24. November 2009 Militärisch gesehen war der Krieg zum Sturz Saddam Husseins im Frühjahr 2003 ein Erfolg. Doch politisch war er ein Desaster — und im Rückblick lässt sich sagen: er war es von Anfang an. Noch heute wirft der Irak-Krieg einen Schatten auf die beiden Hauptverantwortlichen — den amerikanischen Präsidenten Bush und den britischen Premierminister Blair; er verdunkelt nicht nur die eine oder andere Errungenschaft ihrer Amtszeit, sondern ihre gesamte politische Karriere.
Die Regierungen Europas waren damals zerstritten, ob sie dem amerikanischen Verbündeten Gefolgschaft leisten sollten oder nicht; und manchmal wird dieser Riss noch heute sichtbar. Als zweiundzwanzig Tage nach Beginn der militärischen Intervention Iraker in Bagdad die Statue des Diktators stürzten, sprach der amerikanische Verteidigungsminister von einer völlig neuen Art der Kriegführung. Dann begannen die Schwierigkeiten; es gab keine Pläne für die Zeit nach dem Regimewechsel“. Für das Militär begann die bittere Lehrzeit; die meisten amerikanischen und britischen Soldaten starben erst nach dem Sieg.
Aus Unkenntnis oder mit Absicht übertrieben?
War dieser Krieg legitim und legal? Warum und wann hat sich Blair die Kriegsziele der Regierung Bush zu eigen gemacht? Wurde die angeblich akute Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen des irakischen Diktators eher aus Unkenntnis oder mit Absicht übertrieben? Waren der militärische Einsatz schlecht geplant und die Ausrüstung britischer Soldaten unzureichend?
Diese und andere Fragen, die nach wie vor unbeantwortet sind, soll jetzt die von Premierminister Brown eingesetzte Untersuchungskommission beantworten. Ihre Zusammensetzung — zwei hohe ehemalige Regierungsbeamte, zwei angesehene Historiker und eine Baroness aus dem Oberhaus — verspricht, dass es tatsächlich zu einer unabhängigen und sorgfältigen Ermittlung der Umstände kommt, unter denen Britannien mit den Vereinigten Staaten in diesen Krieg gezogen ist.
Nicht nur die britische Öffentlichkeit hat ein Interesse daran, dass die Wahrheit — oder möglichst viel von ihr — ans Licht kommt. Auch diese Kommission wird nicht alle Geheimnisse lüften. Weil sie niemanden anklagen und sich mindestens ein Jahr Zeit nehmen will, ist zu hoffen, dass ihre öffentlichen Ermittlungen nicht vordergründigen Interessen, sondern tatsächlich der Aufarbeitung eines Kapitels der Zeitgeschichte dienen.
Text: F.A.Z.