Von Edo Reents
16. Mai 2008 Ob sie wohl giftig ist? Die Frage ist eher, ob sie in ihrer Freizeit Neil Young hört. Aber wir wissen doch gar nicht, ob Spinnen überhaupt Ohren haben, geschweige denn, ob sie einen Plattenspieler bedienen können. Es scheint jedenfalls üblich zu werden, Tiere nach Rockmusikern zu benennen - das bei Lichte betrachtet pubertäre Prinzip Ich und mein Lieblingslied/-rockmusiker greift nun also auch in der Zoologie durch, wobei die Myrmekiaphila neilyoungi keineswegs die Erste ist.
Das heißt, sie ist schon die erste Myrmekiaphila neilyoungi, weil sie ja gerade erst - sagt man: erfunden? -, weil sie ja gerade erst entdeckt wurde; aber es gibt schon andere Tiere, deren Namen nicht weniger rockklassisch glänzen als eben der von Myrmekiaphila neilyoungi. (Man kann den Namen noch so oft erwähnen, selbst beim stummen Lesen will der Mund die entsprechenden Laute nicht so bilden, wie es die Buchstaben vorsehen; offenbar ekelt er sich vor dem Vieh.)
Ein Käfer namens Roy
Wenn wir sagten, Myrmekiaphila neilyoungi sei nicht das erste Rockertier, dann spielen wir natürlich vor allem an auf Orectochilus orbisonorum, eine ebenfalls noch ziemlich frische, erst im Januar in Arizona entdeckte Käfersorte, mit der dem Mario Lanza des Rock, als der uns Roy Orbison unvergesslich ist, Reverenz erwiesen wird. Die Endung weist allerdings auf eine Besonderheit hin: Wie jeder Lateiner weiß, bezeichnet -orum einen Plural. Das heißt, Orectochilus orbisonorum wurde nicht nach Roy Orbison alleine benannt, sondern auch nach dessen Witwe, sonst hieße das Ding Orectochilus royorbisoni wie Myrmekiaphila neilyoungi, welche wiederum Myrmekiaphila youngorum hieße, ohne Neil, wenn es ihrem Entdecker Jason Bond gefallen hätte, seine Spinne nach Neil Young und dessen Ehefrau zu nennen, wobei sich die Frage nicht gestellt hätte, nach welcher, denn Neil Young ist bereits zum zweiten Mal verheiratet, denn Susan oder Pegi wären ja nicht extra erwähnt worden, sonst wäre es noch schwerer auszusprechen: Myrmekiaphila neiletsusanyoungi oder Myrmekiaphila neiletpegiyoungi. Aber genug davon.
Eines macht die Sache in gewisser Weise pikant: Die Spinne, die als absolut harmlos gilt, obwohl sie zur Unterordnung der Vogelspinnenartigen zählt, wurde in Alabama gefunden - jenem Bundesstaat, den Neil Young in seinem gleichnamigen Lied 1972 als rassistisch verhöhnte. Der Entdecker, der als großer Neil-Young-Fan gilt, legt Wert auf die Feststellung, dass Myrmekiaphila neilyoungi innerhalb der Gattung der Falltürenspinnen eine Klasse für sich darstelle. Das tut Neil Young innerhalb der Gattung der Rockdinosaurier natürlich auch. Sein Management wollte sich zu der ganzen Sache nicht äußern. Typisch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
