Evolutionsbiologie

Geburt einer Elefanten-Art

Von Joachim Müller-Jung

08. April 2008 Er ist mächtig stark und langlebig, ein muskelbepackter Koloss - immerhin das größte Landsäugetier auf Erden. Und als solcher macht er sich auch seit Generationen nützlich für den Menschen. Aber mit einem Fortpflanzungszyklus von gut zwanzig Jahren ist er nicht gerade das, was man einen „schnellen Brüter“ im evolutionsbiologischen Sinne nennen könnte. Dennoch werden wir möglicherweise gerade Zeugen, wie sich der Stammbaum des Asiatischen oder Indischen Elefanten in zwei Arten aufspaltet. Berliner Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung glauben das jedenfalls aus ihren Genanalysen an 78 frei lebenden Elefanten in Thailand herauslesen zu können.

Die Gruppe um den Evolutionsgenetiker Jörns Fickel ist einer Frage nachgegangen, die viele Elefantenforscher seit Jahren beschäftigt: Im Erbgut der in zahlreiche Einzelpopulationen verteilten rund 50.000 Wildtiere hatte man zwei Linien festgestellt. Die Individuen jeder der Gruppen wiesen jeweils ähnliche Gensequenzen auf. Das betraf aber lediglich das Genmaterial in den als Mitochondrien bezeichneten Zellorganellen.

Männliche Elefanten geben den Ausschlag

Fickel und seine Kollegen haben jetzt gezeigt, dass diese Einteilung in zwei deutlich zu unterscheidende Gruppen auch im Genom des Zellkerns möglich ist - allerdings ausschließlich in dem der männlichen Elefanten. Offenbar verpaaren sich die Bullen statistisch deutlich häufiger innerhalb der eigenen genetischen Untergruppe - und das, obgleich sie durchaus in einer Herde mit den Bullen der anderen Gruppe zusammenleben. Von welchen Merkmalen sie sich bei der Partnerwahl leiten lassen, weiß man noch nicht. Jedenfalls zeigen die beiden Gruppen äußerlich bisher keinerlei Unterscheidungsmerkmale.

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Aber die Beobachtung, dass genetische Unterschiede zuerst bei Männchen auftreten, deckt sich mit zahlreichen Befunden der Evolutionsforschung und der Theorie für den frühen Beginn der Artbildung, die der Evolutionsbiologe und Genetiker J.B.S. Haldane vor Jahrzehnten aufgestellt hatte. Das macht die Biologen zuversichtlich, dass ihre Prognose der Artaufspaltung zutrifft - sollten die Säuger nicht vorher ausgerottet werden. Mit den neuen Befunden steigt nach Überzeugung der Leibniz-Forscher auch der Aufwand, der zur Erhaltung des Asiatischen Elefanten insbesondere in Zoos betrieben werden muss. Gentests sollten jetzt sicherstellen, dass die beiden Untergruppen gleichermaßen geschützt und zugleich vor allzu starker Inzucht geschützt werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP

 
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