
Ich denke, dass das Beispiel der Rütli-Oberschule nur die Spitze eines Eisbergs darstellt. Nicht nur in Neukölln oder in Hamburg-Billbrook gibt es Schulen (Weiterführende Schulen und Grundschulen), an denen es einen hohen Ausländeranteil gibt. Es gibt sie in ganz Deutschland.
Die momentane Debatte ist wichtig, das Ergebnis ist zukunftsentscheidend (gesellschafts-politisch, wie ökonomisch)
Anfang diese Jahres bewertete der UNO-Sondergesandte unser Schulsystem als unfair, da es die Schüler schon sehr früh nach ihrer Leistung (aus)sortiert. Die Kinder, ich benutze bewusst dieses Wort, entscheiden schon im Alter von 10 Jahren, unabhängig von ihrem Potenzial, ihre Zukunftschancen. In so jungen Jahren können die Kinder noch nicht verstehen, dass es um SEHR viel mehr geht als sie denken.
So wurde vorzugsweise nur an der Sprache festegmacht auf welche Schule man gehen soll. Also geht man, ob als Onur, Andrej oder als Phillip auf eine Schule, wo es nur so tummelt von Schülern mit Sprachproblemen. Und wie bitteschön sollen sie dort lernen "normal" deutsch zu sprechen.
Deswegen...
Nur (Ganztägige) Gesamtschule = Chancengleicheit + Integration, als wirklichen Schmelztiegel...
Besonders Begabte könnten Stipendien für Privatschulen/Internate erhalten.

Wer, wie die deutsche Lehrerausbildung es vorsieht, nie den Schulbereich verlässt, sondern von Schule zu Schule wandert, um dann in der Schule zu unterrichten, kann den den Schülern mit der nötigen Stärke und Konsequenz entgegen treten? Diejenigen, die aus dem Berufsleben der freien Wirtschaft in den Schulbereich wechseln haben in aller Regel diese Probleme nicht, da ihr Ansatz ein anderer ist. Ein Hochschulstudium, eher wissenschaftlich orientiert, kaum pädagogische Ausbildung, wobei ich mich frage, was denn dieses ebenfalls theoretische Wissen praktisch bringen soll, sowie eher idealistische Motive, oder auch der Wunsch, für relativ wenig Arbeitszeit bei gutem Einkommen versorgt zu sein kann doch nicht alles sein.
Dies zeigt sich auch an den aktuellen Reaktionen auf ein schon lange bekanntes Problem. Die Kultusminister-konferenz wird wieder mal tagen, es werden Arbeitskreise gebildet, die Lehrer brauchen eine Zusatzausbildung und dafür mehr Geld oder weniger Unterrichtsstunden und und
Wenn der Schulbetrieb von Berufsbeamten auf normale Angestellte umgestellt würde, wäre schon viel gewonnen, dann könnten die Überforderten aussteigen und geeignete den Lehrbetrieb aufnehmen.
Die jungen Menschen, die nach der Schule eine Ausbildung machen werden nicht von heute auf morgen andere Menschen, mir ist bis heute aber kein Hilferuf aus der freien Wirtschaft bekannt bezüglich der hier geschilderten Probleme.

Mir scheint, man weiss schon lange wie man mit schwierigen Kinder und Jugendlichen umzugehen hat. Theoretisch zumindest. Praktisch gibt es nur sehr wenige, die sich dazu berufen fühlen. Lehrer sind zur Zeit die Buhmänner der Nation: Sie haben endlos Urlaub, sind stinkfaul und nicht in der Lage unsere Kinder zu erziehen. Dazu kann man erstmal sagen, dass Kindererziehung die ureigenste Angelegenheit der Eltern ist, sie werden zu 100% haftbar gemacht (sollten sie zumindest).
Zweitens ist der Lehrerberuf allen offen, die ihn attraktiv finden. Es findet sich nur Keiner. Kaum jemand ist wirklich bereit sich mit dem Pöbel an unseren Schulen rumzuschlagen. Und das Problem ist dabei nicht, dass es nicht genügend Masochisten gibt, sondern dass die Arbeitsbedingungen an den Schulen einem Job in der Kläranlage entsprechen. Wer will da schon einsteigen, für welches Geld und Urlaub auch immer?
Die ganzen Schönredner vergessen über ihre tollen Theorien ganz einfach, dass Sozialarbeiter und Lehrer auch nur Menschen sind.

Es ist immer recht einfach, die Lösung in der Bildungspolitik zu suchen und den Betreffenden dort allgemeine Ideologiedebatten vorzuwerfen. Daß Bildungspolitik nicht gerade zu den Bereich gehört, die in der Politik am beliebtesten Sind, weil man sich darüber nicht so profilieren kann wie in der Wirtschafts- oder Finanzpolitik ist leider bereits seit vielen Jahren der Fall. Das Bildungsthema hat hierzulande aber weder Politiker noch die Medien sonderlich umgetan. Niemand verlangte von der Bildungspolitik hierzulande tatsächliche Antworten. Das Thema ist dieser Gesellschaft insgesamt völlig entglitten.
Seit Jahrzehnten hegen wir eine Lehrerkaste, die einer pädagogischen Ideologie der 60er und 70er Jahre frönen, ohne jemals davon weggekommen zu sein. Es fehlt eine deutliche Verjüngung der Lehrerschaft. Das letzte Projekt, mittels Quereinsteigern fehlende Lehrerstellen wieder zu besetzen und frischen Wind in die Lehrerzimmer zu lassen, scheiterte an der Wagenburgmentalität der Altlehrer. Eine Abbrecherquote von bis zu 85% bei Quereinsteigern spricht für sich.
Eltern, die ihren eigenen Erziehungsauftrag am liebsten der der Schule ganz übertragen wollen, Lehrer, die märchenhaften Sozial-Idealen nacheifern, Politiker, die sich am liebsten nicht um Bildung im Detail kümmern möchten und Medien, die auch immer nur dann aufmerksam werden, wenn alles schon zu spät ist - insgesamt im Bereich Bildung also eine völlig desnsibilisierte Gesellschaft, das ist die derzeitige Gemengelage.

Wie immer bringt Heike Schmoll die Sache auf den Punkt. Vielen Dank!