17. April 2008 Schon der zarte Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann in Texas einen Orkan auslösen.“ Dieses Bild, das der Meteorologe Edward Lorenz 1972 prägte und mit dem er das aufkommende Gebiet der Chaosforschung salonfähig machte, steht für die Beobachtung, dass minimale Störungen in nichtlinearen Systemen zu drastischen, nicht vorhersagbaren Veränderungen führen können. Der Schmetterlingseffekt ist längst nicht mehr nur Mathematikern, Physikern und Wetterfröschen ein fester Begriff. Auch Soziologen und Ökonomen bedienen sich gern des eingängigen Bildes.
Lorenz ging zu Beginn der sechziger Jahre am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge der Vorhersagbarkeit des Wetters nach. Dabei stellte er fest, dass sein einfaches Modell, mit dem er das Wettergeschehen auf einer einfachen Rechenmaschine simulierte, empfindlich von den Anfangsbedingungen abhing. Schon winzige Veränderungen von Temperatur, Luftdruck oder Luftfeuchte führten zu stark voneinander abweichenden Ergebnissen.
Seine Entdeckung, die lange nur wenig Beachtung fand, brachte er mit dem Schmetterlingseffekt selbst wieder ins Gespräch. Heute weiß man, dass die Annahme von Lorenz nicht so ohne weiteres gilt, weil selbst in komplexen chaotischen Systemen geordnete Strukturen auftreten können, die stabilisierend wirken. Dennoch hatten seine Arbeiten großen Einfluss. Der Vater der Chaostheorie, 1917 in West Hartford (Connecticut) geboren, wurde 1948 in Meteorologie am MIT promoviert, dem er zeit seines Lebens treu blieb. Lorenz starb an diesem Mittwoch im Alter von 90 Jahren in Cambridge.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS
