Fossilenfund

Segelflieger aus dem Erdmittelalter

Von Reinhard Wandtner

13. Dezember 2006 Säugetiere haben sich schon viel früher in die Lüfte gewagt als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis sind Forscher anhand eines Fossils aus der Mongolei gekommen. Die rund 125 Millionen Jahre alten Überreste stammen von einem Tier, das - wie die Rekonstruktion zeigt - heutigen Flughörnchen ähnelte und auf Bäumen gelebt haben dürfte. Es ist mehr als 70 Millionen Jahre älter als die bisher verfügbaren fossilen Belege für fliegende Säugetiere.

Das neue Fossil läßt gut erhaltene, dicht behaarte Flughäute erkennen, die wohl mit Hilfe der verlängerten Gliedmaßen und des langen Schwanzes aufgespannt werden konnten. Dies läßt auf die Fähigkeit zum Gleitflug schließen, wie Paläontologen um Jin Meng vom American Museum of Natural History (New York) und von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Peking) in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ berichten.

Der Säuger jagte Insekten

Der frühe Segler erhielt den wissenschaftlichen Namen „Volaticotherium antiquus“. Aufgrund seiner Besonderheiten repräsentiert das Tier nach Überzeugung der Forscher nicht nur eine neue Art und Gattung, sondern auch eine neue zoologische Ordnung („Volaticotheria“). Der Säuger dürfte dem Gebiß zufolge Insekten gejagt haben, wenn auch nicht im aktiven Flug wie Fledermäuse. Er wies eine Körperlänge von 12 bis 14 Zentimeter auf und hat vermutlich etwa 70 Gramm gewogen. Insofern erinnert das Tier an das heutige amerikanische Zwerggleithörnchen, den Assapan.

Der Gleitflug hat sich im Verlauf der Evolution mehrmals unabhängig voneinander bei verschiedenen Gruppen (Ordnungen) von Säugetieren entwickelt. Der älteste fossile Beleg, über den man bisher verfügte, stammt aus dem späten Oligozän vor etwa 30 Millionen Jahren. Wesentlich besser dokumentiert ist der aktive Flug. So gibt es eine große Zahl von Fledermausfunden aus dem Eozän vor rund 50 Millionen Jahren. In der Grube Messel sind Fledermäuse sogar die mit Abstand häufigsten Säugetier-Fossilien.



Text: F.A.Z., 14.12.2006, Nr. 291 / Seite 36
Bildmaterial: Nature, Meng, Nature, Zhao/Xing

 
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