Wale

Ein Hörbild der Umgebung

Von Diemut Klärner

Schweinswale haben einen “Sonarsinn“

Schweinswale haben einen "Sonarsinn"

21. Februar 2006 Echoortung mit Ultraschall leistet nicht nur beim Aufspüren von Beutetieren gute Dienste. Fledermäuse nutzen diese Technik auch dazu, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Daß Wale ihr Sonar-System ebenfalls als Orientierungshilfe einsetzen, war bislang nur eine, wenn auch durchaus plausible Vermutung.

Zumindest Schweinswale beherrschen diese Kunst tatsächlich, wie unlängst Wissenschaftler um Ursula Verfuß von der Universität Tübingen und Lee Miller von der Universität von Süd-dänemark in Odense nachgewiesen haben (“Journal of Experimental Biology“, Teil B, Bd. 208, S. 3385). Als Forschungsobjekte dienten zwei Schweinswale, die, aus einem Fischernetz gerettet, in einem geräumigen Bassin an der Ostküste der Insel Fünen einquartiert worden waren.

Tests mit Unterwasser-Mikrophonen

Nur etwa anderthalb Meter lang und mitunter nicht einmal einen Zentner schwer, sind Schweinswale recht handliche Vertreter der Zahnwale. Ob im Atlantik, ob in der Nord- oder Ostsee heimisch - stets bleiben diese Tiere in Küstennähe. Wenn sie dort auf der Suche nach Fisch und Tintenfisch umherstreifen, brauchen sie zwischen tiefen Buchten und flachen Sandbänken einen guten Orientierungssinn, zumal aufgewirbelter Schlamm und Sand das Wasser oft stark trüben. Man nimmt daher an, daß sie sich ein „Hörbild“ von der Umgebung machen.

Für ihre Tests wählten die Forscher windstille Tage, an denen ziemlich klares Meerwasser durch das Bassin strömte. Mit mehreren Unterwasser-Mikrophonen und -Videokameras konnten sie die Wege der Wale dann genau verfolgen. Die Tiere waren darauf trainiert, quer durch das Becken zu schwimmen, wenn auf der anderen Seite einer der Forscher mit der Hand auf das Wasser schlug. Wenn sie dann an Ort und Stelle waren, konnten sie die zuvor unsichtbare, über das Wasser gestreckte Hand berühren. Statt direkt auf eine im Wasser befindliche nahrhafte Belohnung zuzusteuern, mußten sie sich also an der vertrauten Infrastruktur des Beckens orientieren.

Dichte Folge von Ultraschall-Lauten

Während die Schweinswale das Bassin durchquerten, stießen sie eine ununterbrochene Serie von Ortungslauten aus. Je näher sie dem Beckenrand kamen, desto dichter wurde die Folge dieser Ultraschall-Laute. Die Tiere sandten den nächsten nämlich immer genau dann aus, wenn sie das Echo des vorigen empfangen hatten. Daß sie ihr Sonar-System auch in bekanntem Gelände und bei guter Sicht einschalten, beweist, wie unentbehrlich es ihnen ist.

Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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