherheit entscheidend. Die Konferenz müsse sich deshalb dafür einsetzen, dass die Rechte von Bauern und Ureinwohnern weltweit garantiert würden.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, reuters

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