Multipolare Welt

Und jetzt der Rest

Im 15. Jahrhundert begann der Aufstieg des Westens. Nun streben jene Länder nach vorn, die bisher in der zweiten Reihe standen. Wenn die Welt des 21. Jahrhunderts multipolar sein wird, hat der „alte Westen“ einen schweren Stand gegenüber China und dem imperialen Russland. Von Klaus-Dieter Frankenberger

Lesermeinungen zum Beitrag

11. August 2008 12:00

Europa hat sich zu warm angezogen

Josef Bujtor (Mramorak)

Wen man sich warm anzieht, spürt man die Kälte nich so richtig. Das ist der Hauptgrund, dass Europa nie genau weiß, wie kalt der Wind wirklich bläst. Und Europa versteht auch den Grund für das Blasen des Windes nich. Man schaut garnicht hin wer gegen wen kämpft. Selbst die führenden europäischen politiker und Medienkommentatoren scheinen nicht zu begreifen, dass dieser Kampf der Unfreiheit gegen die Freiheit gerichtet ist. Dabei ist es selbstverständlich, dass die führenden Gewaltherrsehr, wie China und Russland - es offenbart sich immer mehr als das - ihre Zielsetzung mehr und mehr sichtbar machen. Denn dadurch gewinnen sie immer mehr Anhänger. Wer das nicht begreift, ist Europa. Haben die mal die Energie Europa weggeleitet - Russland sperrt, China kauft alles auf - wird Europa sich schon selbst ergeben. Und dann, so glauben die, hat man auch Amerika. Amerika hatte angefangen den Gewaltherrschern das Handwerk zu legen - die meisten Gewaltherrscher haben das begriffen - nur Europa hat voller Hass und Hochmut versucht den Amerikanern in den Arm zu fallen. Dass Europa sich damit selbs entmannt hat, wurde dort auch nicht begriffen. Die Demokratie ist in Gefahr, Europa! Entwicklung geht nicht ohne Freiheit! Aufwachen.

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11. August 2008 10:35

Nein, Herr Frankenberger, Sie täuschen sich, wenn Sie der Meinung sind...

Ilya Kalinin (amor-fati)

dass Multipolarität den europäischen Interessen nicht zuträglich ist. Und wenn Sie das Streben nach einer multipolaren Welt für eine linksintellektuelle Marotte halten, dann spiegelt das nur Ihr in die Vergangenheit gerichtetes Denken wider. Die Begrenzung der amerikanischen Macht ist kein stupider Antiamerikanismus, sondern ein Zwischenschritt zu einer Weltordnung, in der europäische Werte nicht offensiv exportiert werden, sondern auf natürliche Weise, durch ihre Attraktivität verbreitet werden - natürlich gemeinsam mit den USA! Ihr Verbund westlicher Demokratien (Demintern?) erinnert an eine neue ideologische Grenzlinie, mit der wir Europäer unsere Werte nicht etwa nach außen tragen, sondern eben jenen ideologischen Kampf zwischen autoritären und demokratischen Staaten erst heraufbeschwören. Dass westliche Demokratien ein exklusives Recht haben, die Probleme dieser Welt zu lösen und v.a. dass sie dies erfolgreicher machen können als andere "Pole" ist mit Blick auf das Engagement der aktuellen US-amerikanischen Administration sehr zweifelhaft. "Kalter Wind" - ja, aber man rüstet sich dagegen nicht, indem man sich hinter den USA versteckt oder andererseits sich in seiner postmodernen Lethargie verbarrikadiert.

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