Glosse Politik

Ziemlich spanisch

22. Januar 2006 wie. Braucht Spanien nach einem Vierteljahrhundert großzügiger Rechte für seine Provinzen neue Autonomiestatuten? Die drei "historischen" Regionen Baskenland, Katalonien und Galicien, die entweder allein von Nationalisten oder von ihnen zusammen mit Sozialisten regiert werden, bejahen das. Der Anlauf der Basken, der mit einem "Freistaatsplan" den Rahmen der Verfassung gesprengt hätte, war im Vorjahr in den Cortes gescheitert. Der Vorstoß der Katalanen aber scheint nun eine Vereinbarung zu bringen, die von der Anerkennung als "Nation" bis zu mehr Geld und verordneter Sprachpflege fast alles beinhaltet, was sie sich gewünscht hatten. Das dürfte den Appetit der Galicier anregen, den Hunger der radikalen Basken und Katalanen aber nicht stillen. Die Existenz ihrer nationalistischen Parteien beruht darauf, vom "spanischen Staat" immer mehr Autonomie zu verlangen, bis am Ende nur ein eigener Staat übrigbleibt. Ministerpräsident Zapatero, der in Madrid auf solche Bundesgenossen angewiesen ist, steuert ein schwankendes Schiff. Manchem EU-Politiker kommt die Forderung, in Brüssel und Straßburg drei weitere Sprachen zuzulassen, inzwischen ziemlich spanisch vor.

Text: F.A.Z., 23.01.2006, Nr. 19 / Seite 10

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