03. April 2007 Ein Schreckensszenario des Klimawandels gerät ins Wanken: Die Vorstellung, die bunten und artenreichen Regenwälder der Meere - die tropischen Korallenriffe - könnten der Kohlendioxidanreicherung in der Luft sowie in den Ozeanen zum Opfer fallen und regelrechte Wüsten unter Wasser hervorrufen, wird zumindest durch Experimente israelischer Forscher kaum gedeckt.
Die Wissenschaftler haben in Meerwasseraquarien in der Hebrew University in Jerusalem die für die nächsten Jahrzehnte prognostizierte Versauerung vorweggenommen und Steinkorallen aus dem Mittelmeer wie die hier abgebildeten Oculina patagonica ein Jahr lang wachsen lassen.
Die Korallen begannen neue Skelette zu bilden
Von einem bestimmten Säuregehalt an nimmt die Kalkbildung ab, die Konzentration der Karbonat-Ionen sinkt, und schließlich sind die Korallentierchen nicht mehr imstande, das für die Kalkskelettbildung notwendige Mineral Aragonit zu bilden. Um 40 bis 80 Prozent, so hatte man aus den Ergebnissen früherer Experimente berechnet, werde die Kalkbildung zurückgehen, sollte sich der Gehalt an Kohlendioxid in der Luft - wie in Klimaszenarien prognostiziert - noch einmal verdoppeln.
Tatsächlich stellten auch die Steinkorallen der israelischen Forscher im sauren Milieu bei pH-Werten deutlich unter acht nach einem Monat die Skelettbildung ein (Science, Bd. 315, S. 1811). Die Polypen bildeten zwar keinen Kalk mehr, verlängerten aber ihren Körper, blieben an der Unterlage haften, und annähernd neunzig Prozent behielten die für ihr Überleben so wichtigen symbiontischen Zooxanthellen. Vom Ausbleichen erholten sich auch die geschädigten Tiere nach zwei Monaten. Sobald die Säurewerte nach Abschluss des Experiments verringert wurden, begannen die Korallen wieder neue Skelette zu bilden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: A. Briestien, A. Briestin