Artenschutz

Es geht nicht nur um Tiere

Von Eva-Maria Magel

17. Januar 2007 Ein bisschen Kühle wie derzeit in Europa findet Rob Williams ganz schön. Denn in Peru, wo er seit drei Jahren lebt, ist es jetzt entsetzlich heiß. Obwohl auch dort das Klima nicht mehr so verlässlich ist: 2006 kam der Regen zwei Monate früher als üblich.

Dass die Phänomene, mit denen sich der 37 Jahre alte Brite tagtäglich beschäftigt, längst globale Dimensionen angenommen haben, ist ein Grund, warum sich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) bei ihrem Regenwaldschutzprogramm in den Ost-Anden um mehr kümmert als nur um Tiere und Pflanzen. Was mit dem Schutz der vom Aussterben bedrohten Riesenotter vor 16 Jahren begann, ist heute Artenschutz, Ausbildung von einheimischen Rangern, aber vor allem auch eine Umwelterziehung, die Zukunftsperspektiven eröffnet.

Umweltprogramm Perus ist schlecht finanziert

In der Stadt Puerto Maldonado etwa wird mit Hilfe der ZGF jedes Schulkind über den Naturschutz aufgeklärt – und der einst bedrohte Riesenottersee gibt den Einheimischen mit Ökotourismus eine Einnahmequelle, die ohne Wilderei oder Sklavenarbeit in Goldminen auskommt. Naturschutz und neue Arbeitsfelder für eine bitterarme Bevölkerung zu verbinden, ist das Ziel des Ost-Anden-Projektes, in das die ZGF jedes Jahr 300.000 Euro investiert. Mit Projektleiter Williams, der vor einem Jahr seinen Dienst antrat und nun in der Frankfurter Zentrale mit Geschäftsführer Christof Schenck, der selbst in Peru gearbeitet hat, neue Aufgaben besprach, arbeiten derzeit 21 Personen: Zwölf von ihnen sind bei der ZGF angestellt, die anderen beim Staat Peru – obgleich auch sie von der ZGF bezahlt werden.

Denn die Peruaner sind sich zwar bewusst, dass ihr Teil des Anden- und Amazonasgebietes eines der artenreichsten Gebiete der Erde ist – allein 1016 Vogelarten gibt es in dem 1,5 Millionen Hektar großen „Manu Nationalpark“, der zu dem von der ZGF kontrollierten Gebiet gehört; insgesamt stehen nach Williams Worten sechs Millionen Hektar unter Schutz. Doch ist das ambitionierte Umweltprogramm Perus weder koordiniert noch ausreichend finanziert. Schlimmer noch, berichtet Williams: Mit der von Brasilien bezahlten Asphaltierung der „Interocéanica“, einer Verbindungsstraße von der peruanischen Küste nach Brasilien, will das Nachbarland seine Sojaexporte vergrößern – für Peru bleibt vom globalen Geschäft wenig, außer einem Lastwagen alle sieben Sekunden.

Armut bekämpfen, Regenwald schützen

Täglich verschwindet durch Siedlungsbau, Wilderei, Goldgräber und illegale Edelholzfäller ein Teil des „wildesten aller wilden Gebiete“, wie Schenck und Williams es nennen. Die Karte, die Williams 2006 anfertigen ließ, sei heute schon veraltet. Und Teile der indigenen Bevölkerung, die nicht mehr zurückgezogen im Wald leben, arbeiten mittlerweile mit Kettensägen. Mit diesen Gruppen, die zwischen traditionellen Lebensformen und den Auswirkungen der Globalisierung ihren Platz suchen, soll in diesem Jahr ein Bildungsprojekt begonnen werden, das die Armut bekämpft und gleichzeitig das kostbare Regenwaldgebiet schützt.

Dessen Zustand untersuchen die peruanischen ZGF-Mitarbeiter auch in diesem Jahr wieder mit vier Exkursionen. Dann ist Williams allein 17 Tage unterwegs, um von dem Posten in Cusco bis in sein Untersuchungsgebiet zu kommen. Eine riskante Reise, doch der Ornithologe kann sich keinen schöneren Job vorstellen: „Kaum zu glauben, dass ich dafür auch noch bezahlt werde.“

Weitere Informationen zur Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und ihrem Regenwaldschutzprogramm gibt es im Internet unter der Adresse www.zgf.de.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Eilmes, Rob Williams

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche