Von Peter-Philipp Schmitt
29. Juni 2008 Erstmals ist es den Ländern der Europäischen Union gelungen, sich auf einer Tagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) auf eine gemeinsame Position zu einigen - allerdings richtete sich die Entscheidung gegen das EU-Mitglied Dänemark. Kopenhagen hatte für Grönland, das als autonomes Gebiet zu Dänemark gehört, den Antrag gestellt, zwischen 2008 und 2012 zehn Buckelwale jährlich jagen zu dürfen.
Alle EU-Staaten, die zugleich IWC-Mitglieder sind, lehnten den Antrag ab. Insgesamt stimmten 36 Regierungen gegen die Wiederaufnahme der Buckelwaljagd in europäischen Gewässern, 29 stimmten dafür (unter ihnen die Vereinigten Staaten), zwei enthielten sich. Für die Annahme des Antrags wäre eine Dreiviertelmehrheit notwendig gewesen. Die Entscheidung war die einzig wesentliche, die in diesem Jahr auf der 60. Jahrestagung der IWC in Santiago de Chile gefällt wurde.
Fadenscheinige Begründung
Der Antrag Dänemarks war zugleich der Versuch, eine Art kommerziell geführten indigenen Walfang für Grönland zu rechtfertigen; die Einwohner auf der größten Insel der Welt seien von der Jagd auf die Meeressäuger abhängig. Die IWC folgte der Argumentation nicht, nachdem sie 2007 noch mit großer Mehrheit einer Erhöhung der Fangquoten für Zwerg- und Finnwale zugestimmt und zudem eine Ausweitung der Jagd auch auf Grönlandwale genehmigt hatte.
Walschützer wie der deutsche Vertreter der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS), Nicolas Entrup, merkten kritisch an, dass Grönland schon die genehmigten Fangquoten nicht ausschöpfe und somit die Begründung für die Buckelwaljagd fadenscheinig sei. Allerdings wären die grönländischen Eskimos bereit gewesen, im Austausch für die Buckelwale auf das Töten von acht Finnwalen zu verzichten.
Kein Antrag zum kulturellen Walfang
Japan hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die Jagd auf Buckelwale zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken wiederaufnehmen zu wollen, diesen Plan nach internationalen Protesten jedoch wieder fallengelassen. Den von vielen IWC-Teilnehmern erwarteten Antrag Tokios, vier seiner Küstengemeinden eine Art traditionellen oder kulturellen Walfang nach dem Muster des Subsistenzwalfangs zu erlauben, ihn mit dem indigenen Walfang in Grönland sogar gleichzusetzen, brachte Japan gar nicht zur Entscheidung.
Unter anderem die WDCS hatte eigens zu diesem Antrag ein Papier vorbereitet, das zeigt, dass mindestens zwei der vier Gemeinden niemals zuvor in ihren Küstengewässern Großwale gefangen haben und dass Abashiri, Ayukawa, Wada und Taiji, die sich schon seit dem Jahr 2002 an Japans angeblich wissenschaftlichem Walfang auf Zwergwale beteiligen, bereits jetzt das Walfleisch verkaufen. Sie betreiben also kommerzielle Jagd auf Meeressäuger.
Neuanfang innerhalb der IWC
Auf dem fünftägigen Treffen einigten sich die Vertreter aus 81 Staaten (seit der letzten Tagung in Anchorage kamen noch Uruguay, Rumänien, Kongo und - am ersten Tag des IWC-Treffens in Chile - Tansania hinzu) auf die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft der IWC beschäftigen soll.
Die IWC, die 1946 gegründet wurde, um die Walpopulationen so zu schützen, dass die Walfangindustrie gut davon leben kann, wird dieser Aufgabe schon seit Jahren nicht mehr gerecht. Gegner und Befürworter stehen sich unversöhnlich gegenüber, und die Arbeit der Ausschüsse wird blockiert. Das hat zur Folge, dass Walfangnationen wie Island, Norwegen oder Japan eigene Wege gehen, dass sie, wie vielfach beklagt wird, regelrecht gezwungen seien, unkontrollierten Walfang zu betreiben. Aus diesem Grund verzichteten die Teilnehmer in Chile weitgehend auf alle kontroversen Anträge, um einen Neuanfang innerhalb der IWC zu ermöglichen.
So brachten die Regierungen Argentiniens, Brasiliens und Südafrikas ihren Antrag für ein weiteres Schutzgebiet für Wale im Südatlantik nicht ein. Der Vorschlag war in den vergangenen Jahren schon mehrfach abgelehnt worden, weil er wissenschaftlich nicht zu begründen sei.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa